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Fuhrmannsdörfer
„Die Ausbildung eines selbständigen Speditionsgewerbes fällt in Niedersachsen in die frühe Neuzeit. Es entwickelte sich jedoch, soweit zur Zeit zu erkennen, nur in den Zentren von Handel und Verkehr und auch dort in unterschiedlichem Maße.
(…) Über den wichtigen Beruf der Fuhrleute wissen wir recht wenig. Selbst in einer für die Spedition so bedeutenden Stadt wie Lüneburg setzen die Quellen darüber erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts ein und weisen dann ein relativ schwach ausgebildetes Gewerbe aus. Dagegen zählte eine kleine, aber an der „Flämischen Straße“ verkehrsgünstig gelegene Stadt wie Wildeshausen 1759 nicht weniger als 169 Fuhrleute und Knechte. Wahrscheinlich war aber ein großer, wenn nicht der größte Teil der Fuhrleute auf dem Lande ansässig. So gab es zwischen Celle und Braunschweig „Fuhrmannsdörfer“, deren Einwohner dieses Gewerbe neben der Landwirtschaft stark betrieben; das wohl bekannteste davon war Bröckel, in dem 1770 39 Familien als Frachtfahrer genannt werden. Auch die Lüneburger Quellen berichten von Fuhrleuten in den benachbarten Landgebieten. Im Raum um Dassel spielte das Fuhrwerken für Holz und Holzkohle ebenfalls eine große Rolle.
Diese Beispiele zeigen, daß auch im Landverkehr die Standorte der Kaufleute und Spediteure auf der einen und der Fuhrleute auf der anderen Seite oft nicht identisch waren. Allem Anschein nach orientierten sich die letztgenannten an den großen Verkehrswegen, und hier waren Lohnfuhren für die Landbewohner ein wichtiger Nebenerwerb. Gleiches gilt dort, wo Hütten und andere materialintensive Gewerbebetriebe größere Transporte an Roh- und Betriebsstoffen erforderten.“
Christine van den Heuvel u. Manfred von Boetticher; Geschichte Niedersachsens, begr. von Hans Patze, Dritter Bd., Teil 1, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von der Reformation bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen; 36) Hannover (Verlag Hahnsche Buchhandlung) 1998, 474ff.
DAS FUHRHERRENDORF BUNTENBOCK
Im Fuhrherrendorf Buntenbock hat der Umgang mit dem Pferd eine jahrhundertelange Tradition. Waren es in der Hochzeit des Bergbaus vor allem der Transport des für den Ausbau der Stollen und Schächte benötigten Holzes, so kamen in der Zeit der Besiedlung des Oberharzes mehr und mehr Transporte zur Versorgung der Bevölkerung hinzu. Pferdefuhrwerke und mit ihnen zahlreiche Pferde auf Weideland bestimmten das Bild des Dorfes. Zu diesem Thema findet sich eine sehr lesenswerte historische Betrachtung auf der Webseite der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld
Die Pferdefreunde Buntenbock möchten mit ihrem Engagement diese Atmosphäre für die Besucher und Einwohner des Dorfes wieder aufleben lassen und erlebbar machen. Nicht allein durch den Umgang mit den Tieren als Reitpferde oder vor der Kutsche, aber auch als gerne gesehene Mitbewohner auf den Weiden und Wiesen unseres Dorfes.
Es wäre sehr gut, wenn eine jede Handelsstadt ihre gewisse Güterbestäter hielte, welche die Fuhrleute von langer Zeit her kenneten, und die guten von den schlechten zu unterscheiden wüßten; auch daß man auf Mittel bedacht wäre, wie es mit dem Fuhrwesen zu Lande etwas geschwinder, durch Anordnung frischer Pferde und Fuhrleute auf gewissen Oertern, Dörfern, mochte zugehen können. Ja, man sollte überhaupt nicht jedermann, der nur will, einen Fuhrmann abgeben laßen, sondern sichere Leute an denen Orten, wo diese Nahrung getrieben wird, aussuchen, solche verpflichten, ihnen ordentliche und öffentliche Certificate und Bestallungen geben, womit sie sich allenthalben legitimiren müßten; dagegen aber sollte verbothen seyn, andern, welche sich nicht auf diese Art legitimiren können, Waaren anzuvertrauen. Es fehlt aber an vielen Orten noch gar sehr an solchen guten Fuhrmannsordnungen. Nur von Frankreich und Holland kann ich nicht verhehlen, daß in diesen beyden Ländern durch vielerley Edicte, Arrêts, Placate und Resolutionen, rühmlichst dafür gesorget, und den Fuhrleuten auf das deutlichste vorgeschrieben worden, wie sich dieselben bey Auf= und Abladung, auch Verführung der ihnen anvertrauten Güter, zu verhalten haben, wie in Savary Dict. univ. de comm. bey den Rubriken: Chartier, Placard, Resolutions, Roulier, Routier, Voiturier und Voiturins, mit mehrerm zu ersehen ist.
