Fotothek_df_tg_0000369_Bergwerk_^_Bergbau_^_Hunt_^_Karren

Wenn die Fuhrleute die Erze von den steilen Hängen der Berge hinabführen, gebrauchen sie zweirädrige Karren, die hinten zwei bis auf der Erde schleifende Baumstämme nachziehen. Diese bremsen durch ihr Gewicht und hindern das zu schnelle Aufwärtsfahren der schweren, mit Erz beladenen Karren. Wenn sie nicht vorhanden wären, müßten die Fuhrleute häufig Ketten um die Räder legen. Wenn die Fuhrleute die Erze von weniger steilen Bergen hinabschaffen, benutzen sie Wagen, deren Kästen doppelt so lang sind als diejenigen der Karren. Die Seitenbretter sind so angebracht, daß sie aufgehoben und entfernt werden können, wenn das Erz durch die Fuhrleute wieder von den Wagen abgeladen werden soll; denn sie werden nur von Riegeln* gehalten. Die Fuhrleute fahren 30 oder 60 Erzfuhren hinab, die dann von den Gewerken abgeholt werden. Ihre Zahl verzeichnet der Steiger auf dem Kerbholz.
*Sie werden gegenwärtig Rungen genannt.

Georg Agricola; Vom Berg- und Hüttenwesen, München (DTV) 1977, S. 140f.

Abb: Sächsische Landesbibliothek Dresden, http://www.deutschefotothek.de

„Mondschein-Fuhrherren“

Ein verhältnismäßig großes Personal hat das zum Rammelsbergischen Haushalte gehörige Fuhrwesen, indem die Anzahl der dabei beschäftigten Personen sich auf 281 beläuft, welches daher rührt, weil nur Wenige unter den Fuhrleuten sich mit Bergfuhren ausschließlich beschäftigen, indem dazu großen Theils Ackerleute einiger benachbarten Dörfer bestimmt sind.Vergleicht man hinsichtlich des Personals jenen Haushalt mit dem der Oberharzischen Blei- und Silberwerke, so zeigt sich eine auffallende Verschiedenheit. Die Anzahl der durch den Bergbau beschäftigten Arbeiter ist bei den Rammelsberge sehr gering im Verhältnis zum Personal der Oberharzischen Gruben; wogegen in Ansehung der Hütten- und Fuhrleute ein umgekehrtes Verhältnis Statt findet. Der ganze Rammelsbergische Haushalt beschäftigt gegenwärtig 697 Personen …“

J. Fr. L. Hausmann; Über den gegenwärtigen Zustand und die Wichtigkeit des Hannoverschen Harzes, Göttingen (Dieterichsche Buchhandlung) 1832, S. 240ff.

Wir Harzer Fuhrleute müssen jedes Korn Hafer, das wir füttern, mit baarem Gelde kaufen, jedes Bund Stroh, das wir zu Hecksel oder Streu gebrauchen, theuer bezahlen, da wir auch noch die Transportkosten vom Lande herauf für diese Artikel bezahlen müssen. Hier am Harze wächst nichts. Rademacher, Schmiede, Sattler, sind am Harze theurer, weil das Leben dort überhaupt theurer ist, und so kommt es denn, daß wir begreiflich mit auswärtigen Fuhrleuten überall nur dann concurrieren können, wenn wir auch täglich Beschäftigung haben. Die fremde Concurrenz nimmt uns die Fuhren weg, und uns bleibt nichts, wovon wir leben können, zumal diese nebenbei ihre Pferde auf ihrem Ackerland beschäftigen, dieselben zu diesem Zweck allein halten, und was sie nebenbei verdienen, in sonst freien Zeiten als Nebenverdienst erwerben.

Dietrich Kreller, Ein Brief an den König, s. Brief der Oberharzer Fuhrherren an den preußischen Handelsminister vom 16. April 1869 s. u.

