Museum für die Arbeit mit Zugpferden

Alles, was in der Vergangenheit* Mobilität ausmachte, begann ganz vorn mit einer großen weichen „Schnauze“!

*bis etwa 1900 dominierte die pferdebespannte Mobilität an Land in der Fläche eindeutig. Die Eisenbahnen ersetzten in erster Linie die Fernverbindungen – die Kraftfahrzeuge hatten noch keine nennenswerte Bedeutung.

HÖHLE: In dem Bergbaue ist die Höhle ein halb rund ausgehauener Baum, ein Trog von einem gewissen Maße, das Erz darin fortzuschaffen. Gemeiniglich hält eine solche Höhle 16 Centner, oder 34 Körbe, oder 8 Karren.

Art. „Höhle“ in: Johann Georg Krünitz; Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft:
http://www.kruenitz1.uni-trier.de/

Das Fahren des Eisensteins von den Gruben nach der Hütte geschieht theils ein- und theils zweyspännig; im ersteren Falle haben die Wagen zwey und im letzteren vier Räder. Das auf diesen Wagen oder Karren befindliche Behältniß, worin der Eisenstein geladen wird, ist hier, so wie auf den übrigen Hütten, ein länglich viereckiger Kasten, oder so genannte Höhle, die ihre bestimmten Maßen hat.
Für das einspännige Fuhrwerk ist sie im Lichten 5 Fuß lang, 1 Fuß 8 Zoll weit und 1 Fuß hoch; für das zweispännige so weit uns so hoch als diese, aber 10 Fuß lang: erster faßt also, wenn sie schlicht voll geladen wird, 8 1/3 und letztere 16 2/3 Cubikfuß Eisenstein.

Johann Georg Stünkel, Hüttenschreiber; Beschreibung der Eisenbergwerke und Eisenhütten am Harz, zum Gebrauch für reisende und zur Durchsicht für nichtreisende Freunde des Berg- und Hüttenwesens, Göttingen (Dieterich) 1803, S.157f.

Fuhrmannseid vom 6. August 1691

Ich schwöre einen Eid
zu Gott dem Allmächtigen,
daß ich das Gut, dass mir vom hiesigen
beeideten Reidemeister* zu fahren
aufgeladen wird,
für billigmäßige Belohnung dahin fahren,
treulich verwahren und redlich überliefern,
kein Gut verfahren oder irgend anderswo hinbringen
als mir aufgetragen ist,
was mir etwa an Geld und Wechseln
zurückzubringen gereicht wird,
aufrichtig und ohne einzige Hinterhaltung überreichen,
auch für mich selbst kein Gut reiden oder kaufen,
sondern mich in allem also betragen will
wie einem redlichen, aufrichtigen und
getreuen Fuhrmann gebührt.

* http://de.wikipedia.org/wiki/Reidemeister – Unternehmer in Produktion und Vertrieb metallgewerblicher Produkte.
s. auch: http://archive.org/stream/zeitschrift02elbegoog#page/n108/mode/1up

Ich schwöre einen Eid zu Gott,
dass ich das Gut,
das mir zu fahren aufgeladen wird,
für billigmässige Belohnung dahin fahren,
treulich verwahren und redlich überliefern will,
kein Stück verfahren oder irgend anderswo
hinbringen als mir aufgegeben ist,
was mir etwa an Geld und Wechseln
zurück zubringen gereicht wird,
aufrichtig und ohne einzige Hinterhaltung
überreichen und mich in allen so betragen will,
wie einem redlichen, aufrichtigen
und getreuem Fuhrmann gebührt.

Der schlichtere Wortlaut des Eides, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Spedition
u. Anton Heimes; Vom Saumpferd zur Transportindustrie, Bonn-Bad Godesberg (Kirschbaum) 1978, S. 34


Es wäre sehr gut, wenn eine jede Handelsstadt ihre gewisse Güterbestäter hielte, welche die Fuhrleute von langer Zeit her kenneten, und die guten von den schlechten zu unterscheiden wüßten; auch daß man auf Mittel bedacht wäre, wie es mit dem Fuhrwesen zu Lande etwas geschwinder, durch Anordnung frischer Pferde und Fuhrleute auf gewissen Oertern, Dörfern, mochte zugehen können. Ja, man sollte überhaupt nicht jedermann, der nur will, einen Fuhrmann abgeben laßen, sondern sichere Leute an denen Orten, wo diese Nahrung getrieben wird, aussuchen, solche verpflichten, ihnen ordentliche und öffentliche Certificate und Bestallungen geben, womit sie sich allenthalben legitimiren müßten; dagegen aber sollte verbothen seyn, andern, welche sich nicht auf diese Art legitimiren können, Waaren anzuvertrauen. Es fehlt aber an vielen Orten noch gar sehr an solchen guten Fuhrmannsordnungen. Nur von Frankreich und Holland kann ich nicht verhehlen, daß in diesen beyden Ländern durch vielerley Edicte, Arrêts, Placate und Resolutionen, rühmlichst dafür gesorget, und den Fuhrleuten auf das deutlichste vorgeschrieben worden, wie sich dieselben bey Auf= und Abladung, auch Verführung der ihnen anvertrauten Güter, zu verhalten haben, wie in Savary Dict. univ. de comm. bey den Rubriken: Chartier, Placard, Resolutions, Roulier, Routier, Voiturier und Voiturins, mit mehrerm zu ersehen ist.

