„Jeder Geschmack wird nicht leer ausgehen.“

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„Doch auch hier – wie überall im Harz – empfängt den Fremden altgermanische Gastlichkeit, jene Treuherzigkeit, die den Gast schnell mit dem Wirt befreundet, und beiden das Scheiden verbittert, und mit ihnen verbindet sich ein unerwarteter Hang zur Geselligkeit, der nur in freundlichen, freien, offenen und zufriedenen Herzen erblüht, der früher sich nicht schrecken ließ durch den gefährlichen Felsweg, durch den engen Pfad am Rande der Abgründe, der jetzt durch die neuerdings, überall durchgezogenen bequemen Kunststraßen für Pferd und Wagen jeder Art die gewünschte Erleichterung findet und der selbst im tiefsten Winter, wenn der Schnee mannshoch sich häuft und die Tannenwälder, mit ungeheuren Grabtüchern bedeckt, in toter Majestät schaurig daliegen, im Hindernis einen Sporn findet, mit dem weithin klingenden Schellengeläut fliegender Schlitten die öde Wildnis belebt und Ort mit Ort, Freund mit Freund zu fröhlichen Festabenden verknüpft – Welche Mannigfaltigkeit von Genüssen und Ergötzlichkeiten eine Wanderung durch solche Gegenden für jedes Gemüt, das die notwendige Empfänglichkeit mitbringt, darbietet, läßt sich aus dem Gesagten abnehmen.
Jeder Geschmack wird nicht leer ausgehen.“

Wilhelm Blumenhagen (1781-1839); Der Harz, mit 30 Stahlstichen nach Ludwig Richter, Reihe: Das malerische und romantische Deutschland in 10 Sektionen, München (Verlag Lothar Borowsky, o. J., S.12f.

Fuhrmannsdörfer

„Die Ausbildung eines selbständigen Speditionsgewerbes fällt in Niedersachsen in die frühe Neuzeit. Es entwickelte sich jedoch, soweit zur Zeit zu erkennen, nur in den Zentren von Handel und Verkehr und auch dort in unterschiedlichem Maße.
(…) Über den wichtigen Beruf der Fuhrleute wissen wir recht wenig. Selbst in einer für die Spedition so bedeutenden Stadt wie Lüneburg setzen die Quellen darüber erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts ein und weisen dann ein relativ schwach ausgebildetes Gewerbe aus. Dagegen zählte eine kleine, aber an der „Flämischen Straße“ verkehrsgünstig gelegene Stadt wie Wildeshausen 1759 nicht weniger als 169 Fuhrleute und Knechte. Wahrscheinlich war aber ein großer, wenn nicht der größte Teil der Fuhrleute auf dem Lande ansässig. So gab es zwischen Celle und Braunschweig „Fuhrmannsdörfer“, deren Einwohner dieses Gewerbe neben der Landwirtschaft stark betrieben; das wohl bekannteste davon war Bröckel, in dem 1770 39 Familien als Frachtfahrer genannt werden. Auch die Lüneburger Quellen berichten von Fuhrleuten in den benachbarten Landgebieten. Im Raum um Dassel spielte das Fuhrwerken für Holz und Holzkohle ebenfalls eine große Rolle.
Diese Beispiele zeigen, daß auch im Landverkehr die Standorte der Kaufleute und Spediteure auf der einen und der Fuhrleute auf der anderen Seite oft nicht identisch waren. Allem Anschein nach orientierten sich die letztgenannten an den großen Verkehrswegen, und hier waren Lohnfuhren für die Landbewohner ein wichtiger Nebenerwerb. Gleiches gilt dort, wo Hütten und andere materialintensive Gewerbebetriebe größere Transporte an Roh- und Betriebsstoffen erforderten.“

Christine van den Heuvel u. Manfred von Boetticher; Geschichte Niedersachsens, begr. von Hans Patze, Dritter Bd., Teil 1, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von der Reformation bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen; 36) Hannover (Verlag Hahnsche Buchhandlung) 1998, 474ff.

