1615-2015 | Über die Gründung des Dorfes Buntenbock | Teil 2

George-Louis Le Rouge, Mines et Forest du Hartz, Paris 1759, Detail.

George-Louis Le Rouge, Mines et Forest du Hartz, Paris 1759, Detail.

Von Carl Bormann (1874 – 1942)

Zu gleicher Zeit findet auch ein dortselbst bestehender Meyerhof (Junkernhof) mehrfach geschichtliche Erwähnung, woselbst der erste Clausthaler Berghauptmann Quast zeitweilig wohnte. Nach Quast hatte diesen Hof ein Obristleutmann Heinrich von Berkefeld inne, welcher vom Jahre 1639 bis 1643 einen Prozeß mit dem Clausthaler Bergamte führte, über die Aufführung eines Grabens (Junkernfeldergraben) durch seine Wiesenflur (Junkernfeld) und über die Austragung seiner beiden Fischteiche, die ihm entzogen und zu Bergwerkszwecken in Nutzung genommen waren.

Wahrscheinlich waren diese der Sumpf- und Ziegenbergerteich. Unterhalb des Sumpfteiches läßt sich ein verfallener Graben, welcher wohlmöglich die Aufschlagwasser nach der für früheren Sägemühle führte, die aus der Hüttenstätte beim Schützenhaus entstanden sein muß, noch sehr gut nachweisen. Aus der Anlage des Grabens kann man schließen, daß der Teich in der damaligen Zeit die jetzige Ausdehnung nicht gehabt haben kann und die Erhöhung seines Dammes wird im zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts erfolgt sein, denn zu dieser Zeit wurden mehrere Teiche in der Nähe von Buntenbock angelegt (Schwarzenbacher Teich 1611)

Der Ziegenbergerteich wird wohl nur als Ausgleichsteich gegolten haben, durch die Inbesitznahme seitens des Bergfiskus wurde auch hier die Staufläche vergrößert. Der damalige Besitzer dieser Teiche Obristleutmann Berkefeld erhielt für Abtretung derselben und für den Verzicht der ihn zustehenden Fischereigerechtsame die Summe von 120 Thlr durch gütlichen Vergleich von dem Fiskus ausgezahlt. Auch nach der Ziegelhütte (Wohnhaus Schubert) führte ein Graben, welcher die benützten Wasser der obigen Sägemühle etwa 400 m unter derselben aufnahm und nach der dortigen Hüttenstätte bzw. Sägemühle brachte.

Dieser Graben ist am unteren Junkernfelde noch deutlich zu erkennen. Im 17. Jahrhundert wird nun der Ort vielfach geschichtlich erwähnt unter besonderer Bezugnahme auf die Beschäftigung seiner Bewohner, hauptsächlich waren diese Fuhrleute, Eseltreiber und Waldarbeiter die nebenbei eine ausgedehnte Viehzucht trieben.

Die Entstehung des Namens Buntenbock hat Herr Professor Dr. Denker in seinem Vortrage über Wanderungen auf alten Wegen des Oberharzes und allerhand dabei Aufgelesenes auf der 46. Hauptversammlung des Harzvereins trefflich erklärt, in dem der Herr Vortragende ausführte, daß aus dem Ziegenbuch in der Buwende (d.h. Privatbesitz, ausgesondert aus den Gemeinbesitz des Forstes bei der Galmhütte, als diese Bezeichnung im Bezugnahme auf die Ziegenweide nicht mehr zutraf aus dem Ziegenbuch ein Buwendebuch und hieraus ein Buntenbock wurde.

Aus vorliegendem steht wohl ohne weiteres die Tatsache fest, daß Buntenbock eine sehr alte Niederlassung auf dem Oberharz ist, welche durch den Bergbau und Hüttenbetrieb begründet ist, daß später, als die Betriebe eingingen, Holznutzung und ein regerer Fuhrwerksbetrieb in Aufnahme kamen und daß die damaligen Bewohner nebenbei die Viehzucht trieben zur Vervollständigung ihrer täglichen Nahrung.

