„… lauter sehr starke Hengste“ – Harzer Fuhrherren im 18. Jahrhundert

„Obgleich auf dem Harze zu den mancherley Bergfuhren auf Erz, Schlieg, Holz, Kohlen u. so sehr viele Pferde von den Fuhrherren gehalten werden, so werden doch daselbst keine Pferde gezogen, sondern alle, und zwar lauter sehr starke Hengste, angekauft.

So hielten z.B. die Fuhrherren zu Clausthal im Quartal Trinitatis 1733 168 Pferde. Die Bezahlung solcher Fuhren z.B. des Erzes von den Gruben nach den Puchwerken geschieht treibenweis, ein Treiben auf dem Oberharze zu 40 Tonnen, eine Tonne zu 4 Kübeln (wovon jeder ungefähr einen Centner hält) gerechnet. Vor dem Jahre 1728. z.B. wurden zu Clausthal von jedem Treiben der Dorotheer- und Caroliner-Erze nach den Innerst-Puchwerken 7 Gulden Fuhrlohn gegeben, und von 2 Rösten Schlieg von da nach der Altonauer-Hütte 8 Gulden. Hingegen im Jahr 1728. wurden nach den 3 neuen Puchwerken im Polsterthale von jedem Treiben Erz 5 Gulden und 5 Mgr., und von 2 Rösten Schlieg von da nach der Altenauer-Hütte 2 Gulden und 10 Mgr. Fuhrlohn bezahlt.

Aus den Papieren eines erst kürzlich verstorbenen Mannes, der ehemals ein vorzüglich geschickter Bediente auf dem Harze war, kann ich folgende Vorschrift oder Instruktion für die Berg-Fuhrleute zu Clausthal mittheilen, von welcher es mir aber nicht bekannt ist, ob sie ein bloses Projekt blieb, oder würklich befolgt wurde:

1) Die Ladung auf ein gutes Harz-Pferd muß 6 Centner über Berg und Thal seyn, wenn es nicht überladen werden soll.
2) Zu einer Tagesfuhr werden 10 Stunden gerechnet, also daß die Pferde 8 Stunden im Zug sind, und 2 Stunden zur Fütterung und Aufladen auf 2 Karren gerechnet werden.
3) Bey dieser Fuhr wird auf ein Pferd wöchentlich 5 Himten Haber zur Fütterung gerechnet.
4) Auf eine volle Tagesfuhr soll der tägliche Verdienst 21 Mgr. seyn, wenn der Haber nicht unter 9 Mgr. und nicht über 12 Mgr. kostet.
5) Steiget der Preis des Habers über 12 Mgr., so soll das, was 5 Himten Haber in der Woche mehr kosten, auf 6 Tage eingetheilet, und täglich so viel mehr an Haber-Zulage gegeben werden, als es die Eintheilung auf 6 Tage ergiebet; jedoch also
6) Daß wenn der Preis des Habers auf einige Wochen steiget, die Haber-Zulage nicht statt habe.
7) Da die Schwehre des Holzes nach seiner Art zu sehr unterschieden, als dass davon gewisse Centnerzahl anzugeben stünde, so soll künftig, wie vorhin, 1 Karren Tannen-Kohlen, 2 Malter Rösteholz, und 35 Stück Wasen (Wellen) zur Ladung für ein Pferd gerechnet werden.
8) Ein Karren Büchen-Kohlen, der 7 bis 7 1/2 bis 8 Centner schwer ist, sonst noch 1/2 mal so hoch als 1 Karren Tannen-Kohlen im Fuhrlohn bezahlt worden. Da sich aber aus der Erfahrung gefunden, daß dieses zu viel, in dem solche größtentheils einspännig gefahren, so soll 1 Karren Büchen-Kohlen 1/3 Fuhrlohn gegen 1 Karren Tannen-Kohlen mehr geben, also, daß wenn von einem Wege für 1 Karren Tannen-Kohlen 21 Mgr. bezahlet wird, 1 Karren Büchen-Kohlen 28 Mgr. Fuhrlohn zu bestimmen.
9) Auf einer Stunde im Schritt zu reiten, wir 1 2/3 Stunde zu fahren gerechnet, und obwol solches nicht überall eintreffen möchte, so ist doch dieses als das beste Principium angenommen, und mithin werden 4 Stunden zu fahren auf 3 Stunden zu reiten gerechnet. Dagegen aber
10) bey der Schlittenbahn die Löhne mit dem runden Geschirre gleich gerechnet, wobey ohnehin der Unterschleif, wenn diverse Löhne festgesetzt worden, fast gar nicht zu vermeiden.
11) Wenn die Fuhrleute des Nachts nothwendig unter Wegs bleiben müssen, wird auf 1 Pferd wegen Stall- Schlaf- und Biergeldes 1 Ggr. oder 1 1/2 Mgr. über den festgesetzten Verdienst gerechnet.
12) Bey Berechnung der Weite des Wegs wird accurat auf die Lage, und also auch auf 1/4 Stunde reflectirt.
13) Bey Berechnung des Lohnes werden 2 g. Pf. und darunter ganz übergangen: wenn es aber über 2 g. Pf. ein voller Matthier ( = 4 g. Pf.) dafür gerechnet.“

