Fuhrmann. Man kann den F.; der den Handels-Frachtverkehr mit Wagen und Pferden beruflich besorgt, von dem unterscheiden, der nur gelegentlich für eigene und auch für fremde Bedürfnisse Fuhren macht, das Fuhrwerk und Gespann aber für seine Wirtschaft benötigt, so der Bauer. Im weiteren Sinn ist als F. der Lenker eines Wagens bei volkstümlichen Festen, so bei Hochzeit und Begräbnis u.a. Gelegenheiten tätig. Der F. im ersteren Sinn, und um ihn handelt es sich beim F.saberglauben vor allem, ist nahezu verschwunden. Die Entwicklung des modernen Verkehres hat das einstige blühende Frachtwesen gänzlich umgestaltet und dem F. die Lebensbedingungen genommen. Besteht aber irgendwo noch ein kleiner Frachtverkehr mit Wagen und Pferdebespannung, so vollzieht auch er sich unter so geänderten Verhältnissen, daß diese nicht den Boden für einen besonderen F.saberglauben abgeben. Es kommt also im folgenden nahezu nur mehr vergangener, nicht mehr bestehender Aberglaube zur Darstellung. Der moderne Frachtverkehr hat einen anders gearteten Aberglauben (s. Eisenbahn, Automobil). Auf die Bildung und den Inhalt des einstigen F.saberglaubens mag der Zustand der Fahrstraßen nicht ohne Einfluß gewesen sein. Diese unterschieden sich von den modernen, technisch vollkommenen, besonders dadurch, daß jene oft über Berge und steile Höhenrücken führten, so daß uns bei ihrer Anlage im Gegensatz zur jetzigen Straßenführung jede Rücksicht auf Mensch und Zugtier außer acht gelassen erscheint. Fahrstraßen waren nämlich oft nur die erweiterten einstigen Gehsteige und Tragtierwege, bei denen Steilheit nicht so vermieden werden mußte, wie bei Fahrstraßen mit Wagenverkehr. Daher ist es natürlich, daß dem F. auf derartigen Wegen größere Schwierigkeiten bereitet wurden und er leicht darüber zu abergläubischen Vorstellungen kommen konnte. Da ferner die Fahrstraßen aus Gründen der Sicherheit oft über Höhen führten, von wo die Stimmen der Fuhrleute in den Niederungen gehört wurden, konnte sich infolgedessen aus der Vorstellung vom wilden Jäger leicht die Vorstellung vom wilden F. entwickeln. Der Ärger über den schlechten Zustand der Straßen und behördlichen Vorschriften machte sich in kräftigen Flüchen Luft.

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, hg. von Hanns Bächthold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer mit einem Vorwort von Christoph Daxelmüller, Bd. 3, Freen – Hexenschuß, Berlin New York (de Gruyter) 1987, Art. Fuhrmann., 197ff.

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An den Harz.

Hercynien, bergigtes Land, du sahst den empfinden-
den Busen
Unschuldig jugendlich sich freun;
Dort freylich gefrieren Genies, kein Satyr und keine
der Musen
umtanzen deinen kalten Hayn.

Es thürmen sich zu dem Olymp steilhangende, drohende
Klippen,
um die ein ew’ger Nebel fließt.
Dein Blocksberg wird nie zum Parnaß. Es singen nie
dicht’rische Lippen,
Wo man stets wuchert, selten liest.

Still, öd, melancholisch und todt, liegt, wirthbar den
schüchternen Eulen,
Dein meilenlanger Tannenwald;
Wo nie Philomene geklagt, Uhuhs dissonantisch nur
heulen
Und nur des Fuhrmanns Peitsche knallt.

Wie fürchterlich schwärzt sich dein Wald, wenn Phoebus,
bei drohenden Wettern
Sein Haupt in Donnerwolken hüllt,
Zeus flammende Himmel durchrollt, und dann mit dem
gräßlichsten Schmettern,
der Nachhall neue Donner brüllt.