Die beiden Junkerhöfe die sich ausschließlich der Viehzucht widmeten, können bei der Gründung des Ortes gar nicht (in) Frage kommen; denn die Besitztümer bildeten ein Gemeinwesen für sich mit eigenen Rechten und Pflichten. Durch Ankäufe und Besitznahme der bereits kultivierten Flächen der früheren Hüttenstätten „tom Galle“ entwickelten sich die Höfe zu dem damaligen Stande, der auch in der Jetztzeit zum größten Teile noch besteht.

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1615-2015 | Über die Gründung des Dorfes Buntenbock | Teil 1

Carl Bormann (1874 - 1942) | Aufnahme um 1940 | Foto: Privat

Carl Bormann | um 1940 | Foto: Privat

Von Carl Bormann (1874 – 1942)

In der älteren Harzliteratur findet man stets die Behauptung verzeichnet, Buntenbock sei eine Niederlassung auf dem Oberharz, die ihre Entstehung dem Bergbau nicht zu verdanken habe, sondern die Gründung des Ortes stände mit den beiden Junckernhöfen dortselbst – die der Viehzucht gedient hätten – in engster Beziehung.

Die neueren Forschungen, insbesondere die Ausschüffungen des Herrn Professor Dr. Wenke über die Gründung des Ortes, haben obige falsche Meinung wohl für immer beseitigt und der Beweis, daß der Ursprung der Siedlung mit der früheren Hütte „tom Galme“ in Zusammenhang zu bringen sei, ist als geglückt zu betrachten.

Die Hütte „tom Galme“ und die Ziegenbugeswiese – woran heute noch in der Gemarkung des Ortes die Flurnamen „In der Galmecke“, Ziegenbergerwiesen erinnern – werden nach Denker in einer alten Urkunde vom Jahre 1355 schon erwähnt. Die Ziegenbugeswiese muß in der damaligen Zeit eine viel größere Ausdehnung gehabt haben. als dieselbe heute besitzt.

Wahrscheinlich gehörte derjenige Teil des jetzigen Forstortes Ziegenbergs d ist 35 + 36, welcher heute im Volksmunde den besonderen Namen Gertschelenbleek, Gertschenbleek führt, zu der Ziegenbugeswiese. Mehrere ältere Leute des Ortes haben einen Teil des Gertschlenbleeks noch als Wiese gekannt und der Aufforstung mit beigewohnt.

Den damaligen Besitzern wurden andere Flächen des Forstfiskus zur Urbarmachung zum Tausch überwiesen, die nun als Wiesen in Nutzung kamen. Es sind dieses die Wiesen bei der Badeanstalt Buntenbock, die durch einen noch gut erhaltenen Grenzgraben sich räumlich von der älteren Wiesenflur scheiden.

In einer alten Urkunde über die Weidegerechtsame der beiden Junkernhöfe zu Buntenbock wird bei Aufzählung der Forstorte und Wiesen, die von dem Viehbeständen der beiden Höfe behütet werden können, auch das Gerschlenbleek genannt.

Die Gründung der Siedlung ist wohl bestimmt auf das Vorkommen von Eisenerz zurückzuführen, denn dieses tritt auf den Fluren Gerschlenbleek, Ziegenberg, Kehrzug und Clausberg zu Tage.

Viele kleine Pingen, Schächtchen, Stollen bestätigen, daß in den früheren Zeiten ein eifriger Abbau des Eisenerzes stattgefunden haben muß. Die Erze verschmolz man nun in nächster Nähe ihrer Fundstätten, denn Holz war auch in großer Fülle vorhanden. Recht viele Feuer müssen im Betriebe gewesen sein, wie die verschiedenen Schlackenfundstätten in der Gemarkung des Ortes beweisen.

Man findet z.B. Schlacken beim Hotel Schützenhaus, auf der Wiese am Schubertsbrink, auf der Wiese in der Galmecke und bei der Ziegelhütte Tiefe, ausgefahrene jetzt verlassene Wege führen zu diesen Stollen.

Die Hüttenstätten haben jedoch nur ausschließlich Eisenerze verschmolzen und niemals sind hier Erze des Rammelsberges verhüttet, denn die Zusammensetzungen der Schlacken stellen diese Tatsache ohne weiteres fest. Das fertige Eisen brauchte der Rammelsberg um in großer Menge einmal zur Herstellung von Gezähstücken, zum anderen als Zuschlag bei der Verhüttung seiner Bleierze.