Aus Dr. Christoph Wilhelm Jacob Gatterer’s Kurpfälzischen würklichen Bergraths, ordentl. öffentl. Professors der Landwirthschaft, Forst- Fabrik und Handlungswissenschaft auf der Staatswirthschaft hohen Schule zu Heidelberg, Correspondents der Königl. Soc. der Wissensch. zu Göttingen, Mitglieds des Königl. histor. Instituts zu Göttingen, der Kurpfälz. meteorol. Soc. zu Mannheim, und der Kurpfälz. ökonom. Gesellschaft zu Heidelberg, Beschreibung des Harzes, Erster Theil, Nürnberg, im Verlag der Bauer und Mannischen Buchhandlung. 1792, S. 131ff.

Wo ist Alfons Glite, der Fuhrherr?
Kommt das je ans Sonnenlicht?
Wer es immer wissen könnte-
Mackie Messer weiß es nicht.

Bertolt Brecht, Die Moritat von Mackie Messer, Dreigroschenroman, Frankfurt (Suhrkamp TB) 1991.

Wenn Buntenbocker Fuhrherren starben führten oft die Witwen den Betrieb weiter – Was ein Lagerbuch über zwei Witwen in Buntenbock berichtet

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Die Fuhrherren-Witwe Augustine Wilhelmine Louise Bormann, geb. Gärtner, 1831 – 1912, überlebte ihren Mann Heinrich Carl Wilhelm Bormann, 1824 – 1894, um 18 Jahre.  Auf der um 1900 entstandenen Aufnahme sitzt sie mit vier ihrer insgesamt sieben Kinder vor der Gartenfront des Bormannshauses  – im Artikel mit „assec. 41“ bezeichnet – in Buntenbock, jetzt Am Brink 5. Der Fuhrbetrieb wurde zu dieser Zeit noch durch den Sohn Christian (im Foto links) aufrecht erhalten. Der jüngere Sohn Carl (1874 – 1942) wurde Pochsteiger.

Von Anneliese Vasel*

Man beobachtet ein zunehmendes geschichtliches Interesse, das sich nicht so sehr auf das große politische Geschehen richtet, sondern dem es genauso wichtig ist, mehr über die Lebensumstände der Menschen zu erfahren, die abseits der uns in Lehrbüchern vermittelten Geschichte lebten. Das ihre Taten solche der alltäglichen Lebensbewältigung waren, lassen sich Nachrichten darüber nicht so leicht finden wie über die berühmten Zeitgenossen.

Bei meiner Suche nach solchen Zeugnissen stieß ich auf eine Quelle, die beim Durcharbeiten manchen interessanten Einblick gewährte, und die darüberhinaus den Schluß zuließ, daß auch die Frauen nicht erst in unserem Jahrhundert die Fähigkeit zu selbständigem und verantwortungsbewußten Handeln entdeckt haben, wenn es darum ging, die Interessen der Familien zu wahren.

