Der letzte Fuhrherr

Der letzte Fuhrherr

Heinrich August Wilhelm Christian Bormann, genannt Christian, geb. 1858, vor dem Bormann-Haus am Brink in Buntenbock. Christian Bormann übernahm den Fuhrherrenbetrieb von seinem Vater, Heinrich Carl Wilhelm Bormann (1824 – 1894). Neben dem weißen Fuhrherrenkittel trägt er die typischen Manchesterhosen und Gamaschen, in der rechten Hand die Peitsche, in der Linken die obligatorische Tabakspfeife  | Bild: Fuhrherren Museum Buntenbock | Archiv Ottensen | um 1900.

„Bis ihr strenger Monarch den geflochtenen Scepter erhebet“

Der Harz

Dritter Gesang

Vor der Grube ladet der Fuhrmann die
prächtigen Steine
Auf die längliche Höhle *) bespannt mit
wiehernden Hengsten,
Die, den Rest zu haschen, den schmuzigen
Futtersack schleudern,
Bis ihr strenger Monarch den geflochtenen
Scepter erhebet,
Der von ihnen geflüchtet, zum Aufbruch
sie knallend ermuntert.
Und so bringen sie den knarrenden Wagen,
beladen,
Mit bedächtlich langsamen Schritten zum
lärmenden Puchwerk.
Hier erschallt ein beständiger Donner der
rasenden Stempel
In die einsamen Thäler, und scheuchet das
flüchtige Wildprett
Aus der Gegend hinweg, wohin, sich sein
Echo verbreitet.
Selbst in der Nacht zermalmen die grossen
schwerfälligen Stempel
Rastlos ihr Erz. O wie schaudervoll drang
aus der Ferne vom Thal her,
Bei der stilleren Feier der Nacht, ihr wild-
des Getobe
In mein Ruhe gewohntes Ohr, gleich der
Stimme des Donners,
Wenn er noch in weiter Entfernung am
Himmel daher rollt!
Nur der wachsame Pücher **) schleicht bei
der nächtlichen Lampe,
Ohne Gespenster zu fürchten, von einem
Stempel zum andern,
Ihr Getöse gewohnt, und sorgt für bestän-
digen Vorrath.
Was vom Stempel hier fast bis zu flim-
merndem Staube zerstampft ist,
Säubert darauf ein fröhlicher Schwarm
mutwilliger Knaben,
Daß die Unart des schlechteren Berg’s vom
guten sich scheide.

*

Dieses kleinere Volk, dem schon ins Innere
des Herzens
Unerschrockener Muth, und Trieb zu Frei-
heit gepflanzt ist,
Daß die Sitten der Väter zur Freude der-
selben treu nachahmt;
Dis versammelt sich hier um seinen Va-
ter, den Steiger.
Eben so früh, als der Bergmann, zum Mor-
gen-Gebet, und Gesange.
Wenn die Sonne des Sommers sie dann
schon freundlich bewillkommt,
Gähnen sie einigemal nach ihrem Lager zu-
rücke,
Warten mit Ungeduld auf die lang noch zö-
gernde Mutter
Um das trockene Brod aus ihrer Hand zu
empfangen.
Stets durch Hunger und Lust in ihren Frei-
stunden schmackhaft,
Und so gehn sie mit Mut, im Geiste schon
Bergmann, zum Puchwerk,
Bis die zwölfte Stunde vom Anfang der
Arbeit geschlagen.
Wenn der rauheste Winter die schneevollen
Fittige schüttelt,
Und in einer Nacht oft Berge von Schnee-
flocken aufthürmt,
Wühlt er sich barfuß, und leicht, im dün-
nen leinenen Kittel,
Oft am Kopfe nur sichtbar, durch diese be-
trüglichen Berge,
Trotzet dem stürmischen Nordwind und sei-
nen beeiseten Schwingen,
Und dem schneidenden Ost, der ihm durchs
dünne Gewandt bläst,
Und erwärmet am Feuerheerd sich die star-
renden Glieder.
Nach dem Morgen-Gebet, dazu der Stei-
ger sie anführt,
Eilt frohlockend die Schar zur angewiese-
nen Arbeit.

*) Dis ist ein länglicher sehr schwerer, und starker Wagen, auf welchem die Erze von der Grube zu dem Puchwerke geführet werden.
**) Dieser Mann muß in der Nacht die Erze unter den Stempeln zerstossen lassen, so wie es am Tage geschieht.

