Die Revisorklippe

Es war einst ein Todtenschreiber oder Revisor auf Klausthal, der konnte nicht ruhen und ging täglich zur Mittagsstunde in seinem Hause walten (spuken). Ein älterer Pater sollte ihn verweisen, konnte es aber nicht, weil er etwas begangen hatte. Da holet ein alter Fuhrherr namens Kaiser einen siebenzehnjährigen Pater, welcher den Mann verweisen sollte. Unterwegs, Morgens in der Frühe, sagte der Pater, ob er nichts fliegen sähe. – Ja, er sähe einen großen Vogel. – Ja, ein schöner Vogel, sagte der Pater lachend, es ist der Stepke (Teufel). Er sei schwer beladen, ob er wolle, was er hätte? Er müsse ihm etwas abnehmen, sonst sei seine Gerechtsame verfallen, und er könne nicht mehr verweisen. Der Teufel berichtete ihnen nun, er wolle zu einer Kindtaufe und habe bei sich Mehl, Rosinen, Zucker und Butter, das wolle er den Kindtaufsleuten bringen. Der Fuhrherr meinete zwar, er möge vom Teufel nichts, der Pater aber sagte: er solle wenigstens die Butter nehmen. So nahmen sie ihm die Butter ab, damit hat der Fuhrherr nachher seine Pferde geschmiert und besonders schöne Rosse dadurch erhalten.

Der Pater hat den Revisor darauf nach der Klippe gebannt, die nun die Revisorklippe genannt wird. Dort sieht man deutlich ein Buch oder einen Berg Acten aus Stein und einen Sessel dabei. Kohlenbrennern ist der Revisor erschienen in der Sterbemütze und im großen langen Leichenkittel. Ein Schäfer erzählte von der Klippe Folgendes: Sein Vater habe einstens seine Heerde nahe an diese Klippe hin zu treiben versucht, und mit einem male sei ein Steinregen auf seine Hunde geworfen, daß diese heulend entflohen seien und er sich selbst mit der Heerde habe schnell entfernen müssen; hierauf nach längerer Zeit hätten ein paar göttinger Studenten auf einer Harzreise versucht sich dieser Klippe zu nahen, aber auch diese seien mit furchtbaren Steinen, die ihnen entgegengeworfen worden, zurückgetrieben und seitdem habe Niemand wieder gewagt sich ihr zu nahen.

Harzsagen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle, Erster Band: Sagen des Ober-Harzes, Leipzig (Hermann Mendelssohn) 1859, S. 103.

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