9. Januar 1869 | Kaufcontract einer Fuhrherren-Witwe

Kaufcontract zwischen Caroline Ahrend, geb. Gärtner, Witwe des Fuhrherren Carl Ahrend, und dem Fuhrmann Wilhelm Gärtner, 9. Januar 1869. Nachlass Anneliese Vasel | Archiv Ottensen.

Kaufcontract (letzte Seite) zwischen Caroline Ahrend, geb. Gärtner, Witwe des Fuhrherren Carl Ahrend, und dem Fuhrmann Wilhelm Gärtner, 9. Januar 1869. Nachlass Anneliese Vasel | Archiv Ottensen.

Cassiert zum vorstehenden Käufercontracte vom 9. Januar 1869 zwischen der Witwe des Fuhrherrn C. Ahrend, geb. Gärtner zu Buntenbock und dem Fuhrmann G. H. W. Gärtner daselbst. Geschehen Amtsgericht Zellerfeld am 9. Januar 1869 Gegenwärtig: Obern Amtsrichter Dr. Bergmann und Actuar Bernecker Es erschienen 1., die Wittwe des Fuhrherrn Carl Ahrend, Caroline geborene Gärtner, 2., der Fuhrmann Georg Heinrich Wilhelm Gärtner, beide aus Buntenbock. Dieselben gaben den nachstehenden Käufercontrait als von ihnen abgeschlossen zu Protocoll:

§. 1.

Die Witwe Ahrend verkauft die von ihren oben genannten Ehemann kraft Testaments vom 7. Juni 1859 auf sie vererbten Grundstücke: 1., das Wohnhaus No 48 ./: frühere No 11.) zu Buntenbock, zwischen dem untern Junkernhofe und Julius Schubert belegen, nebst allen Zubehörungen, insbesondere Hof, Stall und Garten,

2., die neben dem vorgeschriebenen Hause belegene Wiese No 73 cat., etwa einen und einen halben Morgen groß. an den mit anwesenden Fuhrmann Wilhelm Gärtner.

§. 2.

Für Größe und Beschaffenheit der Grundstücke wird nicht eingestanden.

§. 3.

Der Kaufpreis ist auf Eintausend Einhundert und Fünzig Thaler festgesetzt und dadurch berichtigt, daß der Käufer zwei auf den verkauften Grundstücken hypothecarisch haftende Forderungen 1., der Grubenhagener Prediger-Wittwencasse* zum Betrage von Siebenhundert und Vierzehn Thaler 4 Gute Groschen 9 Pfennige. 2., des Kaufmanns Hugo Walter in Clausthal** von Vierhundert Thaler, als alleinige eigene Schulden übernommen und den Rest der Verkäuferin baar bezahlt hat. Die Verkäuferin quittiert hiermit über den gesammten Kaufpreis.

§. 4.

Die Uebergabe der Verkaufsobjecte hat Statt gefunden und der Käufer wird als deren vollberechtigter Eigenthümer und Besitzer anerkannt.

§. 5.

Die Grundstücke werden hypothekenfrei verkauft und die Verkäuferin verspricht, die darauf haftenden Hypotheken fordersamst zu beseitigen.

§. 6.

Die Kosten dieses Contracts trägt der Käufer. Vorgelesen, genehmigt Zur Beglaubigung. Bergemann      Bernecker Vorstehender Kaufcontract wird dem Fuhrmann Georg Heinrich Wilhelm Gärtner in Buntenbock in öffentlicher Form zugefertigt. Zellerfeld, den 9. Januar 1869 . Königlich Preußisches Amtsgericht gez. Bergemann * Die Grubenhagener Prediger-Wittwencasse war eine Einrichtung des 19. Jh. zur Versorgung der Pfarrwitwen. ** Der Kaufmann Hugo Walter besaß in Clausthal eine florierende Zündholzfabrik.

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Përd un përd is en underscheid

13. Barg up drîf mek nich, barg dâl (runner) jâg mek nich: Bergauf treib mich nicht, bergab jag mich nicht. – Diese Vorschrift für die Behandlung des Pferdes wird sinniger Weise dem Thiere selbst in den Mund gelegt. Sonst habe ich von Fuhrleuten die Regel auch so gehört: „Bergauf reite mich, bergab leite mich, auf dem Gleichen (»up’n lîken«) jage mich. „Bei Körte 1, p. 344. „Berg auf treib mich nicht, Berg ab jag mich nicht, Auf der Ebene schon‘ mich nicht, Im Stalle vergiß mich nicht.“

31. Dat përd dat den hâweren fret, het ’ne nich verdeint: Das Pferd, das den Haber frißt, hat ihn nicht verdient. — Bei Körte II., Nr. 5970: „Das Pferd, das den Hafer verdient hat, kriegt ihn nicht.“ vgl. Eichwald Nr. 1499; Lohrengel Nr. 114. holländisch: De paarden, die den haver verdienen, krijgen die niet; oder etwas andes: De ezels dragen den haver, en den paarden eten die. Harreb. I., p. 291. Wer die Arbeit thut hat nicht auch den Lohn derselben.

