Alte Fuhrherrenstraße (1972) – Die Alte Fuhrherrenstraße im Ortsteil Buntenbock führt vom Mittelweg am ehemaligen „Platz“ in Richtung auf die „Chaussee“, die Bundesstraße von Goslar nach Osterode.
Der frühere Name Hüttenweg mußte 1972 bei der Zusammenlegung mit der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld geändert werden, weil es in Clausthal-Zellerfeld bereits zwei Straßen ähnlichen Namens gab.
Den Namen Alte Fuhrherrenstraße wählte man, um die Erinnerung an das alte Fuhrherrendorf Buntenbock wachzuhalten. Von 1700 bis 1850 war die Blütezeit des Fuhrwesens in Buntenbock. Seite etwa 1750 traten „Fuhrherren“ auf. Die Fuhrherren fühlten sich als ein besonderer Stand. Selbst der König mußte ihren Erzwagen ausweichen, so wird berichtet. Was mit der schweren Last zusammenhing.
Allein im Transportwesen des Eisensteinbergbaus sind um 1800 etwa 560 Pferde mit 280 Fuhrleuten beschäftigt gewesen. Die Fuhrleute wohnten vor allem im Mittelteil des Ortes, der sich fast in einem Halbkreis um die beiden Junkernhöfe legte. Neben der Schmiede, die noch heute an dem alten Fahrweg liegt, sind auch die Gasthöfe, die zur Einkehr und zum Ausspann für Fuhrleute dienten, eine Erinnerung an die „goldene Zeit“ des Fuhrwesens und Buntenbocks.

Die Straßen in Clausthal – Zellerfeld – Buntenbock früher und heute: Namen – Bilder – Erl./ hrsg. von d. Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Zagest. von Friedrich Seidel, Clausthal-Zellerfeld (Pieper) 1983, S. 42.

corruit in curru suo

Wenzel Hollar (1607 - 1677) - Quelle: Artwork from University of Toronto Wenceslaus Hollar Digital Collection

Wenzel Hollar (1607 – 1677) – nach Vorlage von Hans Holbein d. J., Totentanz (1526).
Bild-Quelle: Artwork from University of Toronto Wenceslaus Hollar Digital Collection.

Fuhrleute – Aufwartung

img118-WebFuhrleute - Aufwartung

Aufwartung beim Bergfeste zu Clausthal. Ansicht mit Teilansicht der Stadt. – Holzstich nach Geißler, aus dem Jahr 1864. Graphik: Alte Stadtansichten Deutschland –

„Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet …“

„Die Bergfuhrleute tragen wahrend ihren Arbeiten lange bis unter die Kniee gehende, weiße, linnene Kittel oder Pufjacken, und haben sonst nichts auszeichnendes in ihrer Kleidung. Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet, aber bey Feierlichkeiten haben sie lange, weiße Kittel an, und machen ihre Aufwartung mit Peitschenknallen, worin sie, in Absicht des Takts und der Stärke, alle andere Fuhrleute bey weitem übertreffen.“

Sven Rinmann’s König. Schwedischen Bergraths und Ritters des Wasa-Ordens allgemeines Bergwerkslexikon. Nach dem Schwedischen Original bearbeitet und nach dem neuesten Entdeckungen vermehrt von elner Gesellschaft deutscher Gelehrten und Mineralogen. Erster Theil. enthält A bis Berg. Mit Kupfern. Leipzig 1808.  bey Fr. Chr. W. Vogel, S. 634.

1674 – 24. März – Edict, daß die Fuhrleute und jedermann die rechte Heerstraße gebrauchen, und aller Um- und Nebenwege sich enthalten sollen ; und wie allen Unterschleiffen wegen der Verzollung vorzukommen.

1698 – Herzog Georg Wilhelm‘ allgemeines Edict, daß die Fuhrleute und Postknechte »sich der Nebenwege über Acker – und Wiesen enthalten, u. dergleichen nicht machen sollen.

1716 – 28. December – Wegen der Betriegereyen der Berg-Fuhrleute/

(an anderer Stelle bezeichnet: „1716 – 28. Dezember. – N. XXXVII. Edictum, welchergestalt die Betrügereyen der Berg-Fuhrleute zu bestrafen vom 28. Decembr. 1716.“)

1727 – 12. May – N. CLXIX. Patent, daß die Fuhrleute welche Zollbahre Waaren geladen, so von Haarburg nach, Celle, Hannover, und Hildesheim, oder von dannen nach Haarburg gehen, präcise auf die Zoll-Städte zu Witzendorff; welche aber von Haarburg nach Westphalen, oder aus Westphalen und der Orten nach Haarburg gehen, präcise auf den Zoll zu Soltau zufahren sollen, vom 12. May 1727. p.446.

