Die Häuser der Bergfuhrleute

„Die Bergfuhrleute vertraten im Oberharz den bäuerlichen Berufsstand. Sie waren als Transportunternehmer im Bergbau und Hüttenwesen unentbehrlich. Sie betrieben selbständig ein Lohnfuhrwesen, das zwar von der Bergobrigkeit konzessioniert und mit Aufträgen bedacht werden musste, aber eine kaufmännische Handlungsfreiheit beließ. Im Vergleich mit den Bergleuten und den Hüttenmännern konnten sie leichter zu Wohlstand kommen. Ihre Bauten hatten deshalb entsprechende Größen. Durch die Verbindung mit dem Umland und die von ihnen als Rückfracht leichter heranzuschaffenden Baustoffe treten an den Gebäuden der Fuhrherren frühzeitig Dacheindeckungen aus Ziegel und Steinplatten sowie Wandverschieferungen auf. (…)
Die Fuhrleute waren aus den Dörfern des Harzer Umlandes zugewandert. Es ist deshalb anzunehmen, daß ihnen der in der Heimat geläufige Typ des Streckhofes zum Vorbild gedient hat. Das charakteristische Bauernhaus besteht hier aus dem quer erschlossenen und in Firstrichtung nebeneinander unter gemeinsamen Dach untergebrachten Wohnteil, Stallteil und Bansenteil. Der Scheunenanteil war im Oberharz nicht erforderlich, weil kein Korn angebaut werden konnte. Aus Heulager reichten die Räume über dem Stall und im Boden aus. (…)
Der höhere Wohnwert des Bergmannshauses hat bald zu der Übernahme von dessen Grundrißform für den Teil des Fuhrmannshauses geführt. Das gilt besonders für die Orte in der Nähe der großen Bergstädte. In Buntenbock mit seinen vielen Bergfuhrmannshäusern haben z.B. alle schon die Oberharzer Aufteilung mit der Stube zur Straße, Küche und Hinterstube zum Hof., daneben die durchgehende Dehle. Die Unterkellerung findet sich nur selten unter dem Wohnteil. Die Bevölkerungsgruppe bevorzugte offenbar selbständige Kelleranlagen in einem Berghang am Hof.

Hans-Günther Griep; Das Bürgerhaus der Oberharzer Bergstädte, Tübingen (Ernst Wasmuth) 1975, S. 88ff.Bild

Foto: Ein typisches Buntenböcker Fuhrherrenhaus: Das sogenannte „Bormannshaus“ am Brink in einer Abbildung aus den 20er-30er Jahren d. 20. Jh.. Die seit dem 17. Jahrhundert in Buntenbock urkundliche Fuhrherrenfamilie Bormann kaufte das Anwesen im 18. Jahrhundert (Foto: Privat).

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