Es handelt sich um ein sogenanntes Lagerbuch. Darunter hat man sich eine Zusammenstellung und Beschreibung aller assecurierten Häuser eines Ortes vorzustellen. In mancher Hinsicht entspricht es dem heutigen Grundbuch. Für Buntenbock wurde ein solches Lagerbuch im Jahr 1766 angelegt und fortlaufend bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts geführt. Ein Seelenregister von 1773 rundet das Bild ab.

Aus beiden Quellen ergibt sich, daß damals 42 Hauswirte in Buntenbock gezählt wurden. Davon waren 18 Fuhrherren, die übrigen waren als Fuhrknechte, Waldarbeiter, Handwerker und einige wenige Bergleute eingetragen. Unter den Hauswirten befanden sich 9 Witwen. Fünf von ihnen waren Fuhrherren-Witwen. Zwei von diesen erschienen mir so bemerkenswert, daß ich hier über sie berichten möchte.

Es sind:
1. Dorothea Catharina Bor(ne)mann geb. Hüters oder Hüddersen
und
2. Anna Dorothea Thiele geb. Reinhard
Anmerkung: Zu jener Zeit wechselt die Schreibweise der Namen noch häufig, darum die verschiedenen Schreibformen bei 1..

Zu Dorothea Catharina Bormann
Sie war für uns lange die namenlose Mutter eines unserer Buntenbocker Vorfahren. Im zuständigen Kirchenbuch waren keine Angaben zu ihrer Person zu finden. Wahrscheinlich aber ist sie eine Tochter des töchterreichen Schneidermeisters und Hausbesitzer Hans Hüddersen aus Buntenbock. Sie muß um 1703 geboren sein. Ihre Eheschließung war ebenfalls nicht zu finden. Aus dem Lagerbuch aber geht nun hervor, daß sie die zweite Frau des Andreas Peter Bormann war. Als seine Witwe wurde sie Besitzerin des Hauses assec. 18.
Dieses Haus scheint mir das Stammhaus aller Bormanns in Buntenbock zu sein; Träger dieses Namens waren ja dort nicht gerade selten. Aus den Eintragungen ergibt sich nämlich, daß Andreas Peter Bormann dieses Haus „nach dem väterlichen Testament für 500 Taler“ angenommen hatte. Dieser Preis wurde für das Haus, eine Wiese und „inclusive derer zum Fuhrwerk gehörenden Pferde und Geschirre“ gezahlt. Der Vater des Andreas Peter, ein Jürgen Bormann, war der einzige Sohn eines Ernst Bormann, der um 1650 als Fuhrmann „auf dem Buntenbock“ erwähnt wird und zu der Zeit der einzige Träger des Namens in diesem Dorf ist.

Im Jahr 1766 bewohnt die Witwe Bormann das Haus assec. 18 mit drei Stiefkindern und ihrem leiblichen Sohn. Zwei Stiefkinder sind bereits verheiratet. Im gleichen Jahr fällt allen genannten Kindern durch Erbschaft ein weiteres Haus zu, das eines Onkels: assec. 41.

In dieser Situation wird die Witwe aktiv: Sie handelt mit den Stiefkindern einen Vergleich aus, wonach sie denen deren Erbanteil am Haus assec. 41 bar auszahlt. So wird sie Besitzerin eines zweiten Hauses. Das bleibt sie jedoch nur für drei Jahre. Denn 1769 übergibt sie das Haus assec. 18 dem Stiefsohn Georg Heinrich Bormann, da dieser inzwischen das Alter erreicht hat, das Fuhrgeschäft, das mit diesem Haus verbunden ist, selbständig zu führen. Ihm wird die Auflage gemacht, seine Geschwister auszuzahlen.

In das Haus assec. 41 zieht sie mit ihrem Sohn Michael Heinrich Bormann ein. Wahrscheinlich betreibt sei dort ebenfalls einen Fuhrbetrieb, denn 1773 wird sie noch als Hausbesitzerin gezählt, während Michael Heinrich Hausgenosse bei ihr ist und als Fuhrknecht eingetragen wird. Nach dem Tod der Mutter geht das Haus an den Sohn, der sich dann auch Fuhrherr nennen kann.

