„Der Kohlkarren“

„Fragen wir uns nun, in welchem Dienstverhältnis die Köhler zu den Behörden standen, wer ihr Arbeitgeber war und wie sich ihre Entlohnung regelte, so lag im Oberharz die Sache so:

Die staatliche Forstverwaltung war die Verkäuferin und Lieferantin der Holzkohlen an die Hütten. Die Köhlermeister waren also Angestellte der Forstverwaltung. In jeder Oberförsterei (heute heißen diese: Forstämter) befanden sich eine Anzahl Kohl-Haie, von denen je einer einem Köhlermeister zugewiesen war. Sie leisteten ihre Arbeit im Akkord (in der Bergmannssprache sagt man „Gedinge“), d.h. sie wurden nach dem Quantum ihrer Leistungen entlohnt. Für das Brennen einer bestimmten Einheit Kohlen – sagen wir 2 Raum-Kubikmeter – bekam der Köhlermeister ein bestimmtes Entgelt. Die Kohlen brauchten aber zum Zwecke der Berechnung nicht erst wieder aufgemetert zu werden, sondern die „Kohlkarren“, in denen die Kohlen abgefahren wurden (es waren aus starken Aesten geflochtene ovale Körbe) bildeten zugleich die maßgebende Körpermaße. Es gab davon zwei Größen. Die kleineren faßten 2, die größeren 4 Kubikmeter. Die kleineren hatten 2, die größeren 4 Räder. An jeder Karre hing (von der Polizei kontrolliert) ein mit Wasser gefüllter Eimer, da es oft vorkam, daß die Kohlen auf dem Transporte wieder in Brand gerieten und dann durch den Fuhrmann mit Wasser gelöscht werden mußten.“

Köhler-Leben 1889

Fuhrleute mit „Kohlkarren“ 1889 (Ausschnitt)

Karl Fieke; Die Köhlerei des Harzes in ihrer Poesie und Praxis – Ein Natur- und Kulturbild für das deutsche Volk. Nach der Darstellung früherer Autoren neu aufgelegt, berichtigt und wesentlich ergänzt von Karl Fieke, dem Sprossen einer alten Harzer Köhlerfamilie, Clausthal-Zellerfeld 1934, S. 53.

„Man wird vielen von dem gemeinen Volcke in dem Ober-Hartz kein großes Unrecht Thun, wenn man ihnen ein grobes, plumpes und ungestümmes Bezeugen so wohl gegen Fremde, als auch gegen ihre Vorgesetzte von Geistlichen und Weltlichen Stande beileget. Jedoch habe (sc. ich) nicht allein selbst erfahren, sondern auch von andern gehöret, daß auch in diesem Stücke in Ansehung der Oerter und Städte ein Unterscheid wahrzunehmen.

Es ist die Wahrheit ziemlich gemäß, daß die Grobheit der Einwohner mit der Höhe und Rauhigkeit der Harzgebirge zunimmt, daß man beinahe sagen könnte: Je rauher der Harz, je grober der Harzmann.

Also sind die Einwohner der Städte Gitter, Grunde und Adreas-Berg schon um einen großen Theil glimpflicher und bescheidener, als die auf höhern Gebürgen wohnhaft, die allergröbste Sorte aber zeiget sich vor andern im Clausthal und Zellerfelde.

Die Fremden erfahren dieses, so bald sie an diesen Orten ankommen. Hier versammelt sich eine grosse Menge ungezogener Berg-Jungen, welche auf eine ungestüme Weise um eine Gabe anhalten, und nicht alleine viele stunden mit ihren gewöhnlichen und beständigen Zuruff: Herr Vetter! die Fremden beunruhigen, sondern sie auch eine Gasse auf die andere nieder verfolgen. Man erfährt auch an diesen und einigen andern Oertern des Ober-Hartzes von den Alten mancherley Grobheit, wenn sie in einer grossen Anzahl beisammen sind.

Die plumpsten unter allen (scil. Bewohnern des Oberharzes) sind wohl die Holzhauer, Kohlenbrenner und Fuhrleute, welche in die Schmelzhütten Kohlen und Erze fahren. Wo ein zu Wagen Reisender solchen, zumal wenn sie in starker Anzahl, welches doch gemeiniglich ist, auf der Straßen beisammen sind, begegnet und nicht allsofort, wo es nur einige Möglichkeit sein will, aus dem Wege weichet, so hat er gewiß die unangenehmsten Worte von ihnen zu vernehmen.

Sie dünken sich mehr priviligiert zu sein als die Postillons und sagen öffentlich, es müßten ihnen alle Fürsten und Potentaten, auch ihr Landesherr selbst, wenn sie nicht gutwillig nachgeben wollten, wenn sie mit Kohlen und Erzen beladen waren, aus dem Wege weichen.

Julius Bernhard von Rohr, Geographische und historische Merkwürdigkeiten des Ober-Hartzes, Frankfurt und Leipzig 1739, zitiert bei Friedrich Günther; Die Bewohner des Oberharzes, in: „Der Harz“ 1887.

Fuhrherrendorf Buntenbock

Über Buntenbocks Gründung und die Entstehung seines Namens ist wenig überliefert. Buntenbock entstand wahrscheinlich um 1300 als Siedlung um zwei Eisenhütten. Der Name stammt vermutlich aus dem Mittelhochdeutschen und bezieht sich auf die Lage Buntenbocks auf hügeligem Gebiet an einem Bach, nämlich der Innerste. Fest steht, dass Buntenbocks frühe Bewohner vom Fuhrwesen lebten und nicht wie in Clausthal und Zellerfeld aus dem Erzgebirge stammten, sondern aus Lerbach, Osterode und dem Südharzvorland. Buntenbock ist nämlich eine niederdeutsche Sprachinsel im Oberharz, dessen oberdeutsche Mundart von den erzgebirgischen Bergleuten geprägt wurde, die sich im 16. Jh. hier niederließen. Nach dem Erliegen des Hüttenbetriebes entwickelte sich Buntenbock ab 1550 mehr und mehr zu einem bedeutenden Ort des Fuhrwesens für den wieder aufkommenden Bergbau des Oberharzes.

Der Bergmann achtet ferner darauf, ob die Wege, die die Umgegend mit den Gruben verbinden, gut oder schlecht, kurz oder lang sind. Denn die an nutzbaren Mineralien reichen Orte liefern sehr oft keine Ackerfrüchte, und somit muß alles zum Lebensunterhalt für die Arbeiter und die übrigen Leute nötige zugeführt werden. Schlechte und lange Wege bereiten daher den Lastträgern und den Fuhrleuten viele Schwierigkeiten und erhöhen die Kosten für die zugeführten Dinge, so daß diese um so teuer bezahlt werden müssen.

Georg Agricola; Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen, vollständige Ausgabe nach dem lateinischen Original von 1556, übersetzt und bearbeitet von Carl Schiffner u.a., München (DTV) 1977, S. 26.

Schauvitrine zum Alltag der Fuhrleute im Hütten- und Technikmuseum Ilsenburg (Foto: dbrinkschulte)

Die Tracht der Harzer Fuhrherren und Fuhrleute

Viele Gegenden in Deutschland zeichnen sich durch zum Teil wunderschöne Trachten aus; die Trachtenlandschaft des Harzes, eine Gebirgslandschaft in Norddeutschland, ist weitgehend unbekannt, obwohl es auch hier viele verschiedene Trachten gab.
Einen kleinen Überblick darüber sollen diese Seiten vermitteln.
Überwiegend sind sie mit den Bildern von Rudolf Nickel   (7.4.1890 – 27.4.1975)  aus Goslar illustriert.