Pferdefreunde Buntenbock

DAS FUHRHERRENDORF BUNTENBOCK

Im Fuhrherrendorf Buntenbock hat der Umgang mit dem Pferd eine jahrhundertelange Tradition. Waren es in der Hochzeit des Bergbaus vor allem der Transport des für den Ausbau der Stollen und Schächte benötigten Holzes, so kamen in der Zeit der Besiedlung des Oberharzes mehr und mehr Transporte zur Versorgung der Bevölkerung hinzu. Pferdefuhrwerke und mit ihnen zahlreiche Pferde auf Weideland bestimmten das Bild des Dorfes. Zu diesem Thema findet sich eine sehr lesenswerte historische Betrachtung auf der Webseite der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld

Die Pferdefreunde Buntenbock möchten mit ihrem Engagement diese Atmosphäre für die Besucher und Einwohner des Dorfes wieder aufleben lassen und erlebbar machen. Nicht allein durch den Umgang mit den Tieren als Reitpferde oder vor der Kutsche, aber auch als gerne gesehene Mitbewohner auf den Weiden und Wiesen unseres Dorfes.

 

Rasen sticht Hafer – Rebellion der Bergfuhrleute 1674

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Abbildung: Avena Sativa L. – Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885) – http://www.BioLib.de

Man erlaubte sich bisher die so geringen Schichtlöhne, wahrscheinlich, weil den Bergleuten alle anderen Art ihr Brod zu erwerben abgeschnitten ist, indem bekanntlich theils der Boden um Clausthal und Zellerfeld so unfruchtbar ist, daß nicht das geringste weder an Getraide noch Obst erbauet werden kann, theils auch, weil es geflissentlich verhindert wird, Ackerbau in dieser Gegend aufzubringen, um das Auskaufen von Stücken Feld zum Behuf des Bergbaues, das Rasenstechen und dergleichen nicht zu erschweren und zu vertheuren.*

*) Ohngefähr zur Zeit des dreyßigjährigen Krieges wurden in einer Gegend vom Burgstädter Zuge herauf, die noch gegenwärtig am Haferberge heißt einige Wiesen zu Ackerland gemacht und mit Hafer besäet; allein dieser Ackerbau wurde bald nachher scharf verboten; und da im Jahre 1653 abermals einige Leute Hafer ausgesäet hatten, dieses Verbot vom Bergamte am 6. Aug. dergestalt erneuert, daß niemand den bey Clausthal gewachsenen Hafer bey 50 Thlr Strafe in die Bergstadt bringen und jeder sich des Hafersäens künftig ganz enthalten solle. Da ferner 1673 zur Auftragung einiger Teichdämme die dazu nöthigen Rasen von den nächsten Wiesen abgestochen wurden, und einige Bergfuhrleute, als Eigenthümer solcher Wiesen, um dieser Verderbung ihrer Wiesen vorzubeugen, dieselben umpflügen und des Verbots ungeachtet mit Hafer besäen ließen, so wurde am 16. März 1674 abermals von Bergamts wegen ein Verbot öffentlich angeschlagen, vermöge dessen, besonders den Bergfuhrleuten angedeutet wurde, alle Pflüge binnen 14 Tagen abzuschaffen, oder zu gewärtigen, daß ihnen so wie andern Leuten dieselben vom Oberbergmeister weggenommen werden müssen. S. Gatterer vom Ackerbau der Harzer a.a. O. Th. IV. §. 153.154. S. 120.121.

Daher ist in dieser öden traurigen Gegend der Grubenbau das einzige Mittel für die Bergleute, ihr Leben zu fristen, ob ihnen gleich dies durch die drückendste Armuth erschwert genug werden muss.

Johann Carl Freiesleben, Bemerkungen über den Harz, Erster Theil. Bergmännische Bemerkungen über den merkwürdigsten Theil des Harzes, Leipzig (Schäfersche Buchhandlung) 1795, S.71f.

AUSSPANNEN , disjungere, relaxare, extendere, nnl. uitspannen, vgl. anspannen, aufspannen. 1) die pferde, rinder ausspannen: der kutscher hat ausgespannt;
der henker thu ihrs ros ausspannen.
H. Sachs II. 4, 3d;
ein pferd ausspannen. Philander 1, 36; aber auch den wagen, den pflug ausspannen; ich bin ermüdt, ich hab gefürt
des tages bürd, es musz einst abend werden, erlös mich herr, spann aus den pflug, es ist genug,
nimm von mir die beschwerden. kirchenlied.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 01.08.2013.