Zu Anna Dorothea Thiele
Mit ihr lernen wir eine noch junge Witwe kennen. Sie kam 1744 als Tochter des herrschaftlichen Meiers und Fuhrherrn Johann Christian Reinhardt in Riefensbeek zur Welt. Ihr Mann, den sie mit 19 Jahren heiratet, stammt ebenfalls aus einem Pacht-Meierhof in Riefensbeek. Er ist der Fuhrherr Heinrich Andreas Thiele.
Der Vater der jungen Frau hatte 1748 das Haus assec. 1 in Buntenbock für 800 Taler von einer Witwe Erhard und deren Sohn Joachim Thiele erkauft. Den Buntenbockern ist es als das spätere Schützenhaus bekannt.

Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernimmt Heinrich Andreas Thiele 1772 dieses Haus und verpflichtet sich, der zweiten Frau des Verstorbenen dafür 800 Taler zu zahlen, wovon er tatsächlich nur 250 Taler aufbringen kann. Zu dieser Zeit wird das Haus von drei Familien bewohnt, Heinrich Andreas Thiele bleibt mit seiner Familie in Riefensbeek wohnen.

Im Jahr 1783 verliert Anna Dorothea Thiele ihren Mann. Mit dem Haus in Buntenbock kommt sie in große Schwierigkeiten, da sie die daraufliegenden Lasten nicht tilgen kann. Und so kommt es zu einem etwas seltsamen Verkauf dieses Besitzes an den Kohlenfuhrmann Johann Christian Gärtner. Seltsam insofern, daß der Käufer in die Bedingung einwilligen muß, das Haus der Witwe wieder zu überlassen, wenn sie binnen drei Jahre die nötigen Mittel für einen Rückkauf zusammengebracht haben sollte.

Aus den weiteren Eintragungen geht nun hervor, daß die Witwe alles darangesetzt haben muß, das Haus zurückzuerwerben. Unter dem 16. 3. 1788 findet man eingetragen, daß ihr und ihren Kindern das Haus wieder zugeschrieben wird, „nachdem sie Johann Christian Gärtner von allen nexu obligationes liberiret“.

Auch sie muß das Grundstück wiederholt belasten. Doch als sie es Anfang des 19. Jahrhunderts taxieren läßt, hat es einen Wert von 1600 Talern. Nach ihrem Tod geht es 1811 an den Sohn August Friedrich Thiele., der in diesem Haus inzwischen als Fuhrherr wohnt und arbeitet. Unter dessen Sohn Heinrich Leopold Thiele bekommt das Haus dann noch die Funktion eines Schützenhauses.

Zusammenfassend läßt sich vielleicht folgendes feststellen: Beiden Frauen war der Fuhrbetrieb offenbar so vertraut, daß sie nach dem Tod der Ehemänner in der Lage waren, diesen erfolgreich fortzuführen. Ihr besonderes Interesse gilt dem Erhalt des Grundbesitzes. Denn damit hinterlassen sie den Söhnen eine gute Grundlage für deren berufliche Existenz. Dabei wird es nicht ganz unwichtig gewesen sein, daß der Oberharzer Bergbau sich zu jener Zeit in einer Periode befand, in der er nicht mehr und nicht schon wieder von den ihm eigentümlichen Krisen geschüttelt war.

Literatur: Lagerbuch Buntenbock, Niedersächsisches Staatsarchiv Hannover, Sign. VLI B 10, Hann 72 Zellerfeld.
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* Anneliese Vasel, geb. Bormann (1938 – 1991), selbst Nachfahrin einer Buntenböcker Fuhrherrenfamilie, gehörte zu den ausgewiesenen Kennerinnen der Geschichte Buntenbocks. In zahlreichen Veröffentlichungen hat sie ihr Wissen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Publikation dieses Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Nachfahren von Anneliese Vasel. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle!
Der  Artikel „Wenn Buntenbocker Fuhrherren starben führten oft die Witwen den Betrieb weiter – Was ein Lagerbuch über zwei Witwen in Buntenbock berichtet“ wurde erstmals veröffentlicht in: Allgemeinen Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1980, Clausthal-Zellerfeld (Ed. Piepersche Buchdruckerei) 1979, S. 70ff.

