1862 – Der Concurrenz entgegen treten …

„Darf man gleich hoffen, daß endlich wieder bessere Conjunturen eintreten werden, so sind dennoch die Aussichten des oberharzischen Eisenhütten-Gewerbes nicht eben die günstigsten, da, abgesehen von der früher oder später schwerlich zu umgehenden Ermäßigung der Eisenzölle, die Concurrenz anderer neuentstandener Werke die harzer Hütten mehr und mehr aus ihrem bisherigen Absatzgebiete zu verdrängen droht oder doch durch das Herabdrücken der Preise den Handelsgewinn empfindlich schmälert. Es darf dabei freilich nicht übersehen werden, daß der Harz große Massen des vortrefflichen Eisensteins in sich birgt, und damit die Grundbedingung eines schwunghaften Eisenhütten-Betriebes auf lange Zeit hinaus gegeben ist und daß die Harzer Hütten jetzt unter dem Mangel genügender Verkehrsmittel empfindlich zu leiden haben. Wir demnächst der Harz mit den Eisenbahnen des Landes in Verbindung gesetzt und damit einesteils die billige Versendung der Produkte der Eisenhütten, andernteils die ausgedehnte Anwendung mineralischer Brennstoffe auf denselben ermöglicht sein, so steht zu hoffen, daß dann die harzer Eisenwerke mehr als jetzt in der Lage sein werden, der Concurrenz von außen erfolgreich entgegen zu treten. Bis es dahin gekommen sein wird, muß es aber einigermaßen zweifelhaft erscheinen, ob der oberharzische Eisenhütten-Haushalt auch dann noch mit Vorteil in seinem bisherigen Umfange wird fortgetrieben werden können, wenn er die Forstproducte, namentlich die Holzkohlen, nach dem Kaufwerthe bezahlen soll. Denn es hat der Wert dieser Produkte im Durchschnitt der 5 Jahre 1853/58 jährlich über 46,000 Reichstaler betragen, (ohne den 2387 Reichsthaler) betragenden Wert der an die Eisensteins-Bergleute berechtigungsweise abgegebenen Grubenhölzer) also mehr als der seitherige durchschnittliche Jahresüberschuss. Hiernach wird es räthlich sein, bei Auferlegung neuer Lasten mit Vorsicht und Schonung zu Werke zu gehen, damit nicht der Fortbestand von Werken gefährdet wird, von deren Erhaltung die Existenz ganzer Ortschaften mehr oder weniger abhängig erscheint. …“

Carl Lahmeyer; Über die gegenwärtige Lage und die Aussichten des oberharzischen Bergwerks- und Hüttenhaushalts, Clausthal (Grosse’sche Buchhandlung) 1862, 48f.

Motto: „Das Land die Früchte bringt, Im Harz der Thaler klingt.“

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Fuhrmann. Man kann den F.; der den Handels-Frachtverkehr mit Wagen und Pferden beruflich besorgt, von dem unterscheiden, der nur gelegentlich für eigene und auch für fremde Bedürfnisse Fuhren macht, das Fuhrwerk und Gespann aber für seine Wirtschaft benötigt, so der Bauer. Im weiteren Sinn ist als F. der Lenker eines Wagens bei volkstümlichen Festen, so bei Hochzeit und Begräbnis u.a. Gelegenheiten tätig. Der F. im ersteren Sinn, und um ihn handelt es sich beim F.saberglauben vor allem, ist nahezu verschwunden. Die Entwicklung des modernen Verkehres hat das einstige blühende Frachtwesen gänzlich umgestaltet und dem F. die Lebensbedingungen genommen. Besteht aber irgendwo noch ein kleiner Frachtverkehr mit Wagen und Pferdebespannung, so vollzieht auch er sich unter so geänderten Verhältnissen, daß diese nicht den Boden für einen besonderen F.saberglauben abgeben. Es kommt also im folgenden nahezu nur mehr vergangener, nicht mehr bestehender Aberglaube zur Darstellung. Der moderne Frachtverkehr hat einen anders gearteten Aberglauben (s. Eisenbahn, Automobil). Auf die Bildung und den Inhalt des einstigen F.saberglaubens mag der Zustand der Fahrstraßen nicht ohne Einfluß gewesen sein. Diese unterschieden sich von den modernen, technisch vollkommenen, besonders dadurch, daß jene oft über Berge und steile Höhenrücken führten, so daß uns bei ihrer Anlage im Gegensatz zur jetzigen Straßenführung jede Rücksicht auf Mensch und Zugtier außer acht gelassen erscheint. Fahrstraßen waren nämlich oft nur die erweiterten einstigen Gehsteige und Tragtierwege, bei denen Steilheit nicht so vermieden werden mußte, wie bei Fahrstraßen mit Wagenverkehr. Daher ist es natürlich, daß dem F. auf derartigen Wegen größere Schwierigkeiten bereitet wurden und er leicht darüber zu abergläubischen Vorstellungen kommen konnte. Da ferner die Fahrstraßen aus Gründen der Sicherheit oft über Höhen führten, von wo die Stimmen der Fuhrleute in den Niederungen gehört wurden, konnte sich infolgedessen aus der Vorstellung vom wilden Jäger leicht die Vorstellung vom wilden F. entwickeln. Der Ärger über den schlechten Zustand der Straßen und behördlichen Vorschriften machte sich in kräftigen Flüchen Luft.

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, hg. von Hanns Bächthold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer mit einem Vorwort von Christoph Daxelmüller, Bd. 3, Freen – Hexenschuß, Berlin New York (de Gruyter) 1987, Art. Fuhrmann., 197ff.