WELTKULTURERBE RAMMELSBERG: Kulturerbe der Menschheit: Der Rammelsberg

Tausend Jahre Bergbau und Leben am Rammelsberg: In den Führungen über und unter Tage vermittelt das WELTKULTURERBE RAMMELSBERG ungewöhnliche Einblicke in das Wirken der Menschen am nördlichen Harzrand.
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Von 1700 bis 1850 war die Blütezeit des Fuhrwesens in Buntenbock. Seit etwa 1750 traten „Fuhrherren” auf. Die Fuhrherren fühlten sich als ein besonderer Stand. Es wird berichtet, dass selbst der König ihren Erzwagen ausweichen musste, was wohl mit der schweren Last zusammenhing. Allein im Transportwesen des Eisensteinbergbaus sind um 1800 etwa 560 Pferde mit 280 Fuhrleuten beschäftigt gewesen. Die Fuhrleute wohnten vor allem im Mittelteil des Ortes, der sich fast in einem Halbkreis um die beiden Junkernhöfe legte.

Torsten Schröpfer; Fundgrube. Wissenswertes über den Westharzer Bergbau und das Hüttenwesen, mit zahlreichen Stichwörtern aus den Bereichen Archäologie, Bergbau, Botanik, Geographie, Geologie, Hüttenkunde, Lagerstättenkunde und Mineralogie. Schriftenreihe des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins e.V., Clausthal-Zellerfeld 2000.

1826 | Nachlassfragen

Kund und zu wissen sei hiermit.

Nachdem bey der Teilung des Nachlasses weiland Kohlenfuhrmanns Heinrich Michael Borrmann [*1740 – †1802] zu Buntenbock dessen Sohn, der Kohlenfuhrmann Heinrich Jacob Borrmann [*02.08.1781 – †18.02.1853] folgende Erbschaftsgrundstücke als:

  1. das Haus in Buntenbock nro 12.
  2. die Hälfte der Wiese im Hasenbach nro 52.
  3. die Hälfte der Wiese auf dem oberen Felde nro 32.
  4. die Wiese am Galmke nro 69

angenommen, dagegen die Forderungen der Buntenböcker Capelle und die Prediger Witwencasse übernommen, im Übrigen aber seine Mit-Erben abgefunden hat, so sind denselben vorstehende Grundstücke in den Lagerbüchern* zugeschrieben worden.

Urkundlich unter des Bergamtes Siegel und meiner des zeitigen Bergschreibers Namens Unterschrift.

Gegeben Clausthal den 7. September 1826

(Siegel) Ch. Kast

* „Darunter hat man sich eine Zusammenstellung und Beschreibung aller assecurierten Häuser eines Ortes vorzustellen. In mancher Hinsicht entspricht es dem heutigen Grundbuch. Für Buntenbock wurde ein solches Lagerbuch im Jahr 1766 angelegt und fortlaufend bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts geführt.“ Anneliese Vasel, Wenn Buntenbocker Fuhrherren starben.

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Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

„Die Familienforschung in den sieben Oberharzer Bergstädten St. Andreasberg, Bad Grund, Wildmann, Laufental, Altenau und vor allem in Zellerfeld und Clausthal stößt auf eine besondere gelagerte wirtschaftliche Struktur und ein besonderes gesellschaftliches Gefüge. (…)

Besondere Gruppen und Heiratskreise werden in den Bergstädten auch noch von den Fuhrherren und den Bergschmiedemeistern gebildet. Die Fuhrherren zeigen dabei eine Verbindung zu anderen Pferdehaltern, z. B. den Fleischern und den Bäckern. Fuhrherren und Bergschmiedemeister sind behördlich konzessioniert, dies hebt sie deutlich nach oben in der sozialen Staffelung von den selbständigen Handwerkern ab. Jüngere Söhne wandern gern in untere und mittlere, nichtakademische Laufbahn der Federbedienten (Schreiber) ab.

