Harzer Fuhrmann – ein aromatischer Kräuterlikör

Harzer Fuhrmann - ein aromatischer Kräuterlikör - http://www.museum-digital.de

Quelle: http://www.museum-digital.de/thue/images/201005/26155724543.jpg

Fuhrmann. Man kann den F.; der den Handels-Frachtverkehr mit Wagen und Pferden beruflich besorgt, von dem unterscheiden, der nur gelegentlich für eigene und auch für fremde Bedürfnisse Fuhren macht, das Fuhrwerk und Gespann aber für seine Wirtschaft benötigt, so der Bauer. Im weiteren Sinn ist als F. der Lenker eines Wagens bei volkstümlichen Festen, so bei Hochzeit und Begräbnis u.a. Gelegenheiten tätig. Der F. im ersteren Sinn, und um ihn handelt es sich beim F.saberglauben vor allem, ist nahezu verschwunden. Die Entwicklung des modernen Verkehres hat das einstige blühende Frachtwesen gänzlich umgestaltet und dem F. die Lebensbedingungen genommen. Besteht aber irgendwo noch ein kleiner Frachtverkehr mit Wagen und Pferdebespannung, so vollzieht auch er sich unter so geänderten Verhältnissen, daß diese nicht den Boden für einen besonderen F.saberglauben abgeben. Es kommt also im folgenden nahezu nur mehr vergangener, nicht mehr bestehender Aberglaube zur Darstellung. Der moderne Frachtverkehr hat einen anders gearteten Aberglauben (s. Eisenbahn, Automobil). Auf die Bildung und den Inhalt des einstigen F.saberglaubens mag der Zustand der Fahrstraßen nicht ohne Einfluß gewesen sein. Diese unterschieden sich von den modernen, technisch vollkommenen, besonders dadurch, daß jene oft über Berge und steile Höhenrücken führten, so daß uns bei ihrer Anlage im Gegensatz zur jetzigen Straßenführung jede Rücksicht auf Mensch und Zugtier außer acht gelassen erscheint. Fahrstraßen waren nämlich oft nur die erweiterten einstigen Gehsteige und Tragtierwege, bei denen Steilheit nicht so vermieden werden mußte, wie bei Fahrstraßen mit Wagenverkehr. Daher ist es natürlich, daß dem F. auf derartigen Wegen größere Schwierigkeiten bereitet wurden und er leicht darüber zu abergläubischen Vorstellungen kommen konnte. Da ferner die Fahrstraßen aus Gründen der Sicherheit oft über Höhen führten, von wo die Stimmen der Fuhrleute in den Niederungen gehört wurden, konnte sich infolgedessen aus der Vorstellung vom wilden Jäger leicht die Vorstellung vom wilden F. entwickeln. Der Ärger über den schlechten Zustand der Straßen und behördlichen Vorschriften machte sich in kräftigen Flüchen Luft.

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, hg. von Hanns Bächthold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer mit einem Vorwort von Christoph Daxelmüller, Bd. 3, Freen – Hexenschuß, Berlin New York (de Gruyter) 1987, Art. Fuhrmann., 197ff.

FUHRMANNSPEITSCHE, f. die starke, gewöhnlich mit einer langen schmitze versehene peitsche eines fuhrmanns. auf diese schmitze spielt wol die spöttisch auf einen, der verschmitzt zu sein glaubt, zielende sprichwörtliche redensart an er ist verschmitzt wie eine fuhrmannspeitsche. zeitvertreiber 510. complimentierbüchlein v. j. 1654 im Weim. jahrb. 1, 326.

SCHMITZE, f. 4) durch hochd. und md. gebiete ist schmitze als bezeichnung des äuszersten, gewöhnlich besonders angeknüpften endes der peitschenschnur verbreitet, vgl. Stieler 1876. Schm. 2, 562. Reinwald 2, 112. Spiesz 220; schmetze Regel 262. Hertel Salzung. wb. 41; schmitze Albrecht 204a. Kleemann 19b. Liesenberg 197. Bernd 268. Frischbier 2, 299a; in hochd. form bei Schambach 198b: ein seiler schlug glockensträng, den fraget Claus: was machstu für groszen zwirn. der seiler sprach: es ist kein zwirn, es sind schmitzen an die peitschen. Claus narr (1602) 32; so ward mit einmal an dem langen seile das boot und seine mannschaft im bogen rückwärts nach dem schiffe geschleudert, wie die schmitze einer peitsche wenn der fuhrmann einen zug thut. Göthe 28, 235.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 07.08.2013.