74. De përe hebbet holige (hulige) köppe: Die Pferde haben hohle Köpfe; oder Det përd het en’n holigen kop: Das Pferd hat einen hohlen Kopf. – holl. Dat paard heeft een‘ grooten bek. Harreb. II. p. 161. Die Pferde freßen viel, ja sie sind fast unersättlich, daher verursacht ihre Unterhaltung große Kosten.

75. De schrêpe un de klapesack, de hâwere mâket de përe glad: Die Striegel und die Peitsche , der Haber machen die Pferde „glatt.“ – Es sind hier die drei Dinge genant, welche dazu gehören, um die Pferde in gutem Stande und in Ordnung zu erhalten. Das Wort glad scheint in einem Doppelsinne gebraucht zu sein und 1., glatt in gewöhnlichem Sinne, .2, aber, auf klapesack bezogen, tractabilis, behandelbar, geschmeidig, sanft zu bedeuten.

140. En gaud përd tût tweimâl: Ein gutes Pferd zieht zweimal. — vgl. das Holl. Een goede haan kraait tweemal. Harreb. I. p. 266. Man denke zunächst an einen feststecken den Wagen. Was das erste Mal nicht gelingen wollte, das kann und wird in vielen Fällen beim zweiten Versuche gelingen; oder aber: Was das erste Mal gelang, das kann auch noch einmal gelingen. So ist es denn unter allen Umständen eine Aufforderung zu einem neuen Versuche.

203. Frîen is kein përkôp: Heiraten ist kein Pferde kauf. — Muß man schon beim Pferdekauf gar sehr auf sei der Hut sein, so hat der Mann bei der Wahl einer Frau dazu noch viel mehr Ursache, denn ein Pferd, womit er etwa betrogen ist, kann er durch Tausch oder Verkauf wieder los werden, die Frau aber, die er einmal genommen hat, muß er behalten, auch wenn sie ihm bei näherer Bekanntschaft noch so sehr misfällt. altmärkisch bei Danneil p. 207. vgl. Nr. 181. 200. und 1. Samml. Nr. 1.

218. Geschenketen përen draf men nich in’t mûl seien: Geschenkten Pferden darf man nicht ins Maul sehen.. — Schon lat. Equi donati dentes non inspiciuntur; nhd. „Einem geschenkten Gaul Kuckt man nicht ins Maul“; aus dem Waldeckschen bei Firmen. Bd. 1. p. 325; aus Düren ebendas. p. 483; holl. Men moet geen gegeven paard in den bek zien, bei Harreb. II. p. 165. — Auf den Werth eines erhaltenen Geschenkes soll man nicht sehen, auch nicht die etwaigen Mängel desselben aufsuchen und hervorheben.

333. Përd un përd is en underscheid: Pferd und Pferd ist ein Unterschied. — Wenn auch zwei Dinge auf den ersten Blick einander völlig gleich zu sein scheinen, so besteht doch oftmals zwischen ihnen noch ein großer Unterschied.

466. Wenn de kau dâte is, (od. Wenn’t perd kaput is,) sau werd de stal ebetert: Wenn die Kuh todt ist, (Wenn das Pferd krepiert ist,) so (dann) wird der Stall gebeßert. — vgl. Nr. 480. und 1. Samml. Nr. 390. Was längst hätte geschehen sollen, um ein mögliches Unglück zu verhüten, das geschieht erst, nachdem dasselbe eingetreten ist.

469. Wenn de knechte hâweren ‚futtert hebbet, sau geit et den përen ôwer’n krâgen: Wenn die Knechte Haber gefüttert haben, so (dann) geht es den Pferden über den Kragen. – Werden die Pferde mit Haber gefüttert, so ist dies ein Zeichen, daß eine bedeutende Anstrengung von ihnen wird gefordert werden.