„Die deutsche Sprache ist zur Fuhrmannssprache gebohren.“

FUHRMANNSSPRACHE, f. die aus zurufen an die zugthiere bestehende sprache. so benennt Logau 1, 125, 26 fuhrmanssprache

hotte, stoh,
tschwuid und o!
dann eine derbe grobe sprache, wie sie die fuhrleute reden: vive la langue françoise! ich weis nicht, es klingt im deutschen alles so hölzern. man kann in dieser wendischen sprache gar keinen charmanten gedanken anbringen. serieusement, wenn ich ein groszer herr in Deutschland wäre, so dürfte kein mensch deutsch reden, als die fuhrleute. die deutsche sprache ist zur fuhrmannssprache gebohren. Gellert lustspiele 294. endlich auch eine rede voll derber flüche.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 24.09.2013.

Fuhrmannslaut

fuhrmannslaut, m. ein laut oder zuruf, den der fuhrmann bei dem zugvieh, namentlich den pferden gebraucht: ein leibhaftes wortjähnen, da man den mund zur rechten und linken, auf- und abwärts zieht, und immer doch nichts als den jähnenden fuhrmannslaut: ahi! oho! saget. Herder phil. u. gesch. 12, 209. so sind har! hott! ji! je! fuhrmannslaute, und wenn Jacob Grueszbeütel zu Augsburg in seinem 1536 zu Nürnberg durch Kunegund Hergotin aufs neu gedruckten besunder fast nützlich stymmen büchlein mit figuren, einem bilderabcbuch, beim o das bild eines die peitsche schwingenden fuhrmanns mit pferd und wagen setzt, so bezeichnet er diesen buchstaben als den fuhrmannslaut. vgl.fuhrmannsruf.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 25.07.2013.

Man erlaubte sich bisher die so geringen Schichtlöhne, wahrscheinlich, weil den Bergleuten alle andere Art ihr Brod zu erwerben abgeschnitten ist, indem bekanntlich theils der Boden um Clausthal und Zellerfeld so unfruchtbar ist, daß nicht das geringst weder an Getraide noch Obst erbauet werden kann, theils auch, weil es geflissentlich verhindert wird, Ackerbau in dieser Gegend aufzubringen, um das Auskaufen von Stücken Feld zum Behuf des Bergbaues, das Rasenstechen und dergleichen nicht zu erschweren und zu vertheuren.*)
*) Ohngefähr zur Zeit des dreyßigjährigen Krieges wurden in einer Gegend vom Burgstädter Zuge herauf, die noch gegenwärtig am Haferberge heißt einige Wiesen zu Ackerland gemacht und mit Hafer besäet; allein dieser Ackerbau wurde bald nachher scharf verboten; und da im Jahre 1653 abermeils einige Leute Hafer ausgesäet hatten, dieses Verbot vom Bergamte am 6. Aug. dergestalt erneuert, daß nieand den bey Clausthal gewachsenen Hafer bey 50 Thlr Strafe in die Bergstadt bringen und jeder sich des Hafersäens künftig ganz enthalten solle. Da ferner 1673 zur Auftragung einiger Teichdämme die dazu nöthigen Rasen von den nächsten Wiesen abgestochen wurden, und einige Bergfuhrleute, als Eigenthümer solcher Wiesen, um dieser Verderbung ihrer Wiesen vorzubeugen, dieselben umpflügen und des Verbots ungeachtet mit Hafer besäen ließen, so wurde am 16. März 1674 abermals von Bergamts wegen ein Verbot öffentlich angeschlagen, vermöge dessen, besonders den Bergfuhrleuten angedeutet wurde, alle Pflüge binnen 14 Tagen abzuschaffen, oder zu gewärtigen, daß ihnen so wie andern Leuten dieselben vom OBerbergmeister weggenommen werden müssen. S. Gatterer vom Ackerbau der Harzer a.a. O. Th. IV. §. 153.154. S. 120.121.

Daher ist in dieser öden traurigen Gegend der Grubenbau das einzige Mittel für die Bergleute, ihr Leben zu fristen, ob ihnen gleich dies durch die drückendste Armuth erschwert genug werden muss.

Johann Carl Freiesleben, Bemerkungen über den Harz, Erster Theil. Bergmännische Bemerkungen über den merkwürdigsten Theil des Harzes, Leipzig (Schäfersche Buchhandlung) 1795, S.71f.