Harzer Fuhrmann – ein aromatischer Kräuterlikör

Harzer Fuhrmann - ein aromatischer Kräuterlikör - http://www.museum-digital.de

Quelle: http://www.museum-digital.de/thue/images/201005/26155724543.jpg

Fuhrmann. Man kann den F.; der den Handels-Frachtverkehr mit Wagen und Pferden beruflich besorgt, von dem unterscheiden, der nur gelegentlich für eigene und auch für fremde Bedürfnisse Fuhren macht, das Fuhrwerk und Gespann aber für seine Wirtschaft benötigt, so der Bauer. Im weiteren Sinn ist als F. der Lenker eines Wagens bei volkstümlichen Festen, so bei Hochzeit und Begräbnis u.a. Gelegenheiten tätig. Der F. im ersteren Sinn, und um ihn handelt es sich beim F.saberglauben vor allem, ist nahezu verschwunden. Die Entwicklung des modernen Verkehres hat das einstige blühende Frachtwesen gänzlich umgestaltet und dem F. die Lebensbedingungen genommen. Besteht aber irgendwo noch ein kleiner Frachtverkehr mit Wagen und Pferdebespannung, so vollzieht auch er sich unter so geänderten Verhältnissen, daß diese nicht den Boden für einen besonderen F.saberglauben abgeben. Es kommt also im folgenden nahezu nur mehr vergangener, nicht mehr bestehender Aberglaube zur Darstellung. Der moderne Frachtverkehr hat einen anders gearteten Aberglauben (s. Eisenbahn, Automobil). Auf die Bildung und den Inhalt des einstigen F.saberglaubens mag der Zustand der Fahrstraßen nicht ohne Einfluß gewesen sein. Diese unterschieden sich von den modernen, technisch vollkommenen, besonders dadurch, daß jene oft über Berge und steile Höhenrücken führten, so daß uns bei ihrer Anlage im Gegensatz zur jetzigen Straßenführung jede Rücksicht auf Mensch und Zugtier außer acht gelassen erscheint. Fahrstraßen waren nämlich oft nur die erweiterten einstigen Gehsteige und Tragtierwege, bei denen Steilheit nicht so vermieden werden mußte, wie bei Fahrstraßen mit Wagenverkehr. Daher ist es natürlich, daß dem F. auf derartigen Wegen größere Schwierigkeiten bereitet wurden und er leicht darüber zu abergläubischen Vorstellungen kommen konnte. Da ferner die Fahrstraßen aus Gründen der Sicherheit oft über Höhen führten, von wo die Stimmen der Fuhrleute in den Niederungen gehört wurden, konnte sich infolgedessen aus der Vorstellung vom wilden Jäger leicht die Vorstellung vom wilden F. entwickeln. Der Ärger über den schlechten Zustand der Straßen und behördlichen Vorschriften machte sich in kräftigen Flüchen Luft.

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, hg. von Hanns Bächthold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer mit einem Vorwort von Christoph Daxelmüller, Bd. 3, Freen – Hexenschuß, Berlin New York (de Gruyter) 1987, Art. Fuhrmann., 197ff.

Rubens_-_Vulcano_forjando_los_rayos_de_Júpiter

An den Harz.

Hercynien, bergigtes Land, du sahst den empfinden-
den Busen
Unschuldig jugendlich sich freun;
Dort freylich gefrieren Genies, kein Satyr und keine
der Musen
umtanzen deinen kalten Hayn.

Es thürmen sich zu dem Olymp steilhangende, drohende
Klippen,
um die ein ew’ger Nebel fließt.
Dein Blocksberg wird nie zum Parnaß. Es singen nie
dicht’rische Lippen,
Wo man stets wuchert, selten liest.

Still, öd, melancholisch und todt, liegt, wirthbar den
schüchternen Eulen,
Dein meilenlanger Tannenwald;
Wo nie Philomene geklagt, Uhuhs dissonantisch nur
heulen
Und nur des Fuhrmanns Peitsche knallt.

