Fuhrmannsleben

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„Fuhrmannsleben.“ Holzstich nach Ernst Fröhlich 1849. Münchener Bilderbogen Nr. 24. – 11. Auflage

Unter einer Gesellschaft von lauter Fuhrleuten, die sich nach den überstandenen Mühseligkeiten des Tages, ihres Lebens recht herzlich freuen, size ich izt, freue mich der Wohltaten Gottes, mit denen er arme Wanderer am Abend ihrer Pilgerschaft erfreut, und genieße sie unter Sang und Klang, welches ich für das aufrichtigste Dankgebet halte: denn womit können Würmer, die nicht geben, sondern nur nehmen können, ihrem Wohltäter aufrichtiger danken als mit einem freudigen Genus? Dank ohne Freude ist das, wenn ein Kind mit seinem Vater mault, indem es ihm die Hand küsst.

Diese meine Fuhrleute sind lange ein Gegenstand meines Vergnügens, aber auch meiner Verwunderung gewesen. Leute, die gewis unter allen Gewerben der Welt die Last des Tages am stärksten fülen, und verschwizt, oder erfroren und abgeäschert [abgearbeitet) in die Herberge kommen, müssen ihrer Müdigkeit ungeachtet , noch ihre Pferde besorgen, ziehen dann den Duft von Tausendblumen der Durchreisenden und Durchgereisten ein, riechen schon zum voraus die halverfaulte Streue, reinigen sich von den auf der vorigen Streue aufgelesenen Reisebegleitern, trinken ihren Fusel als Nektar, singen dazu: „Wie lustig ist das Fuhrmannsleben“ und dünken sich die glücklichsten Geschöpfe der Welt. Welch ein Spiegel für den vergolteten  Prasser, der bei seiner Schwelgereien sich unglüklich wähnt, bei den glänzendsten Lustbarkeiten Langeweile fült, und nach neuen Veränderungen jähnt.

Wenzel von Erfurt, eine Robinsonade, Erfurt 1784, S. 320.

Lustig ist das Fuhrmannsleben

Lustig ist das Fuhrmannsleben!
Weil ich leb‘ auf dieser Welt,
Hab‘ ich ihm mich ganz ergeben,
Weil mir diese Lust gefällt.
Darum denk‘ ich immer so;
Klitsche klatsche hi ha ho!

Kommt der Fuhrmann zum Wirthshause,
Ist die Mahlzeit schon bereit,
Ei da geht’s im vollen Schmause,
Denkt an keine Traurigkeit.
Legt sich mit der Magd auf’s Stroh,
Klischee klatsche hi ha ho!

Steht er auf des Morgens frühe,
Weil es noch ganz düster ist,
Weckt den Hausknecht und die Köchin,
Und weil nun das Vieh noch frißt,
Spielt er mit der Köchin so,
Klitsche klatsche hi ha ho!

Hat der Fuhrmann abgefüttert,
Ist die Wirtin flink, gewandt,
Hat die Bulle, die recht bittert*,
Und die Kreide in der Hand,
Macht ein Strichlein hier und da,
Klitsche klatsche hi ho ha!

Will der Fuhrmann nun abgehen,
Kommt die Wirthin mit Papier:
Thu der Fuhrmann hier nachsehen,
Eß‘ er was zum Frühstück hier.
Nun drob ist er auch recht froh,
Klitsche klatsche hi ha ho!

Kann der Fuhrmann nicht fortkommen,
Ei da schlag der Teufel drein,
Vorspann hat er mitgenommen,
Der soll ihm behülflich sein.
Da fährt er dann immer so,
Klitsche klatsche hi ha ho!

Hat er sich nun fest gefahren,
Springt er um den Wagen ‚rum
Kratzt sich fleißig in den Haaren,
Endlich haut er gar nicht dumm
Auf die Pferde immer so,
Klitsche klatsche hi ha ho!

Kann der Fuhrmann nun nicht weiter,
Fängt er gar zu fluchen an,
Wie der ärgste Bärenhäuter,
Daß man’s kaum nachsprechen kann;
Ihr dummen Kreuzluders zieht doch zu,
Klitsche klatsche hi ha hu!

Aus dem sächsischen Erzgebirge
* die Flasche mit bitterem Kräuterschnaps
**

Wilibald Walter (Hg.); Sammlung deutscher Volkslieder, welche noch gegenwärtig im Munde des Volkes leben und in keiner der bisher erschienenen Sammlungen zu finden sind, Leipzig 1841, S. 103ff.

Klaus Matwijow; Die Fuhrleute im Raum Herzberg-Sieber „Lustig“ ist das Fuhrmannsleben nur im Lied, Allgemeiner Harz-Berg-Kalender, Clausthal-Zellerfeld 1983, S. 119f,

mit Verweis auf das „Buntenbocker“ Fuhrmannslied:

„Lustig ist das Fuhrmannsleben,
in der schönen Sommerzeit,
diesem hab ich mich ergeben,
auch dann, wenn es stürmt und schneit;
schwing ich meine Peitsche, so und so,
klitscha, klatscha, hia, hua, ho.“

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Fuhrmannsleben IX | Ritt

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„Fuhrmannsleben.“ Holzstich nach Ernst Fröhlich 1849. Münchener Bilderbogen Nr. 24. – 11. Auflage

Die A B CSchützen.
Rathe, was ich habe vernommen,
Es sind achtzehn fremde Gesellen ins Land gekommen,
Zu mahlen schön und säuberlich,
Doch keiner einem andern glich,
All ohne Fehler und Gebrechen,
Nur konnte keiner ein Wort sprechen,
Und damit man sie sollte verstehn,
Hatten sie fünf Dolmetscher mit sich gehn,
Das waren hochgelehrte Leut,
Der erst erstaunt, reißts Maul auf weit,
Der zweite wie ein Kindlein schreit,
Der dritte wie ein Mäuselein pfiff,
Der vierte wie ein Fuhrmann rief,
Der Fünft gar wie ein Uhu thut,
Das waren ihre Künste gut,
Damit erhoben sie ein Geschrei,
Füllt noch die Welt, ist nicht vorbei.
Achim von Arnim u. Clemens Brentano; Des Knaben Wunderhorn, Band 3, Heidelberg 1808, S. 12f.

Fuhrmannsleben VIII | Letzte Ruhe

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„Fuhrmannsleben.“ Holzstich nach Ernst Fröhlich 1849. Münchener Bilderbogen Nr. 24. – 11. Auflage

Zweiter Fuhrmann: Wer ist der beste Fuhrmann?

Erster Fuhrmann: Der am weitesten und am schnellsten fährt.

Zweiter Fuhrmann: Nun Esel, wer fährt weiter als der aus der Welt fährt, und
wer fährt schneller, als der’s in einer Viertelstunde thut.

Georg Büchner, Danton’s Tod, Frankfurt am Main 1835.