473. Wenn de përe gaud stât, un de frûen gaud fallet, denn kan men wol en man wëren: Wenn die Pferde gut stehen, und die Frauen „gut fallen“ (früh sterben), dann kann man wohl ein (reicher) Mann werden; oder Wenn de përe stât, Un de frûen gât, Dabî werd men rîke: Wenn die Pferde stehen, und die Frauen „gehen“ (mit Tode abgehen, sterben), Dabei wird man reich. — Unser Sprichwort ist allerdings der Ausdruck einer niedrigen Gesinnung, gleichwohl aber die richtige Bezeichnung eines wirklich bestehenden Verhältnisses, denn wenn dem Bauern die Pferde nicht fallen, wohl aber ihm eine Frau nach der anderen stirbt, so wird er dadurch immer reicher, indem er zufolge der gehaltenen »verschrîwige« deren Vermögen erbt. altmärk. bei Danneil Wörterbuch p. 206. Wenn de Kô got staon, un de Frûns gôt affgaon, kann de Bûr bestaon.

531. Wër erst eine» sâdel up’n l’îwe het krigt er âk noch mër up: Wer erst einen Sattel auf dem Leibe hat be kommt auch noch mehr darauf. — Das Bild stammt vielleicht ans der bekannten Äsopischen Fabel (Phaedr. Fab. IV, 3.), jedenfalls ist es vom Pferde entlehnt, dem nach Auflegung des ersten Sattels auch ferner ein solcher aufgelegt wird ; der Sinn geht dahin, daß zu der übernommenen ersten Last sich bald auch noch andere gesellen.

626. De Octôber: Der October Màket de përe pôwer. Der October Macht die Pferde pauvre, d. h. bringt sie sehr herunter. — Das Vor kommen des franz. pauvre weist auf einen jüngeren Ursprung hin. Im October werfen die Pferde das Sommerhaar ab und bekommen ihr Winterhaar; dabei kommen sie sehr herunter und bedürfen einer guten Fütterung. vgl. Nr. 668.

668. Wenn dat wîenlâf kümt, un wenn det wîenlâf affelt, mötet de përe gaud efuttert wëren: Wenn das Weidenlaub kommt, und wenn das Weidenlaub abfällt, müssen die Pferde gut gefüttert werden. — Im April, wo die Weiden sich belauben, bekommen die Pferde das Sommerhaar, im October, wo die Weiden die Blätter verlieren, bekommen sie das Winterhaar. vgl. Nr. 626.

706. (99b.) Det hëren – âge mâket den ossen fet: Das Herren-Auge macht den Ochsen fett. — Eiselein p. 45. „Das Auge des Herrn füttert das Pferd wol.“ Körte I, Nr. 2-00. „Des Herrn Auge macht das Vieh feist (od. das Pferd fett), vgl. das griech. Despóton ophthalmis, bei Xenoph. Oeonom. c. 12, §. 20. Holl. Heeren-oogen maken schoone paarden. Harreb. I. p. 295. und Het oog van den meester is de beste haver voor de paarden. ebend. II. p. 163. Sollen die Hausthiere wohl gedeihen, so bedarf es der Gegenwart des Herrn; dieser muß selbst darnach sehen, ob ihnen die rechte Fütterung und Abwartung zu Theil werde.

707. (103b.) Det përfleisch is det dûerste fleisch: Das Pferdefleisch ist das theuerste Fleisch. — holl. Paardenvleesch is duur vleesch, en toch wil niemand het eten. Harreb. II. p. 166. Die Pferde kosten nicht allein im Ankauf, sondern auch in der Unterhaltung viel mehr, als alle anderen Hausthiere. So liegt denn darin der gute Rath, falls man nicht durch die Verhältnisse dazu gezwungen sei, gar keine Pferde zu halten, müße man aber solche halten, dann wenigstens in der Anzahl derselben nicht über das dringendste Bedürfnis hinauszugehen.

Niederdeutsche Sprichwörter der Fürstenthümer Göttingen und Grubenhagen, gesammelt und erklärt durch Georg Schambach, Rector des Progymnasiums zu Einbeck. Zweite Sammlung. Göttingen , Vandenhoeck und Ruprecht’s Verlag. 1863.

10 Taler Strafe für die Fuhr

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Sabbaths-Feyer

§.1. Ein jeder Unterthan ist schuldig, für sich nebst den Seinigen und Angehörigen, die Sonn- Beth- und Fest-Tage gebührend zu feyern, von weltlichen Geschäfften gänzlich abzustehen und Gott den schuldigen und erfordernden Dienst in geistlichen Uebungen mit Andacht zu leisten.