Wie wohlhabend war ein Buntenböcker Fuhrherr?

Von Anneliese Vasel*

Wer über die Vergangenheit des früheren Fuhrherrendorfes Buntenbock berichtet, vergißt selten zu erwähnen, daß man hier in der Bevölkerung mehr Wohlhabenheit angetroffen habe als in den meisten Bergstädten des Oberharzes. Nun gehört die Wohlhabenheit zu jenen Begriffen, die sich nur schwer objektiv definieren lassen, da sie sich immer nur bezogen auf das jeweilige soziale Umfeld beschreiben läßt.

Was also mag vor rund 150 Jahren ausschlaggebend gewesen sein, die meisten Buntenböcker als wohlhabend zu bezeichnen. Am besten läßt sich das wohl anhand von Testamenten und Nachlässen aus jener Zeit ablesen. Doch die werden selten über einen solch langen Zeitraum in den Familien aufgehoben. Daß ein derartiges Dokument in Buntenbock bei seiner Wiederentdeckung nach vielen Jahren nicht achtlos beiseitegelegt wurde, verdanken wir der Aufmerksamkeit einer jungen Hausfrau.

Frau Marianne G. fand vor einiger Zeit bei Aufräumungsarbeiten auf dem Boden des ehemaligen Kellner-Hauses einen ausführlich aufgelisteten Nachlaß des 1820 verstorbenen Fuhrherrn Heinrich Andreas Gärtner. Über den damals Verstorbenen ließ sich folgendes herausfinden. Er war 1787 in Buntenbock als 7. oder 8. Kind der Eheleute Johann Christian und Maria Magdalena Gärtner geboren. Nach dem elterlichen Testament übernimmt er als sehr junger Mann am 23. 4. 1810 das Haus, das zwischen dem Kellner- und dem Schulzen-Haus liegt, mit „Pferden und Geschirr“ für fast 1600 Taler, die er an fünf noch lebende Geschwister auszahlen muß. Ein Jahr danach heiratet er die Tochter Johanne Dorothee Christiane des Papiermüllers Später aus Osterode. Die Ehe ist nur von kurzer Dauer, denn schon 1820 stirbt Heinrich Andreas Gärtner und hinterläßt eine junge Witwe mit drei kleinen Kindern. Als die sich dann 1822 entschließt wieder zu heiraten, wird eine Liste des gesamten Besitzes ihres verstorbenen Ehemannes zusammengestellt. Die Lösung des Rätsels, wie das Gärtnersche Dokument irgendwann ins benachbarte Kellner-Haus gelangt sein kann, liegt vielleicht darin, daß eine Tochter des Verstorbenen im Jahre 1848 in dieses Haus einheiratete, als sie die Frau des Rademachermeisters Christian Kellner wurde.

Nach diesen kurzen biographischen Daten soll nun der Einblick in die Besitzverhältnisse des Heinrich Adam Gärtner etwas Aufschluß darüber geben, wie er und seine Familie gelebt haben könnten.

Zunächst einmal ist er Besitzer eines Hauses, zu dem ein Stall und eine Wiese gehörten. Beides wird mit 1600 Talern angegeben, wobei der Wert der Wiese genauso hoch eingestuft wird wie das Haus. Genauso wichtig für seine Existenz als Fuhrmann war der Besitz von Pferden, Wagen und Schlitten. In der Liste sind denn auch vier Hengste, drei Kohlekarren, zwei alte Sturzkarren, acht Schlitten, ein Wagen, ein „Rentschlitte“, ein Holzkarren und etliches Geschirr aufgeführt. Alles zusammen wird mit 280 Talern veranschlagt.
An weiterem Vieh besaß er nur eine Kuh, acht Hühner und einen Hahn.
Unter der Rubrik „Hölzernes Gerät“ finden wir das Mobiliar des Hauses: Kleiderschrank, zweischläfernes Bett, einschläfernes Bett, Eßschrank, Wanduhr, Spiegel und ein runder „tannerner“ Tisch, dazu drei kleine Brettstühle und ein Spannstuhl. Zu dem hölzernen Gerät gehörten natürlich auch die drei Butterfässer, eine Käsebank, eine Teigbutte und eine Zeugrolle, die wir heute als Haushaltsgerät zählen würden. Auch 2 Karren Schindeln wurden in dieser Gruppe gezählt, so daß alles „Hölzerne“ mit 19 Talern 26 Groschen zu Buche schlug.