Wie fürchterlich schwärzt sich dein Wald, wenn Phoebus,
bei drohenden Wettern
Sein Haupt in Donnerwolken hüllt,
Zeus flammende Himmel durchrollt, und dann mit dem
gräßlichsten Schmettern,
der Nachhall neue Donner brüllt.

Es stürtzt ins antwortende Thal, ein ewig einförmiges
Knarren
der Künste, von dem Wasser schwer.
Im hohlen und felsigten Weg seufzt mancher befrachtete
Karren;
Kein Phaeton wagt sich hieher.

Man höret ein wildes Getös, ein Prasseln erschrecklicher
Flammen,
Das Poch- und Hüttenwerk umziehn.
So schmiedete Vulcans Geschlecht des Jupiter Waffen
zusammen,
und glühte wie hier Schmelzer glühn.

Den Bauch deiner Erde voll Erzt zerschmettern die
Donnrer im Kittel,
daß ängstlich das Gebirge kracht.
Sie hauen die blitzende Wand, den Stoff embryonischer
Mittel
Zum Unterhalt, doch mehr zur Pracht.

Du Pflanz-Ort der Nothdurft und Pracht, o möchten in
deinen Gefilden
Auch Kenner und Mäcene seyn! –
Gefilde, wie seid ihr so kalt, empfindende Herzen zu bilden!
So rauh, sich mit Geschmack zu freun!

Und dennoch verflossen bei euch die tändelnden müßigen
Jahre,
Sanft wie der klare Bach verfließt.
Ganz Knabe bey hüpfender Luft, mit Blumen um lockigte
Haare
Hab ich gelacht, gescherzt, geküßt.

O säht ihr den denkenden Mann, wie ehmals den spie-
lenden Knaben
Noch sorgenfrey der Lust sich weihn!
Euch wünsch ich entfernt ein Glück auf! Mir wünsch ich
die Ruhe zu haben,
Noch einmal dort vergnügt zu seyn.

Johann Friedrich Löwen (* 13. September 1727 in Clausthal; † 23. Dezember 1771 in Rostock), Poetische Werke, Zweyter Theil, Oden und Lieder in vier Büchern, Zweytes Buch, Hamburg und Leipzig (Grunds Witwe und Holle) 1760, S. 193f.

http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Friedrich_Löwen

FUHRMANNSPEITSCHE, f. die starke, gewöhnlich mit einer langen schmitze versehene peitsche eines fuhrmanns. auf diese schmitze spielt wol die spöttisch auf einen, der verschmitzt zu sein glaubt, zielende sprichwörtliche redensart an er ist verschmitzt wie eine fuhrmannspeitsche. zeitvertreiber 510. complimentierbüchlein v. j. 1654 im Weim. jahrb. 1, 326.

SCHMITZE, f. 4) durch hochd. und md. gebiete ist schmitze als bezeichnung des äuszersten, gewöhnlich besonders angeknüpften endes der peitschenschnur verbreitet, vgl. Stieler 1876. Schm. 2, 562. Reinwald 2, 112. Spiesz 220; schmetze Regel 262. Hertel Salzung. wb. 41; schmitze Albrecht 204a. Kleemann 19b. Liesenberg 197. Bernd 268. Frischbier 2, 299a; in hochd. form bei Schambach 198b: ein seiler schlug glockensträng, den fraget Claus: was machstu für groszen zwirn. der seiler sprach: es ist kein zwirn, es sind schmitzen an die peitschen. Claus narr (1602) 32; so ward mit einmal an dem langen seile das boot und seine mannschaft im bogen rückwärts nach dem schiffe geschleudert, wie die schmitze einer peitsche wenn der fuhrmann einen zug thut. Göthe 28, 235.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 07.08.2013.

1821 – Links am Bassin standen die Fuhrherren …

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1821. Octbr. 29. K. Georg IV. zu Rotenkirchen.