Die Prediger und Seelsorger werden hiebey ihres Amts von selbsten sich erinnern, und ihren Pfarr- und Seelen-Kindern mit Lehren, Warnen, Straffen und Ermahnen, auch mit guten Exempeln vorgehn. Wie dann auch selbige, wann Verächter des heiligen Sabbaths, von dem öffentlichen Gottes-Dienst und dem heiligen Abendmahl, sich auf ein ganzes Jahr und darüber muhtwillig absondern, solches, wie es sich Amts- und Gewissen halber gebühret, gehöriges Orts, zur Bestraffung, anzumelden schuldig seyn, auch allen Fleisses dahin sehen sollen, daß bey dem öffentlichen Gottes-Dienste alles in guter Ordnung hergehe, da aber einige, so Unruhe, Zank, auch wohl gar Schlägerey in der Kirche anrichten, sich finden würden, dieselbe zu harter exemplarischer Bestraffung gehöriges Orts angemeldet werden mögen.

1. Insonderheit aber sollen bey zehen Thaler, und dem Befinden nach, schärfferer Geld- auch wohl Gefängniß-Straffe, an denen Sonn- Beht- und Fest-Tagen, vor, zwischen und unter den Predigten, insonderheit auch am Grünen-Donnerstage den gantzen Vormittag, und am Stillen- oder Char-freytage den ganzen Tag, die Gahr-Küchen, Schenken, Wein- Bier- und Brandteweins-Häuser zugehalten, keine Gäste darin gesetzet, auch nichts daraus geholet noch abgefolget werden, ausser was bey der Mahlzeit an nöthigem Getränke, auch etwa für Kranke und Säugende ohnumgänglich erfordert werden mögete. (…)

5. Alles Fahren mit Holz, Torf, Frucht, Garten-Gewächse, und andern Sachen nach denen Städten, wie auch das Abholen des Malzes, Getränkes und anderer Sachen aus denen Städten, soll an denen Sonn- und Fest-Tagen, bey zehen Thaler Straffe verboten, (alles Fahren mit Holz, Erz, Schlieg, Dielen, Frucht, Garten-Gewächse, auswärtigem Biere, Frucht-Treiben und andern Sachen, soll an denen Sonn- und Fest-Tagen, von deren Feyer die Fuhrleute am Harz, wegen des Berg-Werks und anderer alda obhandenen besondern Umständen nicht dispensiret (d.i. entbunden) sind, bey zehn Thaler Straffe verboten, die fremden Fuhr- und andere reisende Leute, worunter jedoch die Bier-Fuhr-Leute und Frucht-Treiber nicht zu verstehen, aber davon zwar eximiret (d.i. befreit), jedoch u.) die fremde Fuhr- und andere reisende Leute aber hievon eximiret seyn, jedoch daß sie des Sonn- und Feyer-täglichen Gottes-Dienstes dabey nicht vergessen, noch selbigen hindan setzen

a) Nachdem dieser Artickel dahm extendiret werden wollen, daß, wann Fuhr-Leute aus dem Lande, Kauffmanns-Guht geladen, und sich es fügte, daß sie damit auf den Sonn- oder anern Feyer-Tagen die Aemter passiren müssen, sie auf der Land-Strassen angehalten, ihnen die Pferde ausgespannet, und ehender nicht wieder los gegeben würden, als bis sie ein gewisses Pfand-Geld erleget hätten; so ist derselbe dahin erkläret, daß es zwar dabey, was daselbst disponiret worden, sein ohngeändertes Verbleiben behalten.

Nachdem aber es die Meynung nicht hat: daß dergleichen Fuhrleuten angemuhtet, vielweniger mit Ausspannung der Pferde sie dahin angehalten werden sollen, den ganzen Sonn- und Feyer-Tag mit ihren geladenen Waaren stille zu liegen; sondern bey solchen Fällen gnug seyn kann, daß, wie in dem Art. 5. wegen der fremden und reisenden Leute disponiret, solche Fuhr-Leute erinnert und ermahnet, auch allen falls dazu angehalten werden, daß sie an Sonn- und hohen Feyer-Tagen, wenigstens die Meß-Predigt über, auf der Reise an einem Orte stille halten, und solchen Gottesdienst abwarten, nach dessen Endigung aber ihren Weg fortsetzen mögen und müssen.

Ausschr. vom 14. Aug. 1710. C. 1.n.7.p.424.

Churfürstliche Braunschweig-Lüneburgische Landes-Gesetze und Verordnungen Calenbergischen und Grubenhagenschen Theils in einen Auszug nach alphabetischer Ordnung gebracht von Friedrich Christoph Willich der Rechte Doctor, und Actuarius der Georg-August Universität. Dritter Band R-Z. nebst Anhang (Das Exemplar kostet zwey Rthlr.) Göttingen und Dessau, bey dem Verfasser und in der Buchhandlung der Gelehrten 1782. 116f.