Der schneeweiße Leinwandkittel des Fuhrherrn

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„Von den alten Volkstrachten hat sich in den Harzlanden wenig erhalten. Die kleidsame Tracht des Bergmanns – grüner Schachthut ohne Rand, schwarzer Leinwandkittel mit Puffen, blankes Hinterleder mit Messingschloß und schwarzen Beinkleidern .. – sieht man fast nur noch an bergmännischen Festen und bei Beerdigungen, sie ist zur bloßen Uniform geworden; den blauen Leinwandkittel des Bauern hat vielerorts bereits ein langer Rock von unbestimmter grauer oder brauner Farbe verdrängt, nur der Fuhrmann, besonders auch der oberharzische, trägt ihn noch – wie die früher allgemein üblichen Gamaschen – regelmäßig als Arbeitsgewand; aber der schneeweiße Leinwandkittel des Fuhrherrn (Abb. 13) zu dem gelbe Gamaschen und hoher schwarzer Seidenhut gehörten, ist seit einigen Jahren völlig verschwunden. – und auch die Frauentracht fügt sich, wenn auch mit einiger Verspätung, mehr und mehr der Mode. Den mit breiten farbigen Samtstreifen mehrfach umsäumten Rock und die schwarze, mit Band und Spitze verzierte Mütze sieht man nur noch bei der älteren Generation, und auch bei dieser nur ganz vereinzelt das kleine tütenförmige Mützchen mit den breiten, fast bis auf die Fersen herabhängenden Seidenbändern, wie es z.B. die Bäuerinnen im Ambergau noch vor wenigen Jahrzehnten allgemein trugen. Aber die „Landgängerinnen“ des Oberharzes kennzeichnet noch ausnahmslos der buntgeblümte, die mit Butter und Eiern gefüllte „Kiepe“ vor neugierigen Blicken schützende, langkragige Kattunmantel …“

Friedrich Günther, Der Harz, 1910, S. 44 – Nachdruck: Paderborn (Salzwasser Verlag ) 2012,
ISBN 978-3-86444-246-9. http://www.salzwasserverlag.de

Harzer Chronologie

„Man zählt in diesem 1867. Jahre nach Christus:

  • Vom Anfange der Welt nach der Byzantinischen Aera  7376 Jahre
  • Nach der Julianischen Periode 6580 
  • Nach Calvisius 5816
  • Von der Sündflut Noah 4159
  • Von Erbauung Roms (753 vor Christus) 2620
  • Von Karls des Großen Stiftung des Deutschen Reichs 1067
  • Von Entdeckung der Erze im Rammelsberg (unter Otto I. 963) 904
  • Von Erfindung der Buchdruckerkunst (1440) 427
  • Von der Entdeckung Amerikas 375
  • Von der Reformation durch Luther 350
  • Von der Uebergabe der Augsb. Confession 337
  • Von Gelangung des Hauses Braunschweig auf den Englischen Thron 153
  • Von der Uebergabe des ehemaligen Communionharzes an Hannover 76
  • Vom Durchschlag des tiefen Georgstollens 67
  • Vom Durchschlag des Ernst-August-Stollens 3″

Allgemeiner Harz-Berg-Kalender auf das Jahr 1867. Clausthal (Verlag Ed. Pieper’s Buchhandlung) 1866, S. 2.

Buntenbock; 1/2 St. v. Clausthal liegt dieser Bergflecken von 40 H., dessen Einw. (550) meistens Köhler und Fuhrleute sind, und Viehzucht treiben, und dessen einzige Merkwürdigkeit die seyn mögte, daß es keine Sperlinge daselbst giebt.

Kaspar Friedrich Gottschalck, Taschenbuch für Reisende in den Harz, 3. verbesserte Aufl. mit einer Karte, Magdeburg (Verlag Wilhelm Heinrichshofen) 1823, S. 126.

corruit in curru suo

Wenzel Hollar (1607 - 1677) - Quelle: Artwork from University of Toronto Wenceslaus Hollar Digital Collection

Wenzel Hollar (1607 – 1677) – nach Vorlage von Hans Holbein d. J., Totentanz (1526).
Bild-Quelle: Artwork from University of Toronto Wenceslaus Hollar Digital Collection.