E. C. H. Dannenberg; Der Harz, ein Gedicht in sieben Gesängen, Bossiegel (Verlag Victorinus) 1781, S.55ff.

 

 

Gewisse Fuhrherrn – auf dem Harze

Bergfuhren sind alle zu Transportirung bergmännischer Produkte und Bedürfnisse erforderliche Fuhren, s. Erzfuhren. Auf dem Harze sind zu Verrichtung derselben gewisse Fuhrherrn bestimmt, deren zu Clausthal 8 – 9 sind, von denen jeder eben so viel Pferde hält.

Bergfuhrleute, [Leute, welche die Bergfuhren verrichten. L.]

Swen Rinmann’s Königl. Schwedischen Bergraths und Ritter des Wasa-Ordens allgemeines Bergwerkslexikon – nach dem Schwedischen Original bearbeitet und nach den neuesten Entdeckungen vermehrt von einer Gesellschaft deutscher Gelehrten und Mineralogen. Erster Theil. Enthält A bis Berg. Mit Kupfern. Leipzig 1808. Bey Chr. Fr. W. Vogel, S. 626f.

Flachs, Heu und Beeren

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Linum usitatissimum L.
Köhler, F.E., Medizinal Pflanzen, vol. 1 (1887) –
http://www.plantillustrations.org

Das Fürstentum Grubenhagen liegt an und auf dem Harz , rechts über Göttingen. Seine merkwürdigsten Statte heissen Einbeck, Osterode, Clausthal und Cellerfeld.

Einbeck, die Hauptstatt dieses Fürstenthums, liegt an der Ilme fast gerade über Göttingen, und verfertiget vielerlei Arten von wollenen Zeugen. Osterode liegt rechts über Göttingen am Harz, und hat das Provianthauß für die Berg- und Hüttenleute auf dem Hannoverschen Harz, unch weben die Einwohner sehr schöne Zeuge nach englischer Art.

Der Flekken Herzberg hat königliche Gewehrfabriken, und noch andere Eisenfabriken. Der Flekken Salz der Helden, und das Dorf Sülzbeck haben wichtige Salzwerke.

Clausthal liegt rechts über Göttingen auf dem Harz, und ist die beste Hannöversche Bergstatt und der Siz des Bergamts und einer Münze. Sie hat ohngefähr achttaussend Einwohner, und eine lateinische Schule.

Zellerfeld liegt dicht an Clausthal, und wird von ihr nur durch einen Bach getrennt. Sie ist der Siz des gemeinschaftlichen Oberharzischen Bergamts, und einer gemeinschaftlichen Münze, worin viele kleine silberne Münzen mit einem grossen lateinischen C geschlagen werden , welches Commun oder Gemeinschaft heissen soll; Denn es gehört vom Harz ein grosses Stück dem Herzog von Braunschweig.

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Bistorta Officinalis
Otto Wilhelm Thomé; Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885)
http://www.bioLib.de

Der Harz ist ein hohes und waldichtes Gebierg, das ohngefähr zwölf Meilen lang, und vier bis fünf Meilen breit ist. Es stehen Stätte und Dörfer darauf, deren Einwohner sich gewöhnlich vom Bergbau, der Bearbeitung des Erzes, und der Handlung nähren. Der Akkerbau wird hier nicht getrieben, weil es sehr bergicht, und fast ein halbes Jahr Winter ist. Flachs , Heu und etliche Sorten von Beeren sind die gewöhnliche Ernte der Harzeinwohner. Die Bergwerke liefern Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Blei. Und Holz ist darauf in so grosser Menge vorhanden , daß die Nachbarschaft viele Meilen weit damit versehen werden kann. — Man teilt den Harz in den Oberharz und Unterharz ein. Vom Oberharz gehört die Hälfte ganz allein dem König von England; die andere Hälfte aber und der Unterharz gehören halb dem Herzog von Braunschweig.

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Vaccinium myrtillus L.
Otto Wilhelm Thomé; Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz (1885)
http://www.bioLib.de

M. Georg Christian Raff’s, ordentlichen Lehrers der Geschichte und Erdbeschreibung auf dem Lyzeum zu Göttingen, Geographie für Kinder zum Gebrauch auf Schulen, vierte verbesserte Auflage, Göttingen bei Johan Christian Dieterich, 1787, S. 223ff.

Buntebock, mon petit endroit … mais où est Clausthal?!

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„Mines et Forest du Hartz" aus: Georges-Louis Le Rouge, Atlas Portatif Des Militaires Et Des Voyageurs, Paris 1759, Kupferstich, 24,5 x 35 cm.

„Mines et Forest du Hartz“
aus: Georges-Louis Le Rouge, Atlas Portatif Des Militaires Et Des Voyageurs, Paris 1759, Kupferstich, 24,5 x 35 cm.