Der andere Teil des Hausrates, mit dem die Hausfrau des Heinrich Andreas Gärtner vor 150 Jahren viele Nahrungsmittel selbst herstellte, findet sich unter den Geräten aus Zinn, Kupfer, Messing und Eisen, sowie unter den Hochzeitsgeschenken aufgeführt. Dazu gehören 25 Milchtöpfe, drei Steintöpfe, ein Kaffeebrenner und ein Mörser. Auch acht „porizlane“ Teller, sechs Kaffeetassen und vier Suppenschalen, vier Teller und fünf Leuchter aus Zinn werden hier gezählt.
Bild
In der Küche wird sie auch die Kessel aus Kupfer und Messing, die Eisentöpfe und das Plätteisen benutzt haben. Sogar ein Posten von Nahrungsmitteln, nämlich Speck und Wurst, findet man hier. Ja, macht den sehr hohen Wert von 9 Talern aus.

Man erfährt aus dem Nachlaßschreiben auch, wie sich der Fuhrmann Gärtner kleidete. Er konnte zwischen drei verschiedenen bis zum Knie reichenden Hosen wählen. Die Auswahl an Hemden war doppelt so groß. Im Winter wärmten ihn im Haus zwei Camisole*.
Ein Überrock mußt ihn draußen vor der Kälte schützen. Der Festtagsstaat bestand aus einer scharlachroten Weste mit 16 silbernen Knöpfen und silbernen Schuh- und Knieschnallen, sowie einigen silbernen Hemdknöpfen. Weiter findet man eingetragen einen alten Hut und ein paar Stiefel. Warum aber auch ein Kleid der Ehefrau zum Nachlaß des Verstorbenen gehörte, bleibt unklar. Immerhin ist es soviel wert wie gewesen wie sechs Mannshemden zusammen, nämlich 6 Taler. Unter den ganz persönlichen Dingen fällt ein einziger silberner Eßlöffel im Wert eines Talers auf.

Die Höhe seines Gesamtvermögens, wobei selbst der Wert von Heu und Mist (31 Taler) berücksichtigt wurde, belief sich auf 1974 Talern und 26 Groschen. Dem stand eine Schuldenlast von 1493 Talern und 26 Groschen gegenüber, die dem Heinrich Andreas Gärtner aus der Auszahlung seiner Geschwister erwachsen war.

Sicherlich fällt es uns heute schwer, die Lebensumstände der Familie Gärtner des Jahres 1820 als besonders komfortabel anzusehen. Und doch sind sie das im Vergleich zu denen vieler Bergmannsfamilien des Oberharzes gewesen. So konnten sie beispielsweise als Familie das ganze Haus alleine bewohnen. Einige Grundnahrungsmittel mußten nicht gekauft werden, sondern wurden von der Hausfrau selbst hergestellt. Das Futter für die Pferde war durch die Bergbehörde immer gesichert. Dazu kamen andere Vergünstigungen für die Fuhrbetriebe, auf die hier jedoch nicht eingegangen werden soll. Schließlich sollte man auch nicht übersehen, daß mit der Möglichkeit, Pferde zu halten, eine größere Mobilität für die Familie verbunden war.

* Anneliese Vasel, geb. Bormann (1938 – 1991), selbst Nachfahrin einer Buntenböcker Fuhrherrenfamilie, gehörte zu den ausgewiesenen Kennerinnen der Geschichte Buntenbocks. In zahlreichen Veröffentlichungen hat sie ihr Wissen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Text wurde freundlicherweise von ihren Nachkommen zur Verfügung gestellt: Ein herzlicher Dank an dieser Stelle! Er ist auch erschienen unter: Vasel, Anneliese; Wie wohlhabend war ein Buntenbocker Fuhrherr?; Allgemeiner Harz-Berg-Kalender, Clausthal-Zellerfeld (Ed. Piepersche Buchdruckerei und Verlagsanstalt) 1988, S.64-66.

Auriga – Fuhrmann

Auriga - Fuhrmann

Fotografie des Sternbildes Auriga, des Fuhrmanns
Date 17 July 2004
Source Own work: AlltheSky.com
Author Till Credner

Das Fahren des Eisensteins von den Gruben nach der Hütte geschieht theils ein- und theils zweyspännig; im ersteren Falle haben die Wagen zwey und im letzteren vier Räder. Das auf diesen Wagen oder Karren befindliche Behältniß, worin der Eisenstein geladen wird, ist hier, so wie auf den übrigen Hütten, ein länglich viereckiger Kasten, oder so genannte Höhle, die ihre bestimmten Maßen hat.
Für das einspännige Fuhrwerk ist sie im Lichten 5 Fuß lang, 1 Fuß 8 Zoll weit und 1 Fuß hoch; für das zweispännige so weit uns so hoch als diese, aber 10 Fuß lang: erster faßt also, wenn sie schlicht voll geladen wird, 8 1/3 und letztere 16 2/3 Cubikfuß Eisenstein.