Johann Georg Krünitz; Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft ist der Titel einer der umfangreichsten Enzyklopädien des deutschen Sprachraums. Das von J. G. Krünitz begründete Werk erschien 1773 bis 1858 in 242 Bänden und stellt eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftsgeschichtlichen Quellen für die Zeit des Wandels zur Industriegesellschaft dar.
http://www.kruenitz1.uni-trier.de/
Eseltreiber im Okertal

Die Rohmkebrücke im Ockertal (mit Eseltreibern)
aus: Band 3 von Harz-Panorama : Ein Cyklus der schönsten und interessantesten Harzansichten in Stahlstich nach Originalzeichnungen von W. Saxesen / Mit Erläuterungen von Eduard Mühlenpfordt, Clausthal 1844. – Nachlass Louise Höhlein, geb. Bormann (1907-1993).
FUHRMANNSKITTEL, m. ein wie ein hemd und zwar gewöhnlich aus starker leinwand gemachter kittel, den der fuhrmann zu tragen pflegt, in manchen gegenden vorzugsweise von blauer farbe. früher ein lederner rock den die fuhrleute trugen, denn bei Comenius sprachenthür nr. 481 ein lederner rock (fuhrmannskittel), penula scortea. dann überhaupt ein hemdartiger grober kittel.
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 25.07.2013.
Der menschenfreundliche Retter war wohl ein Fuhrmann, der das Fuhrwesen als Gewerbe betrieb?« unterbrach ich seine Erzählung.
»Ja. Es war ein sogenannter Harzer Landfuhrmann.«
»Ah, die kenne ich. Die Leute zogen mit ihren schweren Lastwagen früher von Land zu Land, nahmen überall Gelegenheitsfrachten auf und kehrten oft erst nach mehreren Jahren in ihre Heimat zurück. Ihre Pferde hatten sie mit sonderbaren Kummeten und Dachsfellen ausgeputzt. Sie waren ehrliche Leute, denen man ein ganzes Vermögen getrost anvertrauen konnte. Der Ihrige aber scheint nicht ehrlich gewesen zu sein, wenigstens mit Ihnen nicht, weil er behauptete, daß er auch nach Amerika wolle, was doch keinesfalls die Wahrheit war. Höchst wahrscheinlich hat er Sie nur ausnützen wollen.«
»Das ist richtig. Zunächst aber schenkte ich ihm mein volles Vertrauen und gewann ihn sogar lieb. Er rief mich Konrad, und ich nannte ihn Vetter. Ich fütterte und putzte die Pferde, schlief bei ihnen im Stalle und nahm ihm auch sonst nach Kräften die Arbeit ab. Dafür erhielt ich mein Essen und zuweilen ein altes, abgetragenes Kleidungsstück, weiter nichts. Als nach und nach Monate vergingen, ohne daß wir nach Amerika kamen, merkte ich freilich, daß er mich belogen hatte; aber das ungebundene Leben gefiel mir, und so blieb ich bei ihm, bis er einmal eine Gelegenheitsfuhre nach Otterndorf bekam. Der Ort liegt in der Nähe der See; die Lust nach Amerika erwachte plötzlich von neuem und mit aller Gewalt, und die Folge war, daß ich ihm davonlief nach Bremerhaven.
aus: Karl May; Satan und Ischariot II, Kap. 3 – Ein Millionär
Karl Mays Erzählung „Satan und Ischariot“ erschien zuerst in drei Teilen in der Wochenzeitschrift „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild„.
Die Gesamthandlung der Trilogie umfasst einen Zeitraum von mehreren Jahren und wird nicht chronologisch, sondern mit Rückblenden erzählt. Inhaltlich geht es um die Verfolgung der Schurkenfamilie Melton, die die Helden über verschiedene Kontinente führt.
Text online: http://gutenberg.spiegel.de/buch/2339/4
Werk: http://karl-may-wiki.de/index.php/Satan_und_Ischariot
Werkgeschichte: http://karl-may-buecher.de/textklammer.php?_id=20
Wer hat denn nur den Dampf erdacht,
Die Fuhrleut‘ um ihr Brot gebracht?
Wir sind fürwahr jetzt übel dran.
Der Teufel hol die Eisenbahn!“
Vers, entstanden vermutl. 19./20. Jh., zitiert bei Ursula Vollbrecht; Beiträge zur Harzer Volkskunde, Clausthal-Zellerfeld 1973, S.17.
Über Buntenbocks Gründung und die Entstehung seines Namens ist wenig überliefert. Buntenbock entstand wahrscheinlich um 1300 als Siedlung um zwei Eisenhütten. Der Name stammt vermutlich aus dem Mittelhochdeutschen und bezieht sich auf die Lage Buntenbocks auf hügeligem Gebiet an einem Bach, nämlich der Innerste. Fest steht, dass Buntenbocks frühe Bewohner vom Fuhrwesen lebten und nicht wie in Clausthal und Zellerfeld aus dem Erzgebirge stammten, sondern aus Lerbach, Osterode und dem Südharzvorland. Buntenbock ist nämlich eine niederdeutsche Sprachinsel im Oberharz, dessen oberdeutsche Mundart von den erzgebirgischen Bergleuten geprägt wurde, die sich im 16. Jh. hier niederließen. Nach dem Erliegen des Hüttenbetriebes entwickelte sich Buntenbock ab 1550 mehr und mehr zu einem bedeutenden Ort des Fuhrwesens für den wieder aufkommenden Bergbau des Oberharzes.
Oberharz 1889