Fuhrherren, Fuhrleute, Fuhrknechte

Fuhrherren, Fuhrleute, Fuhrknechte

Buntenbock hatte in einst eine sehr zentrale und verkehrsgünstige Lage an alten Handels- und Transportstraßen wie z.B. die Alte Harzstraße und der Hundscher Weg. Von hier gut zu erreichen war der Oberharz mit der Clausthaler Hütte und den Gruben sowie den vielen am Wasser liegenden Pochwerken (Erzaufbereitungen), aber auch die Eisensteingruben um Lerbach und Osterode, deren Erz in die Eisenhütten in Osterode und an Harzrand transportiert werden musste. Außerdem musste Getreide vom Kornmagazin in Osterode auf den Oberharz gebracht werden, Holzkohle aus dem Solling herangeschafft werden und Holz aus dem Wald in die Städte und zu den Bergwerken transportiert werden…

Die Häuser der Bergfuhrleute

„Die Bergfuhrleute vertraten im Oberharz den bäuerlichen Berufsstand. Sie waren als Transportunternehmer im Bergbau und Hüttenwesen unentbehrlich. Sie betrieben selbständig ein Lohnfuhrwesen, das zwar von der Bergobrigkeit konzessioniert und mit Aufträgen bedacht werden musste, aber eine kaufmännische Handlungsfreiheit beließ. Im Vergleich mit den Bergleuten und den Hüttenmännern konnten sie leichter zu Wohlstand kommen. Ihre Bauten hatten deshalb entsprechende Größen. Durch die Verbindung mit dem Umland und die von ihnen als Rückfracht leichter heranzuschaffenden Baustoffe treten an den Gebäuden der Fuhrherren frühzeitig Dacheindeckungen aus Ziegel und Steinplatten sowie Wandverschieferungen auf. (…)
Die Fuhrleute waren aus den Dörfern des Harzer Umlandes zugewandert. Es ist deshalb anzunehmen, daß ihnen der in der Heimat geläufige Typ des Streckhofes zum Vorbild gedient hat. Das charakteristische Bauernhaus besteht hier aus dem quer erschlossenen und in Firstrichtung nebeneinander unter gemeinsamen Dach untergebrachten Wohnteil, Stallteil und Bansenteil. Der Scheunenanteil war im Oberharz nicht erforderlich, weil kein Korn angebaut werden konnte. Aus Heulager reichten die Räume über dem Stall und im Boden aus. (…)
Der höhere Wohnwert des Bergmannshauses hat bald zu der Übernahme von dessen Grundrißform für den Teil des Fuhrmannshauses geführt. Das gilt besonders für die Orte in der Nähe der großen Bergstädte. In Buntenbock mit seinen vielen Bergfuhrmannshäusern haben z.B. alle schon die Oberharzer Aufteilung mit der Stube zur Straße, Küche und Hinterstube zum Hof., daneben die durchgehende Dehle. Die Unterkellerung findet sich nur selten unter dem Wohnteil. Die Bevölkerungsgruppe bevorzugte offenbar selbständige Kelleranlagen in einem Berghang am Hof.

Hans-Günther Griep; Das Bürgerhaus der Oberharzer Bergstädte, Tübingen (Ernst Wasmuth) 1975, S. 88ff.Bild

Foto: Ein typisches Buntenböcker Fuhrherrenhaus: Das sogenannte „Bormannshaus“ am Brink in einer Abbildung aus den 20er-30er Jahren d. 20. Jh.. Die seit dem 17. Jahrhundert in Buntenbock urkundliche Fuhrherrenfamilie Bormann kaufte das Anwesen im 18. Jahrhundert (Foto: Privat).

ERZFUHRMANN, m. auriga aeris, der das erz in die schmelzhütte fährt.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 28.07.2013.

Eseltreiber im Okertal

Eseltreiber im Okertal

Die Rohmkebrücke im Ockertal (mit Eseltreibern)
aus: ‪Band 3 von Harz-Panorama : Ein Cyklus der schönsten und interessantesten Harzansichten in Stahlstich nach Originalzeichnungen von W. Saxesen / Mit Erläuterungen von Eduard Mühlenpfordt, Clausthal 1844. – Nachlass Louise Höhlein, geb. Bormann (1907-1993).

FUHRMANNSKITTEL, m. ein wie ein hemd und zwar gewöhnlich aus starker leinwand gemachter kittel, den der fuhrmann zu tragen pflegt, in manchen gegenden vorzugsweise von blauer farbe. früher ein lederner rock den die fuhrleute trugen, denn bei Comenius sprachenthür nr. 481 ein lederner rock (fuhrmannskittel), penula scortea. dann überhaupt ein hemdartiger grober kittel.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 25.07.2013.