Hardanus Hake [1572 – 1611], Pastor zu Wildemann, sagt schon in seiner Bergchronik vom Harz, daß „unsere“ Vorfahren „aber im Anfang des Bergwerks und dieser letzten aufnehmung nicht alleine große Mühe und arbeit gehabt, wie man die Ertze recht puchen möchte, sondern auch fürnemlich im schmelzen, und haben erstlichen am Markt, da itzund das Rathaus stehet, einen Windofen gehabt, in dem haben sie sich unterstanden die Ertz zu gut zu machen, … haben mit holtze geschmultzen und viel eisen fürgeschlagen, ehe sie den Schlich zum Fluße gebracht. Wenn sie denn lange geschmultzen, haben sie es in einen König getrieben, und ist eitel sutelei und schmierwerk gewest ….“

Goslar wird nun diese Kunst des Schmelzens wohl schon viel früher und auch besser gekannt haben, besonders in der richtigen Anwendung der Eisenzuschläge, die im Übermaß dem Schmelz gut zugegeben ein Schmieren des Ofens veranlaßten.

Der Hunscherweg nun, der in der Nähe von Buntenbock und am süd-östlichen Teil des Gerschlenbleeks vorbeiführt, war der geeignetste Verbindungsweg mit Goslar für den Transport des fertigen Eisens. Als selbstverständlich darf es deshalb wohl betrachtet werden, daß wo solch lebhaftes Treiben herrschte, nunmehr auch der Gedanke kam, sich hier anzusiedeln und auch Flächen urbar zu machen für Nutzung als Viehweiden und selbst Vieh zu halten, deren Milch für die Bewohner als Nahrung groß nötig war.

Das Gerschlenbleek, sowie die Flur der jetzigen Ziegenbergswiesen waren zur Herstellung dieser Viehweiden wie geschaffen, die noch nicht eingeteichte Innerste lag in nächster Nähe und war eine gute Viehtränke. Große, starke Bäume werden hier nicht gestanden haben, sodaß die Rodungen leicht von statten gingen und in wo möglich kurzer Zeit entstand die frühere Ziegenbugeswiese.

Eisenbergbau und Hüttenbetrieb blühten nun weiter. Wie lange jedoch dieser glückliche Zustand für die Siedlung währte, darüber sind keine glaubhaften Zeugnisse verbanden. Mit dem Erliegen des Rammelsberger Bergbaus 1376, welches Jahr Löhneysen in seinem Bericht vom Bergwerk angibt, wird jedenfalls auch die Hütte „tom Galme“ zum Stillstand gekommen sein. Pest und andere Krankheiten werden hier die Bewohner hinweggerafft haben und die Ursache gewesen sein, daß der Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte.

Der Rammelsberger Bergbau wurde nun nach 100 Jahren 1476 wieder aufgenommen, jedoch die Inbetriebsetzung der Hütte „tom Galme“ erfolgte als solche nicht die günstige Lage der Siedlung, insbesondere der Hütten an dem Hunscherweg gibt aber der Wahrscheinlichkeit Raum, daß die bereits kultivierte Fläche nach der Wiederaufnahme des Rammelsberger Bergbaus erneut in Besitz genommen wurde.

Die alten Hütten wurden nun zu Sägemühlen eingerichtet, die Gräben für die Aufschlagwasser wurden weiter hergestellt und Teiche als Sammelbassins angelegt. Die Wiesen bei den Sägemühlen wurden vergrößert nach und nach kam nun die Flur links der Innerste urbar gemachte Fläche hinzu (Junkernfeld), die Viehzucht fand immer mehr Aufnahme, sodaß die Siedlung ein ganz anderes Gepräge annahm.

[Die geschnittenen Bretter fanden Verwendung bei den Bergwerken des Oberharzes. Der Transport ging jetzt nicht mehr auf dem Hunscherwege, sondern auf den neben der Buntenböcker Trift laufenden Wege, der Clausthal bei der Marie Hedwig berührt und zum Rosenhof hinab führt.]

