Ohne Frage … Höllenqualen

In diesem Zusammenhang darf besonders im Harz der Hüttenrauch oder besser die durch ihn verursachte Beschädigung der Waldstandorte nicht unerwähnt bleiben. Die gasförmige Emission von Schwefeldioxid und Schwermetallen hat in der näheren und weiteren Umgebung der Hütten zu teilweise flächenhaftem Waldsterben geführt und die Waldböden bis heute geprägt. Dem Hüttenrauch selber kam damit der Charakter eines forstlichen Standortsfaktors im Harz zu. Sehr bekannt geworden ist die von dem Chemiker Dr. Julius von Schröder und dem Städtischen Oberförster zu Goslar Carl Reuß 1883 veröffentliche Monographie „Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch und die Oberharzer Hüttenrauchschäden“.

Sicher ist, dass überall dort, wo im und am Harz Erze geröstet bzw. verhüttet wurden, die oben genannten Stoffe mit wechselnden Anteilen auf die umgebende Vegetation – und übrigens auch auf Menschen und Tiere – einwirkten. Eine Goslarer Urkunde aus dem frühen 15. Jahrhundert besagt, dass die Erzrösten auf Geheiß des Rates außerhalb der Stadt angelegt werden sollten, damit die Bürger nicht durch den Gestank belästigt würden. (…) In bis zu drei Umgängen wurde das Erz über einem Holzfeuer mürbe gemacht und dabei der gebundene Schwefel freigesetzt. Der elementare Schwefel sammelte sich in dazu hergerichteten Mulden und konnte auf diese Weise, wie es hieß, gefangen werden. Ohne Frage hatten die Arbeiter dabei Höllenqualen zu leiden. Im Jahr 1639 klagte ein Mühlenbesitzer bei Altenau der Obrigkeit, dass er wegen des Rauches der nahe gelegenen Hütte kein gesundes Vieh erhalten könne.

Der Rauch wirkte zunächst schädlich auf die oberirdischen Pflanzenorgane. Seine Bestandteile führten ferner und nachhaltig zu einer Versauerung der ohnehin oft basenarmen Böden und zu einer großflächigen Anreicherung bzw. Mobilisierung von toxischen Schwermetallen. Daraus konnte wiederum eine Schwächung der Waldbäume resultieren, eine verminderte Stabilität und damit Anfälligkeit gegenüber z. B. Borkenkäfern. Diese Zusammenhänge übrigens sind bereits von forstlichen Zeitgenossen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Harz erkannt und beschrieben worden.

Eine erste namentliche Erwähnung in forstlichem Kontext fanden Waldschäden durch Hüttenrauch in den Kommunion-Forstbeschreibungen von 1691/92, und zwar für die Lautenthaler Forst am Kleinen Bromberg unweit der Lautenthaler Silberhütte sowie für die Wildemänner Forst am Hütteberg.20 Schon die Beschreibung des zuletzt genannten Forstorts durch Groscurt und Ernst in ihrem berühmten Forstabrissbuch von 1680 deutet auf den schädigenden Einfluss von Hüttenrauch hin, wenn gesagt wird, dass des Berges gantzer Boden [. . .] überall truckener nicht gar fruchtbarer Natur [ist] absonderlich gegen Süden herab: Daher an solcher seiten nicht Viel holtzes Zu finden [. . .].
Unsere Annahme wird gestützt durch den bekannten Kupferstich aus der Werkstatt Merians von 1654, welcher den fraglichen Ort (…) aus südöstlicher Richtung zeigt. Die Rauchschwaden der Silberhütte am Fuß des Hüttenbergs sind deutlich zu erkennen. Der Waldzustand in der Rauchfahne der Hütte lässt es nicht unwahrscheinlich erscheinen, dass es sich dabei um Schadsymptome handelt. Die Beispiele ließen sich vermehren.

Peter-M. Steinsiek, Determinanten der Waldentwicklung im Westharz (16.-18. Jahrhundert), Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte Band 80 . Hannover (Verlag Hahnsche Buchhandlung) 2008, 117ff.

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