„…a waggoner’s frock, velveteen breeches, and leather leggings …“

„Persuaded, in part, by these representations, but overborne in a much greater degree by his fear of Fagin, Mr. Bolter at length consented, with a very bad grace, to undertake the expedition. By Fagin’s directions, he immediately substituted for his own attire, a waggoner’s frock, velveteen breeches, and leather leggings: all of which articles the Jew had at hand. He was likewise furnished with a felt hat, well garnished with turnpike tickets; and a carter’s whip. Thus equipped, he was to saunter into the office, as some country fellow frown Covent Garden market might be supposed to do for the gratification of his curiosity; and as he was as awkward, ungainly, and raw-boned a fellow as need be, Mr. Fagin had no fear but that he would look the part to perfection …“

Charles Dickens, Oliver Twist, Chapter 43,
http://www.online-literature.com/dickens/olivertwist/44/

Fuhrleute – Aufwartung

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Aufwartung beim Bergfeste zu Clausthal. Ansicht mit Teilansicht der Stadt. – Holzstich nach Geißler, aus dem Jahr 1864. Graphik: Alte Stadtansichten Deutschland –

„Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet …“

„Die Bergfuhrleute tragen wahrend ihren Arbeiten lange bis unter die Kniee gehende, weiße, linnene Kittel oder Pufjacken, und haben sonst nichts auszeichnendes in ihrer Kleidung. Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet, aber bey Feierlichkeiten haben sie lange, weiße Kittel an, und machen ihre Aufwartung mit Peitschenknallen, worin sie, in Absicht des Takts und der Stärke, alle andere Fuhrleute bey weitem übertreffen.“

Sven Rinmann’s König. Schwedischen Bergraths und Ritters des Wasa-Ordens allgemeines Bergwerkslexikon. Nach dem Schwedischen Original bearbeitet und nach dem neuesten Entdeckungen vermehrt von elner Gesellschaft deutscher Gelehrten und Mineralogen. Erster Theil. enthält A bis Berg. Mit Kupfern. Leipzig 1808.  bey Fr. Chr. W. Vogel, S. 634.

Hohe Kornpreise

„In den beiden letzteren Jahren ist wegen der hohen Kornpreise der Verkauf sehr bedeutend gewesen, indem er im J. 1829, 14387 Malter, im J. 1830, 11964 Malter betragen hat. Diese Einrichtung wirkt nicht allein direct vortheilhaft auf den Unterhalt der Berg- und Hüttenleute, sondern auch im Allgemeinen indirect auf die Erniedrigung der Kornpreise. Die bei den Eisensteinsgruben und Eisenhütten angelegten Arbeiter, so wie die Wald- und Wegearbeiter erhalten kein Magazinkorn, sondern Statt dessen eine verhältnißmäßige Geldentschädigung (sogenannte Brodzulage) wenn der Preis eines Himtens Rocken 1 Thaler und darüber betragt. Eine andere bedeutende Hülfe bei der Anschaffung der aus dem Lande zu beziehenden Früchte, besteht in der sogenannten Haferzulage, einer verhältnißmäßigen Entschädigung, welche die Bergfuhrleute empfangen, wenn der Preis des Himten Hafers über 12 Mariengroschen steigt; wobei angenommen wird, daß ein Pferd 5 Himten Hafer wöchentlich bedarf; welche Unterstützung um so billiger erscheinen muß, da die durch die Steilheit der Berge verursachten , schweren Transporte, sehr starke Pferde und große Kraftanstrengung derselben erfordern.“

Über den gegenwärtigen Zustand und die Wichtigkeit des Hannoverschen Harzes. Von Dr. I. Fr. L. Hausmann, Königlich Großbritannisch – Hannoverschem Hofrathe und ordentlichem Professor an der G. A. Universität zu Göttinnen, Ritter des Königlichen Guelphen- Ordens, der Königlichen Societat der Wissenschaften zu Gittingen und anderer gelehrten Gesellschaften Mitglied«. H. Mit sechzehn Anlagen. Gö t t i n g e n , in der Dieterichschen Buchhandlung 1832, S. 81.

1674 – 24. März – Edict, daß die Fuhrleute und jedermann die rechte Heerstraße gebrauchen, und aller Um- und Nebenwege sich enthalten sollen ; und wie allen Unterschleiffen wegen der Verzollung vorzukommen.

1698 – Herzog Georg Wilhelm‘ allgemeines Edict, daß die Fuhrleute und Postknechte »sich der Nebenwege über Acker – und Wiesen enthalten, u. dergleichen nicht machen sollen.