Es stürtzt ins antwortende Thal, ein ewig einförmiges
Knarren
der Künste, von dem Wasser schwer.
Im hohlen und felsigten Weg seufzt mancher befrachtete
Karren;
Kein Phaeton wagt sich hieher.

Man höret ein wildes Getös, ein Prasseln erschrecklicher
Flammen,
Das Poch- und Hüttenwerk umziehn.
So schmiedete Vulcans Geschlecht des Jupiter Waffen
zusammen,
und glühte wie hier Schmelzer glühn.

Den Bauch deiner Erde voll Erzt zerschmettern die
Donnrer im Kittel,
daß ängstlich das Gebirge kracht.
Sie hauen die blitzende Wand, den Stoff embryonischer
Mittel
Zum Unterhalt, doch mehr zur Pracht.

Du Pflanz-Ort der Nothdurft und Pracht, o möchten in
deinen Gefilden
Auch Kenner und Mäcene seyn! –
Gefilde, wie seid ihr so kalt, empfindende Herzen zu bilden!
So rauh, sich mit Geschmack zu freun!

Und dennoch verflossen bei euch die tändelnden müßigen
Jahre,
Sanft wie der klare Bach verfließt.
Ganz Knabe bey hüpfender Luft, mit Blumen um lockigte
Haare
Hab ich gelacht, gescherzt, geküßt.

O säht ihr den denkenden Mann, wie ehmals den spie-
lenden Knaben
Noch sorgenfrey der Lust sich weihn!
Euch wünsch ich entfernt ein Glück auf! Mir wünsch ich
die Ruhe zu haben,
Noch einmal dort vergnügt zu seyn.

Johann Friedrich Löwen (* 13. September 1727 in Clausthal; † 23. Dezember 1771 in Rostock), Poetische Werke, Zweyter Theil, Oden und Lieder in vier Büchern, Zweytes Buch, Hamburg und Leipzig (Grunds Witwe und Holle) 1760, S. 193f.

http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Friedrich_Löwen

FUHRMANNSPEITSCHE, f. die starke, gewöhnlich mit einer langen schmitze versehene peitsche eines fuhrmanns. auf diese schmitze spielt wol die spöttisch auf einen, der verschmitzt zu sein glaubt, zielende sprichwörtliche redensart an er ist verschmitzt wie eine fuhrmannspeitsche. zeitvertreiber 510. complimentierbüchlein v. j. 1654 im Weim. jahrb. 1, 326.

SCHMITZE, f. 4) durch hochd. und md. gebiete ist schmitze als bezeichnung des äuszersten, gewöhnlich besonders angeknüpften endes der peitschenschnur verbreitet, vgl. Stieler 1876. Schm. 2, 562. Reinwald 2, 112. Spiesz 220; schmetze Regel 262. Hertel Salzung. wb. 41; schmitze Albrecht 204a. Kleemann 19b. Liesenberg 197. Bernd 268. Frischbier 2, 299a; in hochd. form bei Schambach 198b: ein seiler schlug glockensträng, den fraget Claus: was machstu für groszen zwirn. der seiler sprach: es ist kein zwirn, es sind schmitzen an die peitschen. Claus narr (1602) 32; so ward mit einmal an dem langen seile das boot und seine mannschaft im bogen rückwärts nach dem schiffe geschleudert, wie die schmitze einer peitsche wenn der fuhrmann einen zug thut. Göthe 28, 235.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 07.08.2013.

1821 – Links am Bassin standen die Fuhrherren …

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1821. Octbr. 29. K. Georg IV. zu Rotenkirchen.