1740 – 17. Verordnung vom 12. März 1740, gegen diejenigen, so die Göttinger Stadtforsten bestehlen und verwüsten. Georg der Andere u. z
Würde auch jemand von denen beendigten Forst-Bedienten, wider Verhoffen, sich unterstehen, mit denen Fuhrleuten, Handwerkern, Invaliden, Unterthanen, oder sonsten jemand, cs sey wegen Deichseln, Karren- und Leiter -Bäume, oder allerley Nutz- Brenn- und andern Holtzes, es bestehe worin es. wolle, Unterschleiff zu treiben, nnd selbigen gefliessentlich durch die Finger zu sehen, mithin nicht nur eines Diebstahls, sondern auch des Mayn- Eydes sich schuldig machen, derselbige soll neben Entsetzung seines Dienstes mit dem Karrenschieben auf ein, und dem Befinden nach mehr Monathe unabbittlich bestrafft werden

Verordnung «l. 6. Ratzeburg den 6. März 1746, über die Hornvieh seuche. Georg der Andere «. «.

 

Quelle: Sammlung der Verordnungen und Ausschreiben, welche für sämmtliche Provinzen des Hannoverschen Staates etc. Mit Genehmigung des Königs. Cabinets-Ministerii herausgegeben von Ernst Spangenberg Dr. beider Rechte und Königl. Großbritannisch – Hannoverschem Hofe und in der Justiz Canzley zu Zelle. l E r st e r T h e i l, die Jahre 1740 bis 1769 enthalten Hannover, in der Hahnschen Hof.Buchhandlung 1819.

… biß an den Hartzwald“

„Wir lagen an der Weser/ dort um Hammeln / als ich meinen Cammerathen überredet / daß er mir seine Musquete/ auff die Mauserey verliehe / und so lang meine Piqué trug / biß ich wieder käme / und eine Beut mitbrächte ; es glückte mir auch / dann unserer dreh / darunter ein L.andskind war / der alle Weg und Winckel wol wuste / erkundigten einen Güter-Wagen /  von Bremen nach Cassel zu gehen willens / und nur einen einzigen Hessischen Musquetirer zur Convoy bey sich hatte , demselben giengen wir zugefallen / allerdings biß an den Hartzwald / und da er an den Ort kam / wohin wir ihn gewünscht / schössen wir gleich im Angriff den Musquetirer/ den Fuhrmann und den Knecht nieder / weil jeder seinen Mann gewiß vor sich genommen ; spanten hernach 6 schöne Pferde aus / und öffneten in der Eil von Ballen und Fässern / was wir Konten / worinnen es viel Seiden-Wahr und Englisch Tuch setzte / das allerbäste aber vor uns / stack in einem Fäßlein voller Karten / nemlich ungefehr bey 1200. Reichsthalern / welches ich zwar fande / aber mit meinen Cammerathen treulich theilete; wir sprachen den Pferden gleichsam über ihr Vermögen zu / und indem wir in kurtzer Zeit einen langen Weg hinder sich legten / entronnen wir aller Gefahr / und langten eben beiden Unsrigen an/ als Pappenheim sich fertiggemacht / den Bannier vor Magdeburg hinweg zu schlagen.“

aus: Des possirlichen / weit und breit bekannten Simplicissimi sinnreicher und nachdenklicher Schrifften Zweiten Theils Erstes Buch / von dem seltsamen Springinsfeld / oder Dessen kurzweiligen / Lust-erweckenden / und recht lächerlichen Lebens-Beschreibung / Als eines weiland frischen / wohlversuchten und tapfern Soldaten. Und nachmahlen ausgemärgelten abgelebten / doch dabey sehr verschlagenen Landstürtzers und Bettlers / nach Simplicianischer Anordnung Erstesmal verabfasset 1670. anjetzo aber wieder neu / und drittenmal verbässert / vermehret und aufgelegt von Philarcho Grosso, von Trommenheim im Jahr 1685, S. 61.
(Quelle: play.google.com/books)
Bild

Der Fuhrmann

Der Fuhrmann
denckt an die Himmels-Stadt wann ihr seid müd und matt.

Ich bin mit meinem Gott zufrieden.
Er lad‘ auff  Last, ich halte still.
Er führe welchen Weg Er will,
die Liebe bleibt doch ungeschieden.
Ich weiß, der Führer meiner Zeit
führt zu der sanfften Ewigkeit.

Text: Abraham a Sancta Clara
Abbildung: Christoph Weigel Quelle: Deutsche FotothekBild

„Etwas für alle, das ist: eine kurtze Beschreibung allerley Stands- Ambts- und Gewerbs-Persohnen, mit beygeruckter sittlichen Lehre und biblischen Concepten, durch welche der fromme mit gebührendem Lob hervor gestrichen, der tadelhaffte aber mit einer mässigen Ermahnung nicht verschont wird; allen und jeden heilsamb und leitsamb, auch so gar night ohndienlich denen Predigern, verfertiget durch P. Abraham à S. Clara …Verlegt, und mit Kupfern vermengt durch Christoph Weigel in Nürnberg, auch in Wien zu finden bey Johann Carl Hueber … Würtzburg, Gedruckt bey H. Hertzen, 1699.“

Festumzug mit Pferdefuhrwerk

Festumzug mit Pferdefuhrwerk (Hille) zum 200jährigen Bestehen der Buntenböcker Schützengesellschaf, im Hintergrund die geschmückte Pension Höhlein. August 1958. Foto: Gerd Dasenbrook