Am nemlichen Tage (den 29. Oct.) war daselbst auch eine Deputation vom Harze angelanget und in den Dörfern Dörrigsen und Edemissen einquartirt worden. Diese bestand außer den Herren: Vice. Berghauptmann von Reden, dessen beyden kleinen Söhnen, (wie die übrigen in Uniform der Bergbeamten gekleidet,) Zehndtner Schwake und mehreren Andern, aus ungefähr 200 s.g. Hüttenleuten, eben so vielen eigentlichen Bergleuten und 50 Fuhrherren. Gegen 7 Uhr Abends versammelten sie sich im Fasanerie-Garten des Schlosses und zogen dann um 8 Uhr mit ihren Bergmusicis, vormals Bergsänger genannt, an der Spitze in den Park hinter dem Schlosse. – Alle Bergleute trugen ein schwarzes parchendnes Berghabit, eine weiße Weste, Kappe und ihr Schurzfell hinten; die Hüttenleute kurze weiße leinene Kittel und Kappen, nebst dem Schurzfell vorn; so wie die Uniform der höchsten und höhern Berg-Officianten aus schwarzen Fracks, ähnlichen Beinkleidern, weißen Westen und grünen Sammet-Kappen mit einem kleinen Schilde bestand. Außer ihren Geräthschaften, mit welchen sie täglich arbeiten, trugen die Bergleute noch ihre brennenden Grubenlichter und die Hüttenleute angezündete Fackeln in der Hand; so wie die Fuhrherren ihre Peitschen. Die höhern Berg-Officianten wurden bald darauf Sr. Königl. Majestät vorgestellt. Se. Königl. Majestät befanden Sich nebst Allerhöchstdero Durchlauchtigen Geschwistern und dem übrigen Personale Ihrer nächsten Umgebung in einem Saale des Schlosses, aus dessen Fenstern man den Park übersehen kann. Wie der Zug unter Musik daselbst angekommen war, theilten sich die Mitglieder desselben in mehrere Gruppen, von welchen die höhern Berg-Officianten – denen sich auch das hier aus der Umgegend versammelte Forstpersonale anschloß – mit den Bergmusicis unter die Fenster jenes Saales traten.

Diesem grade gegenüber, am jenseitigen Ufer des großen Bassins, welches nahe an das Schloß reicht, stellten sich die Hüttenleute mit ihren Fackeln in einer langen Reihe auf, und umzingelten auf diese Weise das ganze jenseitige Ufer des Teichs.
Von diesem Teiche rechts in dem Bosquet nahmen die Bergleute ihren Stand; welches durch die Beleuchtung mittelst der Grubenlichter einen magischen Anblick mit mannigfaltigen Schattirungen, durch die noch belaubten Bäume, gewährte.
Links am Bassin standen die Fuhrherren.

Nun spielten die Bergmusici mehrere Harz-Walzer, Märsche und begleiteten dann auf Befehl des H. General-Gouverneurs, wie Sich Se. Königl. Hoheit unter die Harzer begaben, mehrere von den Bergleuten im Harzdialekte gesungene und bey denselben beliebte Volkslieder. – Abwechselnd in den Pausen der Musik ertönte dann von den Bergleuten Sr. Königl. Maj. Ein Lebe hoch! Und von dem Forstpersonale ein Hoh ri do! – Diess Lebehoch wurde jedesmal von den Fuhrherren mit einem Klatschen ihrer Peitschen begleitet. – Dieses wurde mit einer solchen Fertigkeit und Schnelle ausgeführt, daß man es mit dem schnellsten ununterbrochenen Rasseln und Knistern vergleichen könnte; denn anders läßt es sich nicht beschreiben und mit dem gewöhnlichen Peitschen-Geklatsche oder Knallen der Fuhrleute hattes es gar keine Aehnlichkeit. – Auch gewöhrte das Schwenken der Fackeln, mit welchem die Hüttenleute das Lebehoch jedes Mal begleiteten, wegen Reflexion der Lichtstrahlen in dem Wasserspiegel, einen eigenen, aber unbeschreiblich schönen Anblick; zumal da die Träger dieser Fackeln solche nach einem regelmäßigen Tacte schwenkten, so, daß wenn Einer z.B. seine Fackel hob, sie sein Nebenmann senkte. Da nun dieses stets gegen das Bassin zu gerichtet war, so spiegelten sich die Flammen in dem Wasser und es verdoppelte sich auf diese Art scheinbar die Anzahl der Fackeln.
Während dieses geschah, verließen Se. Majestät niemals das offene Fenster und begrüßten die frohlockenden Harzer auf das leutseligste, welche „Ihrem guten Könige“ an diesem Abende folgendes Gedicht überreichten: „Die Bewohner des Harzes ihrem guten Könige.“
(Vom H. Amtsassessor Dr. Blumenhagen.)