Am nemlichen Tage (den 29. Oct.) war daselbst auch eine Deputation vom Harze angelanget und in den Dörfern Dörrigsen und Edemissen einquartirt worden. Diese bestand außer den Herren: Vice. Berghauptmann von Reden, dessen beyden kleinen Söhnen, (wie die übrigen in Uniform der Bergbeamten gekleidet,) Zehndtner Schwake und mehreren Andern, aus ungefähr 200 s.g. Hüttenleuten, eben so vielen eigentlichen Bergleuten und 50 Fuhrherren. Gegen 7 Uhr Abends versammelten sie sich im Fasanerie-Garten des Schlosses und zogen dann um 8 Uhr mit ihren Bergmusicis, vormals Bergsänger genannt, an der Spitze in den Park hinter dem Schlosse. – Alle Bergleute trugen ein schwarzes parchendnes Berghabit, eine weiße Weste, Kappe und ihr Schurzfell hinten; die Hüttenleute kurze weiße leinene Kittel und Kappen, nebst dem Schurzfell vorn; so wie die Uniform der höchsten und höhern Berg-Officianten aus schwarzen Fracks, ähnlichen Beinkleidern, weißen Westen und grünen Sammet-Kappen mit einem kleinen Schilde bestand. Außer ihren Geräthschaften, mit welchen sie täglich arbeiten, trugen die Bergleute noch ihre brennenden Grubenlichter und die Hüttenleute angezündete Fackeln in der Hand; so wie die Fuhrherren ihre Peitschen. Die höhern Berg-Officianten wurden bald darauf Sr. Königl. Majestät vorgestellt. Se. Königl. Majestät befanden Sich nebst Allerhöchstdero Durchlauchtigen Geschwistern und dem übrigen Personale Ihrer nächsten Umgebung in einem Saale des Schlosses, aus dessen Fenstern man den Park übersehen kann. Wie der Zug unter Musik daselbst angekommen war, theilten sich die Mitglieder desselben in mehrere Gruppen, von welchen die höhern Berg-Officianten – denen sich auch das hier aus der Umgegend versammelte Forstpersonale anschloß – mit den Bergmusicis unter die Fenster jenes Saales traten.

Diesem grade gegenüber, am jenseitigen Ufer des großen Bassins, welches nahe an das Schloß reicht, stellten sich die Hüttenleute mit ihren Fackeln in einer langen Reihe auf, und umzingelten auf diese Weise das ganze jenseitige Ufer des Teichs.
Von diesem Teiche rechts in dem Bosquet nahmen die Bergleute ihren Stand; welches durch die Beleuchtung mittelst der Grubenlichter einen magischen Anblick mit mannigfaltigen Schattirungen, durch die noch belaubten Bäume, gewährte.
Links am Bassin standen die Fuhrherren.

Nun spielten die Bergmusici mehrere Harz-Walzer, Märsche und begleiteten dann auf Befehl des H. General-Gouverneurs, wie Sich Se. Königl. Hoheit unter die Harzer begaben, mehrere von den Bergleuten im Harzdialekte gesungene und bey denselben beliebte Volkslieder. – Abwechselnd in den Pausen der Musik ertönte dann von den Bergleuten Sr. Königl. Maj. Ein Lebe hoch! Und von dem Forstpersonale ein Hoh ri do! – Diess Lebehoch wurde jedesmal von den Fuhrherren mit einem Klatschen ihrer Peitschen begleitet. – Dieses wurde mit einer solchen Fertigkeit und Schnelle ausgeführt, daß man es mit dem schnellsten ununterbrochenen Rasseln und Knistern vergleichen könnte; denn anders läßt es sich nicht beschreiben und mit dem gewöhnlichen Peitschen-Geklatsche oder Knallen der Fuhrleute hattes es gar keine Aehnlichkeit. – Auch gewöhrte das Schwenken der Fackeln, mit welchem die Hüttenleute das Lebehoch jedes Mal begleiteten, wegen Reflexion der Lichtstrahlen in dem Wasserspiegel, einen eigenen, aber unbeschreiblich schönen Anblick; zumal da die Träger dieser Fackeln solche nach einem regelmäßigen Tacte schwenkten, so, daß wenn Einer z.B. seine Fackel hob, sie sein Nebenmann senkte. Da nun dieses stets gegen das Bassin zu gerichtet war, so spiegelten sich die Flammen in dem Wasser und es verdoppelte sich auf diese Art scheinbar die Anzahl der Fackeln.
Während dieses geschah, verließen Se. Majestät niemals das offene Fenster und begrüßten die frohlockenden Harzer auf das leutseligste, welche „Ihrem guten Könige“ an diesem Abende folgendes Gedicht überreichten: „Die Bewohner des Harzes ihrem guten Könige.“
(Vom H. Amtsassessor Dr. Blumenhagen.)