Festumzug mit Pferdefuhrwerk (Hille) zum 200jährigen Bestehen der Buntenböcker Schützengesellschaft, im
Hintergrund die geschmückte Pension Höhlein | August 1958 | Foto: Gerd Dasenbrook

Aufwartung

Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

„Wie dergestalt die Arbeit – was sie sollte – Zweck und nicht Mittel des Lebens wird und alle menschlichen Beziehungen regelt, so ergeben sich aus ihr auch allerlei Sitten, Rechte und Gewohnheiten, Feste und Freuden. Etwa war früher, zu hannoverschen Zeiten, wo öfters der König oder ein Anverwandter des „höchsten Bergherrn“ auf den Harz kam, die „Aufwartung“ eine besondere Freude der Berg- und Waldleute.
Zu Ehren des Besuches formierte sich am Abend ein Zug der gesamten Belegschaften, jede Art von Arbeitern in ihrer bestimmten Tracht: die Bergleute im schwarzen Leinwandkittel, Hinterleder und Grubenlicht; vor ihnen die Beamten in der Puffjacke mit dem Häckel in der Hand; die Hüttenleute in grossen Lederschürzen mit langen Fackeln; die Fuhrherrn im blauen Kittel, breitkrempigen schwarzen Hut, manchesternen Kniehosen und langen Gamaschen, die lange Peitsche in der Hand; mit diesen Peitschen knallten sie kunstreich, wenn sie vor dem Balkon des Amtshauses vorbeizogen, wobei Anfang und Ende des Knallkonzerts ihnen durch ein Licht von einem bestimmten Dachfenster aus angegeben wurde;
da trugen dann die Köhler schneeweisse Kittel und weisse Leinwandgamaschen, aber Gesicht und Hände liessen sie so schwarz, wie sie bei der Arbeit waren, ja, machten sie wohl noch schwärzer in Stolz auf ihren Stand.
Heute findet eine Aufwartung noch statt, wenn der Minister kommt; aber wenigstens die Berg- und Hüttenleute ziehen heute alle zwei Jahre zum Knappschaftsfest in ihrer alten Tracht auf.“

Paul Ernst; Der Harz, mit acht Vollbildern, Reihe Städte und Landschaften, hg. von Leo Greiner, Stuttgart (Carl Krabbe Verlag, Erich Gussmann) o.J. (1900?), S. 110f.

Rasen sticht Hafer – Rebellion der Bergfuhrleute 1674

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Abbildung: Avena Sativa L. – Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885) – http://www.BioLib.de

Man erlaubte sich bisher die so geringen Schichtlöhne, wahrscheinlich, weil den Bergleuten alle anderen Art ihr Brod zu erwerben abgeschnitten ist, indem bekanntlich theils der Boden um Clausthal und Zellerfeld so unfruchtbar ist, daß nicht das geringste weder an Getraide noch Obst erbauet werden kann, theils auch, weil es geflissentlich verhindert wird, Ackerbau in dieser Gegend aufzubringen, um das Auskaufen von Stücken Feld zum Behuf des Bergbaues, das Rasenstechen und dergleichen nicht zu erschweren und zu vertheuren.*

*) Ohngefähr zur Zeit des dreyßigjährigen Krieges wurden in einer Gegend vom Burgstädter Zuge herauf, die noch gegenwärtig am Haferberge heißt einige Wiesen zu Ackerland gemacht und mit Hafer besäet; allein dieser Ackerbau wurde bald nachher scharf verboten; und da im Jahre 1653 abermals einige Leute Hafer ausgesäet hatten, dieses Verbot vom Bergamte am 6. Aug. dergestalt erneuert, daß niemand den bey Clausthal gewachsenen Hafer bey 50 Thlr Strafe in die Bergstadt bringen und jeder sich des Hafersäens künftig ganz enthalten solle. Da ferner 1673 zur Auftragung einiger Teichdämme die dazu nöthigen Rasen von den nächsten Wiesen abgestochen wurden, und einige Bergfuhrleute, als Eigenthümer solcher Wiesen, um dieser Verderbung ihrer Wiesen vorzubeugen, dieselben umpflügen und des Verbots ungeachtet mit Hafer besäen ließen, so wurde am 16. März 1674 abermals von Bergamts wegen ein Verbot öffentlich angeschlagen, vermöge dessen, besonders den Bergfuhrleuten angedeutet wurde, alle Pflüge binnen 14 Tagen abzuschaffen, oder zu gewärtigen, daß ihnen so wie andern Leuten dieselben vom Oberbergmeister weggenommen werden müssen. S. Gatterer vom Ackerbau der Harzer a.a. O. Th. IV. §. 153.154. S. 120.121.

Daher ist in dieser öden traurigen Gegend der Grubenbau das einzige Mittel für die Bergleute, ihr Leben zu fristen, ob ihnen gleich dies durch die drückendste Armuth erschwert genug werden muss.

Johann Carl Freiesleben, Bemerkungen über den Harz, Erster Theil. Bergmännische Bemerkungen über den merkwürdigsten Theil des Harzes, Leipzig (Schäfersche Buchhandlung) 1795, S.71f.