„Auf jenen Höhen, die der Wald bekränzet,
Die rauhe Stürme vor der Zeit entlaubt,
Wo, selten von der Sonne Strahl beglänzet,
Dem Frühling seine Blüthen sind geraubt,
Wo spät der Winter, früh der Sommer endet,
Und kärglich nur der Herbst die Gaben spendet:

Da lebet, Deiner Väter Stamm ergeben,
Ein armes, treues Volk seit alter Zeit,
Das nimmer sich für Sold dahingegeben,
Das Blut und Kräfte seinem Fürsten weih’t,
Das, fest wie Felsen, welche es umragen,
Nicht wankt, wenn alle Andere verzagen …

(…)

Erhab’ner König! Wolle uns erhören,
Erhalt‘ uns Deiner Gnade Hoffnungs-Stern,
Dann wird kein Unfall unser Glück zerstören,
Dann bleibt das Leiden unsern Hütten fern.
Beschütze Deines Harzes alte Rechte,
Beschütze Deine Berge, Deine Schächte.

Und wolle bald in uns’rer Mitte weilen,
Du findest Herzen, redlich, treu und fest;
Der Harzer Schaar, die nimmer von Dir läßt,
Wird fröhlich jubelnd Dir entgegen eilen:
Vom Berg‘ herunter, aus der Kluft herauf,
Tön’t biedrer Bergmannss-Gruß:
Glück auf! Glück auf!

Die huldvolle Güte, womit Se. Maj. Dieses Gedicht entgegen zu nehmen geruhten, war diesen biedern Kindern des Harzwaldes ganz etwas unerwartetes, manchem Greise unter denselben entlockte sie Thränen. Ihr Enthusiasmus überstieg aber alle Gränzen nd jede Beschreibung, wie der überaus leutselige Monarch mit der früher erwähnten silbernen Bergkanne ans Fenster trat, Sich hinauslehnte und ausrief:
„Meine lieben Kinder, Glück auf!“
und dann auf ihr Wohl aus der Kanne trank. Ein einstimmiges Lebehoch! Und Glück auf! – welches aus dem Munde dieser Bergleute in ihrem Harzdialecte so treuherzig klingt im Ohre des ungewohnten Hörers, – und das Ho ri do! Des Forstpersonals erschallete, und erneuete sich unter dem Peitschen-Rasseln der Fuhrherren und dem beschriebenen Fackelschwingen unzählige Male bis gegen 11 Uhr sich die ganze Versammlung wieder in Bewegung setzte und unter dem Blasen eines muntern Jäger-Marsches zu den ihr angewiesenen Nachtquartieren heimzog. …

Heinrich Dittmer; Authentische und vollständige Beschreibung aller Feyerlichkeiten welche in dem Hannoverschen Lande bey der Anwesenheit Seiner Königl. Majestät Georgs des Vierten während dem Monate October 1821 veranstaltet worden sind. Verziert mit dem ähnlichen Portrait Sr. Königl. Majestät, Georg IV., und ein und zwanzig treuen Abbildungen. Nebst einer Zugabe: Rückblicke auf ähnliche Volksfeste der Hannoveraner im 18ten Jahrhunderte. Zusammengetragen und herausgegeben von Heinrich Dittmer, Med. Dr. und K. Hannöv. Pensionirtem Militair-Wundarzte. Hannover 1822, beym Herausgeber, S. 246ff.

wildblumenwiesen im oberharz: der ‚buntenbocker bergwiesenweg‘

Die Bergwiesen dienten den Oberharzer Fuhrherren zur Versorgung ihrer Pferde mit Heu. Jede Fuhrherren-Familie besaß einige Wiesen, die teilweise noch heute im Familienbesitz sind.