„IV. Le Harz. Il a été dit plus haut dans l’introduction à la principauté de Grubenhagen ce qu’est le Harz, pris dans sa signification la plus étendue. Il n’est question ici que de cette partie du Harz, qui appartient à la maison électorale & princiere de Brunsvic- Lunebourg. L’air y est froid, tellement que les rigueurs de l’hiver y durent régulièrement pendant six- mois de l’année. Les brouillards y sont aussi plus fréquents, & les pluies, de même que les neiges, plus copieuses que dans le pays plat. Ceux qui y habitent, n’en atteignent pas moins un âge -aussi avancé que ceux qui demeurent dans la plaine, si l’on, excepte les mineurs & les forgerons. …
Le Harz est habité par des mineurs, par des forgerons, par des bûcherons & par des voituriers. Il y demeure aussi des employés des princes, des prédicateurs, des maîtres d’école, des artistes, des gens de métiers & des marchands. Ni les uns ni les autres ne sont sujets à l’imposition , nommée Licent, non plus qu’à la contribution; leurs charges se réduisent 1) dans les villes , à acquitter une certaine somme, connue sous le nom de Pfarrgeld, dont le montant est employé à l’entretien de l’église & à celui de l’école. …
l. Du Harz supérieur. Les mines du pays sont partagées en différents cantons, & chaque canton renferme un certain nombre de minières. Chaque minière est distribuée en un certain nombre d’actions ou parts ( Kux). Les minières donnent ou du bénéfice, ou balancent les frais, ou en exigent encore d’autres. Chaque minière à bénéfice a 130 actions, dont dans une partie du Harz il en appartient quatre au souverain, une à l’église & une à la ville, où elle est située ; mais au Harz commun supérieur 124 appartiennent aux actionnaires, 1 1/2 à l’église, 1 1/2 à la chambre des finances, & trois aux seigneurs. Une minière, qui balance les frais, con tient 128 allions, & produit tant de matières, que les dépenses requises sont compensées. Une minière dont les frais excédent le produit, contient 128 actions, dont les actionnaires entretiennent 124, & en exploitent 4 gratis pour les seigneurs.
1) Dans la partie qui appartient à la; maison électorale de Brunsvic – Lunebourg seule, sont situés les endroits ci -après :
( 1 ) Clausthal, ville ouverte de montagne, qu‘ occupe une grande étendue de terrein. Ses rues sont larges & bordées de près de 800 maisons; l’on y compte approchant 10,000 ames, & il s’y trouve deux églises, une maison d’orphelins & une école latins dirigée par 9 régents. Cette ville, dans laquelle il y aune petite garnison, est le siege du tribunal des- mines de cette partie du Harz, qui appartient à l’é lecteur en particulier; elle est le siege aussi d’une monnoyerie, dans laquelle il se fabrique annuellement 374,400 rixdales en argent & en especes courantes valeur de Leipsic. La surintendance, qui y est établie, est administrée par le surintendant général de la principauté de Grubenhagen. Les plus grands incendies que cette ville ait effuyés, sont ceux des années 1634, 1639 & 1725; le dernier des trois sut si violent, que 391 maisons, outre les bâtiments de derrière, furent réduites en cendres. Il y a près de cette ville une mine d’argent. Celles de tout le canton, dont le produit est le pius fort, sont les mines àppellées Dorothée & Caroline; la première a fourni depuis 1709 jusqu’en 1760, 2,787,893 1/3 d’écus monnoyés, & la séconde depuis 1703 jusqu’à la précédente époque 1,337,700 écus aussi monnoyés.
(2) Altenau, petite ville de montagne située dans une gorge entourée de roches & de montagnes, & près de laquelle il y a une’mine d’argent. La rivière, nommée Schneidwasser ou Scheidewasser, dont cette ville est arrosée, va se perdre dans celle d’Ocker.
(5) Montagne de St. André (St. Andreasberg), ville de montagne sur l’Oder contenant 55o maisons. La mine d’argent qui s’y trouve, a produit depuis 1537 jusqu’en 1620, 370,760 rixdales.
REMARQUÉ. L’on trouve à un mille de là, derrière la montagne, dite Rehberg, un réservoir d’eau, appellé Oderteich, qui mérite d’être remarqué. L’Oder, ainsi que différentes sources, qui s’y jèttent, entretiennent l’eau toujours à la même hauteur, & elle y eft contenue par une digue cons truite en pierres tout autour. Cette eau est con duite & distribuée dans tous les moulins à concasser là mine, & dans tous les autres endroits, où elle est nécessaire, par le moyen d’un fossé muré, long de 1,600 verges, lequel fossé tournant la montagne de Rehberg, se dirige dans un canal qui traverse la colline de St. André. Ce réservoir, qui renferme de beaux poissons & principalement de la truite, fournit de l’eau en telle abondance, que les atteliers ne chôment en aucune saison de l’année.
(4) Buntebock, petit endroit, qui n’est habité que par des charretiers.
(5) Leerbach & Sieber, villages paroissiaux.
(6) Quatres fermes.
2) Partie du Harz, qui appartient en commun à la maison électorale & à la maison princiere de Brunsvic- Lunebourg. Les endroits qui en dépendent, sont :
(1) Zellerfeld, ville de montagne ouverte, qu’une simple rivière sépare de celle de Clausthal. Cette ville est le siege du tribunal commun des mines du Harz supérieur; elle est aussi celui d’une surintendance, qui ressortit immédiatement aux consistoires de l’électeur & des ducs. La monnoie qui y est établie, leur est commune; il s’y fait annuellement en viron 200,000 écus d’empire valeur de Leipsic. Le nombre de maisons peut s’y porter à 557. Il y a une école latine & une belle bibliothèque, que Caspar Calvœr, ancien surintendant général, donna par testament à l’église paroissiale. Cette ville essuya de grands incendies en 1737 & 1753.
(2) Grund, petite ville de montagne.
(5) Wildeman, ville de montagne, située dans une vallée, qui ne commença à exister qu’en 1523 elle contient environ 300 feux, & est entourée de hautes montagnes désertes. Toute cette exploitation y a cessé.
(4.) Lautenthal, petite ville de montagne, dont l’enceinte renferme 253 maisons habitables. Il y a également une mine d’ârgent.
(5) Schoulenberg , où il y a aussï une mine d’argent; Bockwiese & Hahnenklee, petits endroits, dans le dernier desquels est une métairie, qui appartient aux princes de Brunsvic seuls.“
Abbildung: Georges-Louis Le Rouge, Mines et Forest du Hartz, Bergbaukarte der Harz-Region. Kupferstich, alt grenzkoloriert, 24,5 x 35 cm (Blatt). Aus: Georges-Louis Le Rouge, Atlas Portatif Des Militaires Et Des Voyageurs, Paris 1759.
Text: Géographie Universelle, traduite de Mr. Büsching, Tome Dixieme, contenant L’Empire D ‚ Allemagne, cinquième partie, savoir: Suite du Cercle de la Haut-Saxe & du Cercle de la Basse-Saxe, les Duchés de Magdebourg, de Brunsvic & de Lunebourg, la Principauté de Halberstadt & le Duché de Mecklenbourg, Nouvelle Edition revue & corrigée, a Strassbourg, chez Jean George Treuttel, Libraire. l’an ame de la République française, (1792), S. 526ff.

