Fuhrleute – Aufwartung

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Aufwartung beim Bergfeste zu Clausthal. Ansicht mit Teilansicht der Stadt. – Holzstich nach Geißler, aus dem Jahr 1864. Graphik: Alte Stadtansichten Deutschland –

„Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet …“

„Die Bergfuhrleute tragen wahrend ihren Arbeiten lange bis unter die Kniee gehende, weiße, linnene Kittel oder Pufjacken, und haben sonst nichts auszeichnendes in ihrer Kleidung. Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet, aber bey Feierlichkeiten haben sie lange, weiße Kittel an, und machen ihre Aufwartung mit Peitschenknallen, worin sie, in Absicht des Takts und der Stärke, alle andere Fuhrleute bey weitem übertreffen.“

Sven Rinmann’s König. Schwedischen Bergraths und Ritters des Wasa-Ordens allgemeines Bergwerkslexikon. Nach dem Schwedischen Original bearbeitet und nach dem neuesten Entdeckungen vermehrt von elner Gesellschaft deutscher Gelehrten und Mineralogen. Erster Theil. enthält A bis Berg. Mit Kupfern. Leipzig 1808.  bey Fr. Chr. W. Vogel, S. 634.

Festumzug mit Pferdefuhrwerk

Festumzug mit Pferdefuhrwerk (Hille) zum 200jährigen Bestehen der Buntenböcker Schützengesellschaf, im Hintergrund die geschmückte Pension Höhlein. August 1958. Foto: Gerd Dasenbrook

Festumzug mit Pferdefuhrwerk (Hille) zum 200jährigen Bestehen der Buntenböcker Schützengesellschaft, im
Hintergrund die geschmückte Pension Höhlein | August 1958 | Foto: Gerd Dasenbrook

Aufwartung

Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

„Wie dergestalt die Arbeit – was sie sollte – Zweck und nicht Mittel des Lebens wird und alle menschlichen Beziehungen regelt, so ergeben sich aus ihr auch allerlei Sitten, Rechte und Gewohnheiten, Feste und Freuden. Etwa war früher, zu hannoverschen Zeiten, wo öfters der König oder ein Anverwandter des „höchsten Bergherrn“ auf den Harz kam, die „Aufwartung“ eine besondere Freude der Berg- und Waldleute.
Zu Ehren des Besuches formierte sich am Abend ein Zug der gesamten Belegschaften, jede Art von Arbeitern in ihrer bestimmten Tracht: die Bergleute im schwarzen Leinwandkittel, Hinterleder und Grubenlicht; vor ihnen die Beamten in der Puffjacke mit dem Häckel in der Hand; die Hüttenleute in grossen Lederschürzen mit langen Fackeln; die Fuhrherrn im blauen Kittel, breitkrempigen schwarzen Hut, manchesternen Kniehosen und langen Gamaschen, die lange Peitsche in der Hand; mit diesen Peitschen knallten sie kunstreich, wenn sie vor dem Balkon des Amtshauses vorbeizogen, wobei Anfang und Ende des Knallkonzerts ihnen durch ein Licht von einem bestimmten Dachfenster aus angegeben wurde;
da trugen dann die Köhler schneeweisse Kittel und weisse Leinwandgamaschen, aber Gesicht und Hände liessen sie so schwarz, wie sie bei der Arbeit waren, ja, machten sie wohl noch schwärzer in Stolz auf ihren Stand.
Heute findet eine Aufwartung noch statt, wenn der Minister kommt; aber wenigstens die Berg- und Hüttenleute ziehen heute alle zwei Jahre zum Knappschaftsfest in ihrer alten Tracht auf.“

Paul Ernst; Der Harz, mit acht Vollbildern, Reihe Städte und Landschaften, hg. von Leo Greiner, Stuttgart (Carl Krabbe Verlag, Erich Gussmann) o.J. (1900?), S. 110f.

FUHRMANNSPEITSCHE, f. die starke, gewöhnlich mit einer langen schmitze versehene peitsche eines fuhrmanns. auf diese schmitze spielt wol die spöttisch auf einen, der verschmitzt zu sein glaubt, zielende sprichwörtliche redensart an er ist verschmitzt wie eine fuhrmannspeitsche. zeitvertreiber 510. complimentierbüchlein v. j. 1654 im Weim. jahrb. 1, 326.

SCHMITZE, f. 4) durch hochd. und md. gebiete ist schmitze als bezeichnung des äuszersten, gewöhnlich besonders angeknüpften endes der peitschenschnur verbreitet, vgl. Stieler 1876. Schm. 2, 562. Reinwald 2, 112. Spiesz 220; schmetze Regel 262. Hertel Salzung. wb. 41; schmitze Albrecht 204a. Kleemann 19b. Liesenberg 197. Bernd 268. Frischbier 2, 299a; in hochd. form bei Schambach 198b: ein seiler schlug glockensträng, den fraget Claus: was machstu für groszen zwirn. der seiler sprach: es ist kein zwirn, es sind schmitzen an die peitschen. Claus narr (1602) 32; so ward mit einmal an dem langen seile das boot und seine mannschaft im bogen rückwärts nach dem schiffe geschleudert, wie die schmitze einer peitsche wenn der fuhrmann einen zug thut. Göthe 28, 235.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 07.08.2013.