Fotothek_df_tg_0000369_Bergwerk_^_Bergbau_^_Hunt_^_Karren

Wenn die Fuhrleute die Erze von den steilen Hängen der Berge hinabführen, gebrauchen sie zweirädrige Karren, die hinten zwei bis auf der Erde schleifende Baumstämme nachziehen. Diese bremsen durch ihr Gewicht und hindern das zu schnelle Aufwärtsfahren der schweren, mit Erz beladenen Karren. Wenn sie nicht vorhanden wären, müßten die Fuhrleute häufig Ketten um die Räder legen. Wenn die Fuhrleute die Erze von weniger steilen Bergen hinabschaffen, benutzen sie Wagen, deren Kästen doppelt so lang sind als diejenigen der Karren. Die Seitenbretter sind so angebracht, daß sie aufgehoben und entfernt werden können, wenn das Erz durch die Fuhrleute wieder von den Wagen abgeladen werden soll; denn sie werden nur von Riegeln* gehalten. Die Fuhrleute fahren 30 oder 60 Erzfuhren hinab, die dann von den Gewerken abgeholt werden. Ihre Zahl verzeichnet der Steiger auf dem Kerbholz.
*Sie werden gegenwärtig Rungen genannt.

Georg Agricola; Vom Berg- und Hüttenwesen, München (DTV) 1977, S. 140f.

Abb: Sächsische Landesbibliothek Dresden, http://www.deutschefotothek.de

„Mondschein-Fuhrherren“

Ein verhältnismäßig großes Personal hat das zum Rammelsbergischen Haushalte gehörige Fuhrwesen, indem die Anzahl der dabei beschäftigten Personen sich auf 281 beläuft, welches daher rührt, weil nur Wenige unter den Fuhrleuten sich mit Bergfuhren ausschließlich beschäftigen, indem dazu großen Theils Ackerleute einiger benachbarten Dörfer bestimmt sind.Vergleicht man hinsichtlich des Personals jenen Haushalt mit dem der Oberharzischen Blei- und Silberwerke, so zeigt sich eine auffallende Verschiedenheit. Die Anzahl der durch den Bergbau beschäftigten Arbeiter ist bei den Rammelsberge sehr gering im Verhältnis zum Personal der Oberharzischen Gruben; wogegen in Ansehung der Hütten- und Fuhrleute ein umgekehrtes Verhältnis Statt findet. Der ganze Rammelsbergische Haushalt beschäftigt gegenwärtig 697 Personen …“

J. Fr. L. Hausmann; Über den gegenwärtigen Zustand und die Wichtigkeit des Hannoverschen Harzes, Göttingen (Dieterichsche Buchhandlung) 1832, S. 240ff.

Wir Harzer Fuhrleute müssen jedes Korn Hafer, das wir füttern, mit baarem Gelde kaufen, jedes Bund Stroh, das wir zu Hecksel oder Streu gebrauchen, theuer bezahlen, da wir auch noch die Transportkosten vom Lande herauf für diese Artikel bezahlen müssen. Hier am Harze wächst nichts. Rademacher, Schmiede, Sattler, sind am Harze theurer, weil das Leben dort überhaupt theurer ist, und so kommt es denn, daß wir begreiflich mit auswärtigen Fuhrleuten überall nur dann concurrieren können, wenn wir auch täglich Beschäftigung haben. Die fremde Concurrenz nimmt uns die Fuhren weg, und uns bleibt nichts, wovon wir leben können, zumal diese nebenbei ihre Pferde auf ihrem Ackerland beschäftigen, dieselben zu diesem Zweck allein halten, und was sie nebenbei verdienen, in sonst freien Zeiten als Nebenverdienst erwerben.

Dietrich Kreller, Ein Brief an den König, s. Brief der Oberharzer Fuhrherren an den preußischen Handelsminister vom 16. April 1869 s. u.