Johann Georg Stünkel, Hüttenschreiber; Beschreibung der Eisenbergwerke und Eisenhütten am Harz, zum Gebrauch für reisende und zur Durchsicht für nichtreisende Freunde des Berg- und Hüttenwesens, Göttingen (Dieterich) 1803, S.157f.

Eseltreiber im Okertal

Eseltreiber im Okertal

Die Rohmkebrücke im Ockertal (mit Eseltreibern)
aus: ‪Band 3 von Harz-Panorama : Ein Cyklus der schönsten und interessantesten Harzansichten in Stahlstich nach Originalzeichnungen von W. Saxesen / Mit Erläuterungen von Eduard Mühlenpfordt, Clausthal 1844. – Nachlass Louise Höhlein, geb. Bormann (1907-1993).

FUHRMANNSKITTEL, m. ein wie ein hemd und zwar gewöhnlich aus starker leinwand gemachter kittel, den der fuhrmann zu tragen pflegt, in manchen gegenden vorzugsweise von blauer farbe. früher ein lederner rock den die fuhrleute trugen, denn bei Comenius sprachenthür nr. 481 ein lederner rock (fuhrmannskittel), penula scortea. dann überhaupt ein hemdartiger grober kittel.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 25.07.2013.

Der menschenfreundliche Retter war wohl ein Fuhrmann, der das Fuhrwesen als Gewerbe betrieb?« unterbrach ich seine Erzählung.
»Ja. Es war ein sogenannter Harzer Landfuhrmann.«
»Ah, die kenne ich. Die Leute zogen mit ihren schweren Lastwagen früher von Land zu Land, nahmen überall Gelegenheitsfrachten auf und kehrten oft erst nach mehreren Jahren in ihre Heimat zurück. Ihre Pferde hatten sie mit sonderbaren Kummeten und Dachsfellen ausgeputzt. Sie waren ehrliche Leute, denen man ein ganzes Vermögen getrost anvertrauen konnte. Der Ihrige aber scheint nicht ehrlich gewesen zu sein, wenigstens mit Ihnen nicht, weil er behauptete, daß er auch nach Amerika wolle, was doch keinesfalls die Wahrheit war. Höchst wahrscheinlich hat er Sie nur ausnützen wollen.«
»Das ist richtig. Zunächst aber schenkte ich ihm mein volles Vertrauen und gewann ihn sogar lieb. Er rief mich Konrad, und ich nannte ihn Vetter. Ich fütterte und putzte die Pferde, schlief bei ihnen im Stalle und nahm ihm auch sonst nach Kräften die Arbeit ab. Dafür erhielt ich mein Essen und zuweilen ein altes, abgetragenes Kleidungsstück, weiter nichts. Als nach und nach Monate vergingen, ohne daß wir nach Amerika kamen, merkte ich freilich, daß er mich belogen hatte; aber das ungebundene Leben gefiel mir, und so blieb ich bei ihm, bis er einmal eine Gelegenheitsfuhre nach Otterndorf bekam. Der Ort liegt in der Nähe der See; die Lust nach Amerika erwachte plötzlich von neuem und mit aller Gewalt, und die Folge war, daß ich ihm davonlief nach Bremerhaven.

aus: Karl May; Satan und Ischariot II, Kap. 3 – Ein Millionär

Karl Mays Erzählung „Satan und Ischariot“ erschien zuerst in drei Teilen in der Wochenzeitschrift „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild„.

Die Gesamthandlung der Trilogie umfasst einen Zeitraum von mehreren Jahren und wird nicht chronologisch, sondern mit Rückblenden erzählt. Inhaltlich geht es um die Verfolgung der Schurkenfamilie Melton, die die Helden über verschiedene Kontinente führt.

Text online: http://gutenberg.spiegel.de/buch/2339/4

Werk: http://karl-may-wiki.de/index.php/Satan_und_Ischariot

Werkgeschichte: http://karl-may-buecher.de/textklammer.php?_id=20

Oberharz 1889