Johann Georg Krünitz; Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft ist der Titel einer der umfangreichsten Enzyklopädien des deutschen Sprachraums. Das von J. G. Krünitz begründete Werk erschien 1773 bis 1858 in 242 Bänden und stellt eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftsgeschichtlichen Quellen für die Zeit des Wandels zur Industriegesellschaft dar.
http://www.kruenitz1.uni-trier.de/

ERZFUHRMANN, m. auriga aeris, der das erz in die schmelzhütte fährt.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 28.07.2013.

Flyer: Kulturdenkmal Oberharzer Wasserregal – Eine schematische Darstellung

ERZAUFBEREITUNG UND VERHÜTTUNG

Das Erz musste eine ganze Reihe von Stationen durchlaufen, bis das für die Münzprägung notwendige Silber gewonnen werden konnte. Und immer wieder wurde dabei die Wasserkraft gebraucht. War das Haufwerk im Schacht zu Tage getrieben, brachten die Harzer Fuhrherren es mit dem Erzkarren zum Pochwerk. Hier mussten als erstes Pochknaben am Klaubtisch die erzhaltigen Brocken vom tauben Gestein trennen. Der silberhaltige Bleiglanz war in dem ihn umgebenden Steinmaterial in einem Anteil von oft weniger als 1 Prozent enthalten. Um ihn herauslösen zu können, wurden die Brocken unter den Pochstempeln bis zur Sandkorn- größe zerkleinert …

1623 – Buntenbock gibt´s nicht zum Frühstück …

Safe_camp_comanche

Wagenburg: Traders on Santa Fe Trail at Camp Comanche, Oklahoma, from Josiah Gregg, Commerce of the Prairies, 1844 – Unbekannter Künstler – USA, EU gemeinfrei.

„Die Erfahrung lehrte noch in demselben 1623ten Jahre, daß der Feind auch keine rauhe Gebirge scheute.
Man erfuhr zu Clausthal, daß ein feindlicher Partheigänger, Namens Hillefeld, welcher sich mit seinem bei sich habenden ohngefähr 50 Reutern von der bei Nordheim liegenden Kriegesmacht Herzogs Christians von Braunschweig abgeschlagen haben solle, in vollem Anzug sey.
Was war da, bei einer allgemeinen Bestürzung, zu thun? Auf Verhauung der Herrstraßen dachte man entweder nicht, oder man hielte es zu umständlich und gefährlich.
Die Furcht machte die Zeit zur Ueberlegung immer kürzer, und bestunden die in der Eile verfügte Anstalten darin, daß an den Zugängen und offenen Oertern der Bergstadt Hagens aufgeworfen wurden, hinter welchen sich die Schützen mit ihren Gewehren verbergen mußten, um den Feind so viel möglich abzuhalten, wenn man mit demselben auf eine gütliche Art nicht würde übereinkommen können.

Gedachter Hillefeld hatte sich aber zuerst nach dem Harzflecken Buntenbock gewendet, in Meinung, solchen Ort gleich zu überrumpeln, und ein Morgenbrod daraus zu machen.
Allein man sehe die Kriegslist, welche, den Buntenböckern zum Ruhm, verewigt zu werden verdient.
Ihr gedachter Wohnungsort war, und ist noch, als die Bergstädte selbst sind, allenthalben frei und offen; und darum brachten sie, weil sie sich durchgängig vom Fuhrwerk nähren, so bald sie nur von dieses Feindes Annäherung Kundschaft erhalten hatten, in möglicher Geschwindigkeit alle ihre vielen Karren und Wagen ausserhalb zusammen, und schlossen, durch Ineinanderschränkung derselben, ganz um den Buntenbock herum eine solche Wagenburg, als zu Abwendung eines feindlichen Ueberfalls immer dienlich seyn konnte.

Von der auswendigen komme ich zu der innern Veranstaltung. Ich muss aber bemerken, daß ich für die zu meldenden Umstände nicht bürge, weil ich einer alten Nachricht folge, von welcher der Verfasser unbekannt ist, und selbst gestanden hat, daß er solches aus der Erzählung seiner Voreltern niedergeschrieben habe. (…)

Unter diesen Leuten war ein gewaltiger Schütze, welchen man damals insgemein nur Curd nannte. Sein Haus lag unten im Buntenbock fast ganz am Ende. Ein kleines Fenster am Giebel diente ihm zur bequemen Aussicht.
Er besaß verschiedene Stücke vom Schießgewehr. Diese lud er alle, und legte sie auf einen Tisch in Bereitschaft; Zugleich aber gab er seiner Tochter die Anweisung, wie sie, so bald er ein Rohr losgefeuert haben würde, dasselbe gleich wieder zu laden, und auf dem Tische ihm vorlegen sollte.
Fast gleiche Anstalt wurde derozeit auch von einem andern, Namens Bastell Hille, gemacht; Und hatte sich sonst noch ein jeder auf gute Wehrmittel geschickt, womit größtentheils hinter der Wagenburg wohl aufgepaßt wurde.