„Auf jenen Höhen, die der Wald bekränzet,
Die rauhe Stürme vor der Zeit entlaubt,
Wo, selten von der Sonne Strahl beglänzet,
Dem Frühling seine Blüthen sind geraubt,
Wo spät der Winter, früh der Sommer endet,
Und kärglich nur der Herbst die Gaben spendet:

Da lebet, Deiner Väter Stamm ergeben,
Ein armes, treues Volk seit alter Zeit,
Das nimmer sich für Sold dahingegeben,
Das Blut und Kräfte seinem Fürsten weih’t,
Das, fest wie Felsen, welche es umragen,
Nicht wankt, wenn alle Andere verzagen …

(…)

Erhab’ner König! Wolle uns erhören,
Erhalt‘ uns Deiner Gnade Hoffnungs-Stern,
Dann wird kein Unfall unser Glück zerstören,
Dann bleibt das Leiden unsern Hütten fern.
Beschütze Deines Harzes alte Rechte,
Beschütze Deine Berge, Deine Schächte.

Und wolle bald in uns’rer Mitte weilen,
Du findest Herzen, redlich, treu und fest;
Der Harzer Schaar, die nimmer von Dir läßt,
Wird fröhlich jubelnd Dir entgegen eilen:
Vom Berg‘ herunter, aus der Kluft herauf,
Tön’t biedrer Bergmannss-Gruß:
Glück auf! Glück auf!

Die huldvolle Güte, womit Se. Maj. Dieses Gedicht entgegen zu nehmen geruhten, war diesen biedern Kindern des Harzwaldes ganz etwas unerwartetes, manchem Greise unter denselben entlockte sie Thränen. Ihr Enthusiasmus überstieg aber alle Gränzen nd jede Beschreibung, wie der überaus leutselige Monarch mit der früher erwähnten silbernen Bergkanne ans Fenster trat, Sich hinauslehnte und ausrief:
„Meine lieben Kinder, Glück auf!“
und dann auf ihr Wohl aus der Kanne trank. Ein einstimmiges Lebehoch! Und Glück auf! – welches aus dem Munde dieser Bergleute in ihrem Harzdialecte so treuherzig klingt im Ohre des ungewohnten Hörers, – und das Ho ri do! Des Forstpersonals erschallete, und erneuete sich unter dem Peitschen-Rasseln der Fuhrherren und dem beschriebenen Fackelschwingen unzählige Male bis gegen 11 Uhr sich die ganze Versammlung wieder in Bewegung setzte und unter dem Blasen eines muntern Jäger-Marsches zu den ihr angewiesenen Nachtquartieren heimzog. …

Heinrich Dittmer; Authentische und vollständige Beschreibung aller Feyerlichkeiten welche in dem Hannoverschen Lande bey der Anwesenheit Seiner Königl. Majestät Georgs des Vierten während dem Monate October 1821 veranstaltet worden sind. Verziert mit dem ähnlichen Portrait Sr. Königl. Majestät, Georg IV., und ein und zwanzig treuen Abbildungen. Nebst einer Zugabe: Rückblicke auf ähnliche Volksfeste der Hannoveraner im 18ten Jahrhunderte. Zusammengetragen und herausgegeben von Heinrich Dittmer, Med. Dr. und K. Hannöv. Pensionirtem Militair-Wundarzte. Hannover 1822, beym Herausgeber, S. 246ff.

