Der Karren | La Carreta

Diese Carretaführer und Muletreiber verschworen und verfluchten auf diesem Wege ihre eigenen Seelen und die Seelen ihrer Mütter, sie verfluchten ihre Erzeuger, und sie verfluchten den Tag, an dem sie geboren wurden, und erst recht verwünschten sie den Tag, der sie zu Carretaführern gemacht hatte.

Sie verfluchten mit schreienden Stimmen Gott im Himmel und die Heilige Jungfrau, und als Dreingabe wünschten sie alle Heiligen der Kirche zur Hölle. Bei jeder neuen Windung, die der Weg machte, versprachen sie ihre Seele und die aller ihrer Kinder dem Teufel, wenn er ihnen ohne Radbruch, ohne Achsenbruch, ohne Absturz der Zugochsen in die tiefen Abgründe, ohne Hinuntergleiten der Packtiere von dem Wege in die zerklüfteten Schluchten glücklich vorüberhelfen würde.

Oben auf der Höhe des Calvarienberges stand ein großes verwittertes Holzkreuz, aufgerichtet in einem hohen Steinhaufen, auf dem verwelkte Kränze und Blumen in Haufen lagen. Wenn die Carreteros und die Muletreiber am Kreuze angelangt waren, dann zogen sie ihren verwetterten großen Strohhut, machten drei Kniebeugen und bekreuzigten sich.

Damit waren sie wieder aufgenommen in die Schar der Gläubigen und Frommen, und der Teufel hatte keine Macht mehr über sie und über ihre Seelen; denn Gott und die gebenedeite Jungfrau vergeben großmütig dem Sünder, der reumütig zurückkehrt zu den Lobgesängen und zu den geweihten Kerzen, weil der, der Berge, Schluchten, Flüsse, Sümpfe und Seen schuf, die Verantwortung übernahm für alles, was dieser Schöpfungen wegen geschieht und getan wird.

Denn hinauf auf den Hochpass mussten die Leute, und ob ihnen auf diesem Leidenswege Gott oder die Heilige Jungfrau oder der Teufel half, war ihnen im Grunde gleichgültig, wenn sie nur hinaufkamen mit ihren Karren, ihren Tieren, ihren Lasten und ihren Waren.

B. Traven | Der Karren | 5. Kapitel (1930)

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Der Fuhrmann

Der Fuhrmann
denckt an die Himmels-Stadt wann ihr seid müd und matt.

Ich bin mit meinem Gott zufrieden.
Er lad‘ auff  Last, ich halte still.
Er führe welchen Weg Er will,
die Liebe bleibt doch ungeschieden.
Ich weiß, der Führer meiner Zeit
führt zu der sanfften Ewigkeit.

Text: Abraham a Sancta Clara
Abbildung: Christoph Weigel Quelle: Deutsche FotothekBild

„Etwas für alle, das ist: eine kurtze Beschreibung allerley Stands- Ambts- und Gewerbs-Persohnen, mit beygeruckter sittlichen Lehre und biblischen Concepten, durch welche der fromme mit gebührendem Lob hervor gestrichen, der tadelhaffte aber mit einer mässigen Ermahnung nicht verschont wird; allen und jeden heilsamb und leitsamb, auch so gar night ohndienlich denen Predigern, verfertiget durch P. Abraham à S. Clara …Verlegt, und mit Kupfern vermengt durch Christoph Weigel in Nürnberg, auch in Wien zu finden bey Johann Carl Hueber … Würtzburg, Gedruckt bey H. Hertzen, 1699.“