In den Altertümern des Harzes von Honemann [1704 – 1772] wird die Siedlung als ein geringer Bergflecken Buntenbock erwähnt, welcher ums Jahr 1590 schon bestanden hätte, der Name selbst findet aber erst 1615 eine schriftliche Bestätigung, indem der Ort zur Landessteuer herangezogen wurde.

Fortsetzung folgt.

Fuhrleute am Rammelsberg

„Loehneysen - Bericht vom Bergwerck (Titelkupfer)“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

„Loehneysen – Bericht vom Bergwerck (Titelkupfer)“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Vor Zeiten da die Bürger oder Hütten-Herren in Goßlar / den Rammelsberg und die Schmeltzhütten innen hatten / wann das Erz aus den Gruben getrieben ward / da ward einem ieden Theil zugemessen / welcher eine eigene Hütten hatte / der verschmeltzte sein Ertz selber / die aber keine Hütten hatten / die verkaufften ihre Ertz / den Scherben umb vier Mariengroschen / das ist zwey gute Groschen / acht gute Pfennige Fürsten-Müntze /

Die meisten Gewercken / die keine Hütten hatten / die liessen ihre Theil einem andern umb einen jährlichen Zins über / es muste ein jeder sein Ertz / den Scherben umb vier Mariengroschen bezahlen / davon wurden die Arbeiter belohnet / was dann aufs Quartal übrig / oder im Vorrath war am Gelde / das theilte man unter die Gewercken aus / einem ieden / nach dem er viel Theil in einer Gruben hatte / und so sich das gewonn Ertz zu Ablohnen der Arbeiter nicht erstreckte / wie offt geschach / so musten die Gewercken wöchentlich zulegen / und solches mit Geld erstatten.

Es hatte ein ieder Hütten-Herr / für dem Berge seinen Bergknecht / der empfing das Ertz / das ward dann einem ieden in seine Rinne gemessen / das lieff in des Rinne herab / an die Ort / da man darzu fahren konte / welches alsdann die Fuhrleute auf die Hölwegen luden / und für die Hütten führten / und gehet in eine Höle sechs Scherben Ertz / Es hatte auch ein ieder Hütten-Herr seine eigene Fuhrleute zu Ertz / Holtz und Kohlen.

Es sind Anno 1540. als die Bürger in Goßlar den Rammelsberg noch inne hatten / eilff Hütten ganghafftig gewesen / als nehmlich an der Ocker drey / und an der Gran und Inderste achte / auf diesen Hütten ist wöchentlich alles Ertz / so aus dem Rammelsberge kommen / verschmeltzt worden.

 

Aufbereitungsanlage - Kupferstich von J. Wichmann (nach Holzschnitt von Moses Thym) aus Löhneyss "Bericht vom Bergwerck“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - 2. Aufl. um 1660.

Aufbereitungsanlage – Kupferstich von J. Wichmann (nach Holzschnitt von Moses Thym) aus Löhneyss „Bericht vom Bergwerck“. 2. Aufl. um 1660. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Bericht vom Bergwerck, wie man dieselben bawen und in guten Wohlstande bringen sol, sampt allen dazugehörigen arbeiten, Ordnung und Rechtlichen Prozessen, beschrieben durch G. E. Löhneyß,  Stockholm und Hamburg, 1690, S. 79.

Infos zu Autor und Werk: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2013/02/

Flyer: Kulturdenkmal Oberharzer Wasserregal – Eine schematische Darstellung

ERZAUFBEREITUNG UND VERHÜTTUNG

Das Erz musste eine ganze Reihe von Stationen durchlaufen, bis das für die Münzprägung notwendige Silber gewonnen werden konnte. Und immer wieder wurde dabei die Wasserkraft gebraucht. War das Haufwerk im Schacht zu Tage getrieben, brachten die Harzer Fuhrherren es mit dem Erzkarren zum Pochwerk. Hier mussten als erstes Pochknaben am Klaubtisch die erzhaltigen Brocken vom tauben Gestein trennen. Der silberhaltige Bleiglanz war in dem ihn umgebenden Steinmaterial in einem Anteil von oft weniger als 1 Prozent enthalten. Um ihn herauslösen zu können, wurden die Brocken unter den Pochstempeln bis zur Sandkorn- größe zerkleinert …