Pferdefreunde Buntenbock

DAS FUHRHERRENDORF BUNTENBOCK

Im Fuhrherrendorf Buntenbock hat der Umgang mit dem Pferd eine jahrhundertelange Tradition. Waren es in der Hochzeit des Bergbaus vor allem der Transport des für den Ausbau der Stollen und Schächte benötigten Holzes, so kamen in der Zeit der Besiedlung des Oberharzes mehr und mehr Transporte zur Versorgung der Bevölkerung hinzu. Pferdefuhrwerke und mit ihnen zahlreiche Pferde auf Weideland bestimmten das Bild des Dorfes. Zu diesem Thema findet sich eine sehr lesenswerte historische Betrachtung auf der Webseite der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld

Die Pferdefreunde Buntenbock möchten mit ihrem Engagement diese Atmosphäre für die Besucher und Einwohner des Dorfes wieder aufleben lassen und erlebbar machen. Nicht allein durch den Umgang mit den Tieren als Reitpferde oder vor der Kutsche, aber auch als gerne gesehene Mitbewohner auf den Weiden und Wiesen unseres Dorfes.

 

Rasen sticht Hafer – Rebellion der Bergfuhrleute 1674

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Abbildung: Avena Sativa L. – Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885) – http://www.BioLib.de

Man erlaubte sich bisher die so geringen Schichtlöhne, wahrscheinlich, weil den Bergleuten alle anderen Art ihr Brod zu erwerben abgeschnitten ist, indem bekanntlich theils der Boden um Clausthal und Zellerfeld so unfruchtbar ist, daß nicht das geringste weder an Getraide noch Obst erbauet werden kann, theils auch, weil es geflissentlich verhindert wird, Ackerbau in dieser Gegend aufzubringen, um das Auskaufen von Stücken Feld zum Behuf des Bergbaues, das Rasenstechen und dergleichen nicht zu erschweren und zu vertheuren.*

*) Ohngefähr zur Zeit des dreyßigjährigen Krieges wurden in einer Gegend vom Burgstädter Zuge herauf, die noch gegenwärtig am Haferberge heißt einige Wiesen zu Ackerland gemacht und mit Hafer besäet; allein dieser Ackerbau wurde bald nachher scharf verboten; und da im Jahre 1653 abermals einige Leute Hafer ausgesäet hatten, dieses Verbot vom Bergamte am 6. Aug. dergestalt erneuert, daß niemand den bey Clausthal gewachsenen Hafer bey 50 Thlr Strafe in die Bergstadt bringen und jeder sich des Hafersäens künftig ganz enthalten solle. Da ferner 1673 zur Auftragung einiger Teichdämme die dazu nöthigen Rasen von den nächsten Wiesen abgestochen wurden, und einige Bergfuhrleute, als Eigenthümer solcher Wiesen, um dieser Verderbung ihrer Wiesen vorzubeugen, dieselben umpflügen und des Verbots ungeachtet mit Hafer besäen ließen, so wurde am 16. März 1674 abermals von Bergamts wegen ein Verbot öffentlich angeschlagen, vermöge dessen, besonders den Bergfuhrleuten angedeutet wurde, alle Pflüge binnen 14 Tagen abzuschaffen, oder zu gewärtigen, daß ihnen so wie andern Leuten dieselben vom Oberbergmeister weggenommen werden müssen. S. Gatterer vom Ackerbau der Harzer a.a. O. Th. IV. §. 153.154. S. 120.121.

Daher ist in dieser öden traurigen Gegend der Grubenbau das einzige Mittel für die Bergleute, ihr Leben zu fristen, ob ihnen gleich dies durch die drückendste Armuth erschwert genug werden muss.

Johann Carl Freiesleben, Bemerkungen über den Harz, Erster Theil. Bergmännische Bemerkungen über den merkwürdigsten Theil des Harzes, Leipzig (Schäfersche Buchhandlung) 1795, S.71f.

Fuhrmannskraut (gnaphalium arenarium L.)

Fuhrmannskraut

Fuhrmannskraut (gnaphalium arenarium L.) – Helichrysum arenarium (L.) Moench, Gnaphalium arenarium, Sand-Immortelle, 1796, Deutschlands Flora in Abbildungen at http://www.biolib.de, Johann Georg Sturm – Abbildung: Jacob Sturm.