Karikatur – mit Karren

Karikatur - mit Karren

James Gillray (1757 – 1815); The State waggoner and John Bull – or – The waggon too much for the donkeys (1804).

http://arks.princeton.edu/ark:/88435/9z902z950

Eine Feindesliebe – Köhler und Fuhrherren

Der Mann der Enkelin, bei welcher der Alte wohnte, hatte ein Fuhrwesen von drei Gespannen und besorgte mit zwei Knechten allerhand Fuhren, wie sie in der Waldwirtschaft vorkommen; so war er denn auch jetzt nicht zu Hause, denn an manchen Stellen an den Bergen muß das Holz bei Schnee abgefahren werden. »Das hätte ich nicht gedacht, daß meine Enkelin noch einmal einen Fuhrherrn heiratet,« sagte der Köhler; »von alten Zeiten her ist immer eine Feindschaft zwischen den Köhlern und den Fuhrleuten gewesen, weil nämlich die Köhler früher, wie das Kohlen noch im Schwünge war, selber Fuhrwerk gehabt haben, und die Fuhrleute haben immer gesagt, das ist gegen die Gesetze, jedes Gewerbe will sein Brot haben.« Die Frau lachte, ihre schönen weißen Zähne blitzten in dem freundlichen, braunen Gesicht, und sie sagte: »Ja, wenn wir den Großvater ließen, der kaufte sich gleich ein leichtes Pferd und setzte sich noch auf den Kohlenkarren, in seinen alten Tagen.« »Nein, nein, dafür sind die Knochen schon zu steif,« wehrte der Alte ab, »das gibt die Natur nicht mehr her. Der Mensch muß auch vernünftig sein, und muß seinem Körper nicht zu viel zumuten.« Damit goß er Kurt die Tasse wieder voll aus der großen Kanne; das Kind schrie, schnell lief die Frau nach dem Kind und ließ die beiden allein.

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