Eisensteinsfuhr im Harz

„Bey der Eisensteinsfuhr von dem Elbingerröder Gruben bedient man sich bald der ein- und bald der zweispännigen Höhlen, je nachdem der Fuhrmann es für gut findet; nach den Andreasberger Gruben hingegen fährt man beständig mit ersteren, weil es hier auf dem Rückwege hin und wieder so steil bergunter geht, daß das hintere Pferd *) nicht im Stande seyn würde, ein zweispänniges (oder ganzes) Fuder aufzuhalten.
Im Winter, wo die meisten Eisensteinsfuhren geschehen, gibt es am Harz gewöhnlich Schnee genug, um sich der Schlitten bedienen zu können; es werden als darin die nämlichen einspännigen oder Halbfuderhöhlen, die sonst auf Karren liegen, auf Schlitten gelegt.

*) Man bemerke hier, daß bey dem Fuhrwerk am Harz überall die bekannten gabelförmigen Deichseln Statt finden, und zwei Pferde nicht neben, sondern vor einander gespannt werden.

Johann Georg Stünkel, Hüttenschreiber; Beschreibung der Eisenbergwerke und Eisenhütten am Harz, zum Gebrauch für reisende und zur Durchsicht für nichtreisende Freunde des Berg- und Hüttenwesens, Göttingen (Dieterich) 1803, S.159f

bei den bergleuten heiszt höhle, auch höle und hölle ein kasten von bestimmten dimensionen (ursprünglich aus gehöhlten baumstämmen), in welchem das erz auf die hütten geschafft wurde.Veith bergwörterb. 274. – Quelle: Wörterbuchnetz

ERZFUHRMANN, m. auriga aeris, der das erz in die schmelzhütte fährt.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 28.07.2013.

„Man wird vielen von dem gemeinen Volcke in dem Ober-Hartz kein großes Unrecht Thun, wenn man ihnen ein grobes, plumpes und ungestümmes Bezeugen so wohl gegen Fremde, als auch gegen ihre Vorgesetzte von Geistlichen und Weltlichen Stande beileget. Jedoch habe (sc. ich) nicht allein selbst erfahren, sondern auch von andern gehöret, daß auch in diesem Stücke in Ansehung der Oerter und Städte ein Unterscheid wahrzunehmen.

Es ist die Wahrheit ziemlich gemäß, daß die Grobheit der Einwohner mit der Höhe und Rauhigkeit der Harzgebirge zunimmt, daß man beinahe sagen könnte: Je rauher der Harz, je grober der Harzmann.

Also sind die Einwohner der Städte Gitter, Grunde und Adreas-Berg schon um einen großen Theil glimpflicher und bescheidener, als die auf höhern Gebürgen wohnhaft, die allergröbste Sorte aber zeiget sich vor andern im Clausthal und Zellerfelde.

Die Fremden erfahren dieses, so bald sie an diesen Orten ankommen. Hier versammelt sich eine grosse Menge ungezogener Berg-Jungen, welche auf eine ungestüme Weise um eine Gabe anhalten, und nicht alleine viele stunden mit ihren gewöhnlichen und beständigen Zuruff: Herr Vetter! die Fremden beunruhigen, sondern sie auch eine Gasse auf die andere nieder verfolgen. Man erfährt auch an diesen und einigen andern Oertern des Ober-Hartzes von den Alten mancherley Grobheit, wenn sie in einer grossen Anzahl beisammen sind.

Die plumpsten unter allen (scil. Bewohnern des Oberharzes) sind wohl die Holzhauer, Kohlenbrenner und Fuhrleute, welche in die Schmelzhütten Kohlen und Erze fahren. Wo ein zu Wagen Reisender solchen, zumal wenn sie in starker Anzahl, welches doch gemeiniglich ist, auf der Straßen beisammen sind, begegnet und nicht allsofort, wo es nur einige Möglichkeit sein will, aus dem Wege weichet, so hat er gewiß die unangenehmsten Worte von ihnen zu vernehmen.

Sie dünken sich mehr priviligiert zu sein als die Postillons und sagen öffentlich, es müßten ihnen alle Fürsten und Potentaten, auch ihr Landesherr selbst, wenn sie nicht gutwillig nachgeben wollten, wenn sie mit Kohlen und Erzen beladen waren, aus dem Wege weichen.

Julius Bernhard von Rohr, Geographische und historische Merkwürdigkeiten des Ober-Hartzes, Frankfurt und Leipzig 1739, zitiert bei Friedrich Günther; Die Bewohner des Oberharzes, in: „Der Harz“ 1887.