Deutlich wird hier die allgemeine Tendenz innerhalb der bergstädtischen Bevölkerung sichtbar, sich in ein Schutzverhältnis (Bedientenverhältnis) zur Landes- und Bergbehörde zu begeben. Dieses herrschaftliche Dienstverhältnis wird dem selbständigen Handwerk und Handel vorgezogen, es bedeutet infolge der Verbindung zur fürstlichen Herrschaft einen sozialen Aufstieg.

Im ganzen sehen wir in großen Zügen folgendes Schichtungsbild vor uns:

  1. Berghauptmann, Vizeberghauptmann, ohne Heiratsverbindung zur Bevölkerung des Bergbaugebietes, adlig;
  2. Federbediente, Zuwanderung von außen, vorwiegend aus Städten, geschlossene Heiratskreise, höhere Stufen akademischer Bildung;
  3. Lederbediente, Zuwanderung aus Bergbaugebieten (Erzgebirge), sozialer Aufstieg aus Steigerfamilien, Aufstiegstendenz in Gruppe 2 (Federbediente, Verwaltung) und
  4. Klerus (Kirche und Schule) wandert von außen zu, aber auch aus Gruppe 2 und 3 rekrutiert, Heirat in 2 und 3, freie Berufe.
    Die Gruppen 2, 3 und 4 führen in ihren oberen Rängen die Bezeichnung „Herr“.
  5. Steiger und untere Betriebsbeamte in Hütte, Lochwerk, Münze;
  6. Bergleute, Hüttenleute, Locharbeiter, Münzarbeiter.
    Aufstiegstendenz von 6 nach 5.
  7. Bergschmied, Fuhrherren, halbselbständige Berufsgruppen, sozial etwa der Gruppe 5 entsprechend, wenn auch wohlhabender;
  8. Handwerk und Handel, selbständige Handwerksmeister führen im Kirchenbuch die Bezeichnung „Msgr“ („M“)

In den Jahrhunderten zwischen 1500 und 1866 wandelt sich mancherlei innerhalb dieser Schichtung, grundsätzlich ist aber eine konsequente gesellschaftliche Abstufung nach Rang und Titel festzustellen. Gegenüber der betrieblich starken vertikalen Kommunikation innerhalb des bergmännischen Berufslebens ist für den gesellschaftlichen Verkehr und die Heiratstendenzen eine ausgeprägte horizontale Kommunikation nur innerhalb der einzelnen Schichten der Oberoffiziere (Oberoffizianten), der Unteroffizianten (z. B. Steiger) und des „gemeinen Mannes“, des “gemeinen Bergvolks“ festzustellen.“

 

Lommatzsch, Herbert; Besonderheiten der Familienforschung in den Oberharzer Bergstädten, in: Norddeutsche Familienkunde, Bd. 8, Jg. 17.-19 (1968-1970) | Bd. 8, Jg.17, Hft 3 (Juli/Sept. 1968), Neustadt a. d. Aisch, S. 96-100.

Happy Birthday, Buntenbock! – 24. Mai 1615 – 24. Mai 2015

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„Fuhrmannsleben.“ Holzstich nach Ernst Fröhlich 1849. Münchener Bilderbogen Nr. 24. – 11. Auflage

Herrenstraße | Annerschbarrich

„Herrenstraße“

Mit 22 % Gefälle

die steilste Stadtstraße.

In der Herrenstraße wohnten

die Fuhrherren. Mit dem Bergbau

entwickelte sich im Oberharz ein Fuhrwesen,

das in damaliger Zeit einen Umfang annahm, von

dem wir uns heute kaum noch einen Begriff machen

können. Die alten konzessionierten, pensionsberechtigten

Bergfuhrherren waren angesehene und wohlhabende Leute, die

Tag für Tag dem Berg- und Forstfiskus mit einer stattlichen Anzahl von

Pferden dienten und in Sankt Andreasberg in der nach ihnen benannten Straße

ihre Häuser hatten. Bergstadtverein St. Andreasberg | Text auf „Dennert-Tanne“ in der

Herrenstraße, St. Andreasberg.