Nach Verlauf einiger Zeit kam Hillefeld angezogen, und machte an dem Orte, wo Curd sein Haus stund, den ersten Angriff; Es verdroß ihm aber heftig, daß er seinen Anschlag verrathen, und für seine Reuterei den Eingang so sorgfältig versperrt sahe.
Mittlerweile ließ der tapfere Curd seines Theils nicht ermangeln, daß er auf vorgemeldete Weise unaufhörlich aus seinem Fenster auf die Feinde Feuer gab, und auch ihrer etliche damit in jene Welt schickte.
Aus diesem unerwarteten, und da nur aus einem Hause so starke Gegenwehr geschahe, machte sich Hillefeld von den andern Häusern gleiche Vorstellung, und folglich sehr ungünstige Schlüssse auf sein dermaliges Schicksal. Deswegen er sich bald wieder zurückzog, und seinen Weg nach Clausthal verfolgte…“

Rudolph Leopold Honemann; Die Alterthümer des Harzes. Aus Zeugnissen bewährter Schriftsteller, größtentheils aber aus ungedruckten Urkunden zusammen getragen, Dritter Theil, Clausthal (Wendeborn) 1828, S. 81ff.

s. auch: http://www.30jaehrigerkrieg.de/hillefeld-hillefeldt-hillefelth-n/

FUHRMANNSSPRACHE, f. die aus zurufen an die zugthiere bestehende sprache. so benennt Logau 1, 125, 26 fuhrmanssprache
hotte, stoh,
tschwuid und o!

dann eine derbe grobe sprache, wie sie die fuhrleute reden: vive la langue françoise! ich weis nicht, es klingt im deutschen alles so hölzern. man kann in dieser wendischen sprache gar keinen charmanten gedanken anbringen. serieusement, wenn ich ein groszer herr in Deutschland wäre, so dürfte kein mensch deutsch reden, als die fuhrleute. die deutsche sprache ist zur fuhrmannssprache gebohren. Gellert lustspiele 294. endlich auch eine rede voll derber flüche.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 25.07.2013.

Reger Betrieb auf Harzer Straßen

„Die entlegenen Bergstädte (scil. des Oberharzes) waren Konsumzentren, die weitgehend vom Umland alimentiert werden mussten. Zur Versorgung der zahlreichen Einwohner wurde Getreide aus den agrarischen Überschussgebieten um Nordhausen und Halberstadt, Hildesheim, Hannover und Braunschweig, bei schlechten Ernten auch über große Distanzen, etwa aus Hamburg, herangeschafft. (…) Die Versorgung der Bergstädte und auch des Bergbaus erforderte hohe Transportleistungen und ein gutes Straßen- und Wegenetz. (…)

Die Transporte für den Bergwerks- und Hüttenbetrieb lagen überwiegend in den Händen von Harzer Fuhrleuten, während externe Zufuhren, insbesondere von Nahrungsmitteln, wesentlich von Bauern und Fuhrleuten des Umlands oder sogenannten Fruchttreibern durchgeführt wurden. Auf den Hauptstrecken herrschte also ein reger Betrieb an Fuhrwerken. Zudem bestimmten kleine Gruppen von Lastträgerinnen, die sogenannten Kiepenfrauen, sowie Karawanen von Maultieren, die speziell zum Getreidetransport aus den Harzkornmagazinen eingesetzt wurden, das Bild. Unter ’normalen‘ Bedingungen benötigten Fuhrwerke für die gut 10 Kilometer lange Wegstrecke von Osterode hinauf nach Clausthal bis zu drei Stunden, von Goslar (19 km) fast vier und von Clausthal nach St. Andreasberg mindestens vier (22 km) Stunden. Boten und Lastenträger brauchten auf den Steigungsstrecken kaum länger. Im Personenverkehr, dem Omnibus, kam derjenige, der es sich leisten konnte, etwas schneller voran. Die höchst beschwerlichen Fußmärsche gehörten für viele Harzer noch weit bis ins Eisenbahnzeitalter zum Alltag.“
Bild

Johannes Laufer; Lebenswelten und Lebenswege in den Oberharzer Bergstädten, Alltag und soziale Verhältnisse des Bergvolks im 19. Jahrhundert, Hannover (Hahn’sche Buchhandlung) 2010, S. 61ff.
http://www.hahnsche-buchhandlung.de/