Alte Fuhrherrenstraße (1972) – Die Alte Fuhrherrenstraße im Ortsteil Buntenbock führt vom Mittelweg am ehemaligen „Platz“ in Richtung auf die „Chaussee“, die Bundesstraße von Goslar nach Osterode.
Der frühere Name Hüttenweg mußte 1972 bei der Zusammenlegung mit der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld geändert werden, weil es in Clausthal-Zellerfeld bereits zwei Straßen ähnlichen Namens gab.
Den Namen Alte Fuhrherrenstraße wählte man, um die Erinnerung an das alte Fuhrherrendorf Buntenbock wachzuhalten. Von 1700 bis 1850 war die Blütezeit des Fuhrwesens in Buntenbock. Seite etwa 1750 traten „Fuhrherren“ auf. Die Fuhrherren fühlten sich als ein besonderer Stand. Selbst der König mußte ihren Erzwagen ausweichen, so wird berichtet. Was mit der schweren Last zusammenhing.
Allein im Transportwesen des Eisensteinbergbaus sind um 1800 etwa 560 Pferde mit 280 Fuhrleuten beschäftigt gewesen. Die Fuhrleute wohnten vor allem im Mittelteil des Ortes, der sich fast in einem Halbkreis um die beiden Junkernhöfe legte. Neben der Schmiede, die noch heute an dem alten Fahrweg liegt, sind auch die Gasthöfe, die zur Einkehr und zum Ausspann für Fuhrleute dienten, eine Erinnerung an die „goldene Zeit“ des Fuhrwesens und Buntenbocks.

Die Straßen in Clausthal – Zellerfeld – Buntenbock früher und heute: Namen – Bilder – Erl./ hrsg. von d. Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Zagest. von Friedrich Seidel, Clausthal-Zellerfeld (Pieper) 1983, S. 42.

1862 – Der Concurrenz entgegen treten …

„Darf man gleich hoffen, daß endlich wieder bessere Conjunturen eintreten werden, so sind dennoch die Aussichten des oberharzischen Eisenhütten-Gewerbes nicht eben die günstigsten, da, abgesehen von der früher oder später schwerlich zu umgehenden Ermäßigung der Eisenzölle, die Concurrenz anderer neuentstandener Werke die harzer Hütten mehr und mehr aus ihrem bisherigen Absatzgebiete zu verdrängen droht oder doch durch das Herabdrücken der Preise den Handelsgewinn empfindlich schmälert. Es darf dabei freilich nicht übersehen werden, daß der Harz große Massen des vortrefflichen Eisensteins in sich birgt, und damit die Grundbedingung eines schwunghaften Eisenhütten-Betriebes auf lange Zeit hinaus gegeben ist und daß die Harzer Hütten jetzt unter dem Mangel genügender Verkehrsmittel empfindlich zu leiden haben. Wir demnächst der Harz mit den Eisenbahnen des Landes in Verbindung gesetzt und damit einesteils die billige Versendung der Produkte der Eisenhütten, andernteils die ausgedehnte Anwendung mineralischer Brennstoffe auf denselben ermöglicht sein, so steht zu hoffen, daß dann die harzer Eisenwerke mehr als jetzt in der Lage sein werden, der Concurrenz von außen erfolgreich entgegen zu treten. Bis es dahin gekommen sein wird, muß es aber einigermaßen zweifelhaft erscheinen, ob der oberharzische Eisenhütten-Haushalt auch dann noch mit Vorteil in seinem bisherigen Umfange wird fortgetrieben werden können, wenn er die Forstproducte, namentlich die Holzkohlen, nach dem Kaufwerthe bezahlen soll. Denn es hat der Wert dieser Produkte im Durchschnitt der 5 Jahre 1853/58 jährlich über 46,000 Reichstaler betragen, (ohne den 2387 Reichsthaler) betragenden Wert der an die Eisensteins-Bergleute berechtigungsweise abgegebenen Grubenhölzer) also mehr als der seitherige durchschnittliche Jahresüberschuss. Hiernach wird es räthlich sein, bei Auferlegung neuer Lasten mit Vorsicht und Schonung zu Werke zu gehen, damit nicht der Fortbestand von Werken gefährdet wird, von deren Erhaltung die Existenz ganzer Ortschaften mehr oder weniger abhängig erscheint. …“

Carl Lahmeyer; Über die gegenwärtige Lage und die Aussichten des oberharzischen Bergwerks- und Hüttenhaushalts, Clausthal (Grosse’sche Buchhandlung) 1862, 48f.

Motto: „Das Land die Früchte bringt, Im Harz der Thaler klingt.“

Fuhrherren, Fuhrleute, Fuhrknechte

Fuhrherren, Fuhrleute, Fuhrknechte

Buntenbock hatte in einst eine sehr zentrale und verkehrsgünstige Lage an alten Handels- und Transportstraßen wie z.B. die Alte Harzstraße und der Hundscher Weg. Von hier gut zu erreichen war der Oberharz mit der Clausthaler Hütte und den Gruben sowie den vielen am Wasser liegenden Pochwerken (Erzaufbereitungen), aber auch die Eisensteingruben um Lerbach und Osterode, deren Erz in die Eisenhütten in Osterode und an Harzrand transportiert werden musste. Außerdem musste Getreide vom Kornmagazin in Osterode auf den Oberharz gebracht werden, Holzkohle aus dem Solling herangeschafft werden und Holz aus dem Wald in die Städte und zu den Bergwerken transportiert werden…

Fuhrherrendorf Buntenbock

Über Buntenbocks Gründung und die Entstehung seines Namens ist wenig überliefert. Buntenbock entstand wahrscheinlich um 1300 als Siedlung um zwei Eisenhütten. Der Name stammt vermutlich aus dem Mittelhochdeutschen und bezieht sich auf die Lage Buntenbocks auf hügeligem Gebiet an einem Bach, nämlich der Innerste. Fest steht, dass Buntenbocks frühe Bewohner vom Fuhrwesen lebten und nicht wie in Clausthal und Zellerfeld aus dem Erzgebirge stammten, sondern aus Lerbach, Osterode und dem Südharzvorland. Buntenbock ist nämlich eine niederdeutsche Sprachinsel im Oberharz, dessen oberdeutsche Mundart von den erzgebirgischen Bergleuten geprägt wurde, die sich im 16. Jh. hier niederließen. Nach dem Erliegen des Hüttenbetriebes entwickelte sich Buntenbock ab 1550 mehr und mehr zu einem bedeutenden Ort des Fuhrwesens für den wieder aufkommenden Bergbau des Oberharzes.