Fuhrmannsleben III | Anstieg am Berge

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„Fuhrmannsleben.“ Holzstich nach Ernst Fröhlich 1849. Münchener Bilderbogen Nr. 24. – 11. Auflage

So erfreulich es nun auch ist, auf der Karte [ des Harzes] ein vollständiges Netz zweckmäßig laufender, an die benachbarten Chausseen sich anschließender Straßen wahrzunehmen, so ist doch dabei nicht zu übersehen, daß diese Straßenzüge nicht – wie im übrigen Lande – durch die unmittelbaren Anforderungen des großen Verkehrs hervorgerufen sind. Sie sind vielmehr wesentlich durch Zwecke des Bergwerks, Hütten- und Forstbetriebes bedingt gewesen.

Mehrfach bedurfte es auch eines außerhalb dieser Zwecke liegenden Anstoßes, um die alten Harzwege, welche vor kaum dreißig Jahren nicht ohne wirkliche Gefahr von Reisewagen und anderen im Flachlande gebräuchlichen Fuhrwerken benutzt werden konnten, allmälig in vortreffliche Straßen zu verwandeln.

Nach der Lage des Hannoverschen und Braunschweigschen Harzes mußten die Verbindungswege, welche sich von Alters her zwischen den nördlich und südlich des Gebirges belegenen Ländern gebildet hatten, sich vorzugsweise auf die Linien zwischen Halberstadt und Goslar auf Nordhausen und zwischen Goslar und Osterode beziehen, und in diesen Richtungen haben sich auch die Wege über Elbingerode, Braunlage und Clausthal erhalten.

Wegen der Zersplitterung der Gebiete erlangten sie aber die große Bedeutung nicht, welche ein lebhafter Verkehr ihnen sichern konnte, und geriethen sogar immer mehr in Verfall.

Sie blieben daher in ähnlichem Stande, wie die Communicationswege, welche nach dem Sinken der Reichstadt Goslar sich zwischen den Bergstädten des Oberharzes allmälig herstellten – nur Wege für den Bedarf der Ortschaften und für die Zwecke des Bergwerks- und Hüttenbetriebes.

Alle diese Weg waren als eigentliche Fahrstraßen für die Versorgung des Oberharzes mit dem hier mangelnden Getreide ohne Wichtigkeit, aber sie genügten für die „Treiber“, welche auf den Pferden und Mauleseln Lebensmittel und andere Gegenstände des Verbrauches herbeischafften, und zur Benutzung durch Einspännige Karren, in denen die Erze, Metalle, Kohlen u.s.w. von den Gruben und Hütten oder für sie verfahren wurden. Außerdem dienten dazu die Schlitten, mit denen besonders das Bau- und Brennholz angefahren wurde und welche noch viel angewandt werden.

Es lag in den damaligen Gewohnheiten, daß jede Stadt eine gewisse Länge der nächsten Straße ganz oder zum Theil zu erhalten hatte, und daß jeder Betriebszweig die Kosten der Wege trug, welche ausschließlich oder mit anderer Betheiligung für seine Zwecke dienten.

Die übrigen Wege und Strecken fielen der Forst – wie manche andere Ausgaben und einzelne Domanialeinnahmen -, als dem fürstlichen Domanialgrunde [Bereich einer Domäne] zu, aber ihre Instandsetzung war wieder wesentlich durch die Zwecke des Forstwesens bedingt.

Dieser Zustand dauerte auch großen Theils nach der Beseitigung der westphälischen Usurpation fort, durch welche der gesammte Harz mit Ausnahme des Fürstlich Anhaltschen Gebietes vorübergehend zu einem Ganzen vereinigt war.

Auch in den ersten Jahren nach der Wiederherstellung der rechtmäßigen Verfassung wurden nur geringe Kosten für eine Verbesserung der Wege verwandt.

Die Straßen des Hannoverschen Oberharzes und des Communionharzes; von Oberbergrath Jugler in Hannover, in: Zeitschrift des Architecten- und Ingenieurs-Vereins für das Königreich Hannover, Bd I, Hannover 1855, S. 487.