Jacques Callot; Les misères et les malheurs de la guerre, ed. 1633.

Jacques Callot; Les misères et les malheurs de la guerre, ed. 1633.

Auf den Wegen zwischen Zellerfeld und Goslar, imgleichen zwischen Clausthal und Osterode verübten die Schnapphahnen*, oder Harzschützen**, besonders vielen Unfug und Grausamkeit. Unter andern lauerten sie auf die Bergfuhrleute, welchen sie viele Pferde ausspannten, und wegnahmen, so, daß gedachte Fuhrleute zum Theil nicht mehr imstande waren, ihre Bergfuhren gebührend zu versehen.

Rudolph Leopold Honemann, Bergschreiber und erstem Beamten auf der freien Bergstadt St. Andreasberg; Die Alterthümer des Harzes, aus Zeugnissen bewährter Schriftsteller größtentheils aber aus ungedruckten Urkunden, Dritter Theil, Clausthal (W. H. Wendeborn) 1828, 197f..

* Der Schnapphahn, des -es, plur. die -hähne, ein Parteygänger im Kriege, welcher widerrechtlich auf Beute ausgehet, ingleichen eine gelinde Benennung eines Straßenräubers; weil beyde darauf ausgehen, fremdes Gut zu erschnappen. Im Niedersächsischen bekommen diesen Nahmen auch wohl die Gerichtsdiener und Bettelvögte, vermuthlich wohl nur im verächtlichen Verstande.[Bd. 3, Sp. 1587]Adelung = Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe. Leipzig 1793-1801.

** http://de.wikipedia.org/wiki/Harzschützen

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Fuhrherren, Fuhrleute, Fuhrknechte

Fuhrherren, Fuhrleute, Fuhrknechte

Buntenbock hatte in einst eine sehr zentrale und verkehrsgünstige Lage an alten Handels- und Transportstraßen wie z.B. die Alte Harzstraße und der Hundscher Weg. Von hier gut zu erreichen war der Oberharz mit der Clausthaler Hütte und den Gruben sowie den vielen am Wasser liegenden Pochwerken (Erzaufbereitungen), aber auch die Eisensteingruben um Lerbach und Osterode, deren Erz in die Eisenhütten in Osterode und an Harzrand transportiert werden musste. Außerdem musste Getreide vom Kornmagazin in Osterode auf den Oberharz gebracht werden, Holzkohle aus dem Solling herangeschafft werden und Holz aus dem Wald in die Städte und zu den Bergwerken transportiert werden…

Die Häuser der Bergfuhrleute

„Die Bergfuhrleute vertraten im Oberharz den bäuerlichen Berufsstand. Sie waren als Transportunternehmer im Bergbau und Hüttenwesen unentbehrlich. Sie betrieben selbständig ein Lohnfuhrwesen, das zwar von der Bergobrigkeit konzessioniert und mit Aufträgen bedacht werden musste, aber eine kaufmännische Handlungsfreiheit beließ. Im Vergleich mit den Bergleuten und den Hüttenmännern konnten sie leichter zu Wohlstand kommen. Ihre Bauten hatten deshalb entsprechende Größen. Durch die Verbindung mit dem Umland und die von ihnen als Rückfracht leichter heranzuschaffenden Baustoffe treten an den Gebäuden der Fuhrherren frühzeitig Dacheindeckungen aus Ziegel und Steinplatten sowie Wandverschieferungen auf. (…)
Die Fuhrleute waren aus den Dörfern des Harzer Umlandes zugewandert. Es ist deshalb anzunehmen, daß ihnen der in der Heimat geläufige Typ des Streckhofes zum Vorbild gedient hat. Das charakteristische Bauernhaus besteht hier aus dem quer erschlossenen und in Firstrichtung nebeneinander unter gemeinsamen Dach untergebrachten Wohnteil, Stallteil und Bansenteil. Der Scheunenanteil war im Oberharz nicht erforderlich, weil kein Korn angebaut werden konnte. Aus Heulager reichten die Räume über dem Stall und im Boden aus. (…)
Der höhere Wohnwert des Bergmannshauses hat bald zu der Übernahme von dessen Grundrißform für den Teil des Fuhrmannshauses geführt. Das gilt besonders für die Orte in der Nähe der großen Bergstädte. In Buntenbock mit seinen vielen Bergfuhrmannshäusern haben z.B. alle schon die Oberharzer Aufteilung mit der Stube zur Straße, Küche und Hinterstube zum Hof., daneben die durchgehende Dehle. Die Unterkellerung findet sich nur selten unter dem Wohnteil. Die Bevölkerungsgruppe bevorzugte offenbar selbständige Kelleranlagen in einem Berghang am Hof.