1716 – 28. December – Wegen der Betriegereyen der Berg-Fuhrleute/

(an anderer Stelle bezeichnet: „1716 – 28. Dezember. – N. XXXVII. Edictum, welchergestalt die Betrügereyen der Berg-Fuhrleute zu bestrafen vom 28. Decembr. 1716.“)

1727 – 12. May – N. CLXIX. Patent, daß die Fuhrleute welche Zollbahre Waaren geladen, so von Haarburg nach, Celle, Hannover, und Hildesheim, oder von dannen nach Haarburg gehen, präcise auf die Zoll-Städte zu Witzendorff; welche aber von Haarburg nach Westphalen, oder aus Westphalen und der Orten nach Haarburg gehen, präcise auf den Zoll zu Soltau zufahren sollen, vom 12. May 1727. p.446.

1740 – 17. Verordnung vom 12. März 1740, gegen diejenigen, so die Göttinger Stadtforsten bestehlen und verwüsten. Georg der Andere u. z
Würde auch jemand von denen beendigten Forst-Bedienten, wider Verhoffen, sich unterstehen, mit denen Fuhrleuten, Handwerkern, Invaliden, Unterthanen, oder sonsten jemand, cs sey wegen Deichseln, Karren- und Leiter -Bäume, oder allerley Nutz- Brenn- und andern Holtzes, es bestehe worin es. wolle, Unterschleiff zu treiben, nnd selbigen gefliessentlich durch die Finger zu sehen, mithin nicht nur eines Diebstahls, sondern auch des Mayn- Eydes sich schuldig machen, derselbige soll neben Entsetzung seines Dienstes mit dem Karrenschieben auf ein, und dem Befinden nach mehr Monathe unabbittlich bestrafft werden

Verordnung «l. 6. Ratzeburg den 6. März 1746, über die Hornvieh seuche. Georg der Andere «. «.

 

Quelle: Sammlung der Verordnungen und Ausschreiben, welche für sämmtliche Provinzen des Hannoverschen Staates etc. Mit Genehmigung des Königs. Cabinets-Ministerii herausgegeben von Ernst Spangenberg Dr. beider Rechte und Königl. Großbritannisch – Hannoverschem Hofe und in der Justiz Canzley zu Zelle. l E r st e r T h e i l, die Jahre 1740 bis 1769 enthalten Hannover, in der Hahnschen Hof.Buchhandlung 1819.

… biß an den Hartzwald“

„Wir lagen an der Weser/ dort um Hammeln / als ich meinen Cammerathen überredet / daß er mir seine Musquete/ auff die Mauserey verliehe / und so lang meine Piqué trug / biß ich wieder käme / und eine Beut mitbrächte ; es glückte mir auch / dann unserer dreh / darunter ein L.andskind war / der alle Weg und Winckel wol wuste / erkundigten einen Güter-Wagen /  von Bremen nach Cassel zu gehen willens / und nur einen einzigen Hessischen Musquetirer zur Convoy bey sich hatte , demselben giengen wir zugefallen / allerdings biß an den Hartzwald / und da er an den Ort kam / wohin wir ihn gewünscht / schössen wir gleich im Angriff den Musquetirer/ den Fuhrmann und den Knecht nieder / weil jeder seinen Mann gewiß vor sich genommen ; spanten hernach 6 schöne Pferde aus / und öffneten in der Eil von Ballen und Fässern / was wir Konten / worinnen es viel Seiden-Wahr und Englisch Tuch setzte / das allerbäste aber vor uns / stack in einem Fäßlein voller Karten / nemlich ungefehr bey 1200. Reichsthalern / welches ich zwar fande / aber mit meinen Cammerathen treulich theilete; wir sprachen den Pferden gleichsam über ihr Vermögen zu / und indem wir in kurtzer Zeit einen langen Weg hinder sich legten / entronnen wir aller Gefahr / und langten eben beiden Unsrigen an/ als Pappenheim sich fertiggemacht / den Bannier vor Magdeburg hinweg zu schlagen.“

aus: Des possirlichen / weit und breit bekannten Simplicissimi sinnreicher und nachdenklicher Schrifften Zweiten Theils Erstes Buch / von dem seltsamen Springinsfeld / oder Dessen kurzweiligen / Lust-erweckenden / und recht lächerlichen Lebens-Beschreibung / Als eines weiland frischen / wohlversuchten und tapfern Soldaten. Und nachmahlen ausgemärgelten abgelebten / doch dabey sehr verschlagenen Landstürtzers und Bettlers / nach Simplicianischer Anordnung Erstesmal verabfasset 1670. anjetzo aber wieder neu / und drittenmal verbässert / vermehret und aufgelegt von Philarcho Grosso, von Trommenheim im Jahr 1685, S. 61.
(Quelle: play.google.com/books)
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