Hans-Günther Griep; Das Bürgerhaus der Oberharzer Bergstädte, Tübingen (Ernst Wasmuth) 1975, S. 88ff.Bild

Foto: Ein typisches Buntenböcker Fuhrherrenhaus: Das sogenannte „Bormannshaus“ am Brink in einer Abbildung aus den 20er-30er Jahren d. 20. Jh.. Die seit dem 17. Jahrhundert in Buntenbock urkundliche Fuhrherrenfamilie Bormann kaufte das Anwesen im 18. Jahrhundert (Foto: Privat).

Museum für die Arbeit mit Zugpferden

Alles, was in der Vergangenheit* Mobilität ausmachte, begann ganz vorn mit einer großen weichen „Schnauze“!

*bis etwa 1900 dominierte die pferdebespannte Mobilität an Land in der Fläche eindeutig. Die Eisenbahnen ersetzten in erster Linie die Fernverbindungen – die Kraftfahrzeuge hatten noch keine nennenswerte Bedeutung.

HÖHLE: In dem Bergbaue ist die Höhle ein halb rund ausgehauener Baum, ein Trog von einem gewissen Maße, das Erz darin fortzuschaffen. Gemeiniglich hält eine solche Höhle 16 Centner, oder 34 Körbe, oder 8 Karren.

Art. „Höhle“ in: Johann Georg Krünitz; Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft:
http://www.kruenitz1.uni-trier.de/

Das Fahren des Eisensteins von den Gruben nach der Hütte geschieht theils ein- und theils zweyspännig; im ersteren Falle haben die Wagen zwey und im letzteren vier Räder. Das auf diesen Wagen oder Karren befindliche Behältniß, worin der Eisenstein geladen wird, ist hier, so wie auf den übrigen Hütten, ein länglich viereckiger Kasten, oder so genannte Höhle, die ihre bestimmten Maßen hat.
Für das einspännige Fuhrwerk ist sie im Lichten 5 Fuß lang, 1 Fuß 8 Zoll weit und 1 Fuß hoch; für das zweispännige so weit uns so hoch als diese, aber 10 Fuß lang: erster faßt also, wenn sie schlicht voll geladen wird, 8 1/3 und letztere 16 2/3 Cubikfuß Eisenstein.

Johann Georg Stünkel, Hüttenschreiber; Beschreibung der Eisenbergwerke und Eisenhütten am Harz, zum Gebrauch für reisende und zur Durchsicht für nichtreisende Freunde des Berg- und Hüttenwesens, Göttingen (Dieterich) 1803, S.157f.

Fuhrmannseid vom 6. August 1691

Ich schwöre einen Eid
zu Gott dem Allmächtigen,
daß ich das Gut, dass mir vom hiesigen
beeideten Reidemeister* zu fahren
aufgeladen wird,
für billigmäßige Belohnung dahin fahren,
treulich verwahren und redlich überliefern,
kein Gut verfahren oder irgend anderswo hinbringen
als mir aufgetragen ist,
was mir etwa an Geld und Wechseln
zurückzubringen gereicht wird,
aufrichtig und ohne einzige Hinterhaltung überreichen,
auch für mich selbst kein Gut reiden oder kaufen,
sondern mich in allem also betragen will
wie einem redlichen, aufrichtigen und
getreuen Fuhrmann gebührt.

* http://de.wikipedia.org/wiki/Reidemeister – Unternehmer in Produktion und Vertrieb metallgewerblicher Produkte.
s. auch: http://archive.org/stream/zeitschrift02elbegoog#page/n108/mode/1up

Ich schwöre einen Eid zu Gott,
dass ich das Gut,
das mir zu fahren aufgeladen wird,
für billigmässige Belohnung dahin fahren,
treulich verwahren und redlich überliefern will,
kein Stück verfahren oder irgend anderswo
hinbringen als mir aufgegeben ist,
was mir etwa an Geld und Wechseln
zurück zubringen gereicht wird,
aufrichtig und ohne einzige Hinterhaltung
überreichen und mich in allen so betragen will,
wie einem redlichen, aufrichtigen
und getreuem Fuhrmann gebührt.

Der schlichtere Wortlaut des Eides, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Spedition
u. Anton Heimes; Vom Saumpferd zur Transportindustrie, Bonn-Bad Godesberg (Kirschbaum) 1978, S. 34