Wie wohlhabend war ein Buntenböcker Fuhrherr?

Von Anneliese Vasel*

Wer über die Vergangenheit des früheren Fuhrherrendorfes Buntenbock berichtet, vergißt selten zu erwähnen, daß man hier in der Bevölkerung mehr Wohlhabenheit angetroffen habe als in den meisten Bergstädten des Oberharzes. Nun gehört die Wohlhabenheit zu jenen Begriffen, die sich nur schwer objektiv definieren lassen, da sie sich immer nur bezogen auf das jeweilige soziale Umfeld beschreiben läßt.

Was also mag vor rund 150 Jahren ausschlaggebend gewesen sein, die meisten Buntenböcker als wohlhabend zu bezeichnen. Am besten läßt sich das wohl anhand von Testamenten und Nachlässen aus jener Zeit ablesen. Doch die werden selten über einen solch langen Zeitraum in den Familien aufgehoben. Daß ein derartiges Dokument in Buntenbock bei seiner Wiederentdeckung nach vielen Jahren nicht achtlos beiseitegelegt wurde, verdanken wir der Aufmerksamkeit einer jungen Hausfrau.

Frau Marianne G. fand vor einiger Zeit bei Aufräumungsarbeiten auf dem Boden des ehemaligen Kellner-Hauses einen ausführlich aufgelisteten Nachlaß des 1820 verstorbenen Fuhrherrn Heinrich Andreas Gärtner. Über den damals Verstorbenen ließ sich folgendes herausfinden. Er war 1787 in Buntenbock als 7. oder 8. Kind der Eheleute Johann Christian und Maria Magdalena Gärtner geboren. Nach dem elterlichen Testament übernimmt er als sehr junger Mann am 23. 4. 1810 das Haus, das zwischen dem Kellner- und dem Schulzen-Haus liegt, mit „Pferden und Geschirr“ für fast 1600 Taler, die er an fünf noch lebende Geschwister auszahlen muß. Ein Jahr danach heiratet er die Tochter Johanne Dorothee Christiane des Papiermüllers Später aus Osterode. Die Ehe ist nur von kurzer Dauer, denn schon 1820 stirbt Heinrich Andreas Gärtner und hinterläßt eine junge Witwe mit drei kleinen Kindern. Als die sich dann 1822 entschließt wieder zu heiraten, wird eine Liste des gesamten Besitzes ihres verstorbenen Ehemannes zusammengestellt. Die Lösung des Rätsels, wie das Gärtnersche Dokument irgendwann ins benachbarte Kellner-Haus gelangt sein kann, liegt vielleicht darin, daß eine Tochter des Verstorbenen im Jahre 1848 in dieses Haus einheiratete, als sie die Frau des Rademachermeisters Christian Kellner wurde.

Nach diesen kurzen biographischen Daten soll nun der Einblick in die Besitzverhältnisse des Heinrich Adam Gärtner etwas Aufschluß darüber geben, wie er und seine Familie gelebt haben könnten.

Zunächst einmal ist er Besitzer eines Hauses, zu dem ein Stall und eine Wiese gehörten. Beides wird mit 1600 Talern angegeben, wobei der Wert der Wiese genauso hoch eingestuft wird wie das Haus. Genauso wichtig für seine Existenz als Fuhrmann war der Besitz von Pferden, Wagen und Schlitten. In der Liste sind denn auch vier Hengste, drei Kohlekarren, zwei alte Sturzkarren, acht Schlitten, ein Wagen, ein „Rentschlitte“, ein Holzkarren und etliches Geschirr aufgeführt. Alles zusammen wird mit 280 Talern veranschlagt.
An weiterem Vieh besaß er nur eine Kuh, acht Hühner und einen Hahn.
Unter der Rubrik „Hölzernes Gerät“ finden wir das Mobiliar des Hauses: Kleiderschrank, zweischläfernes Bett, einschläfernes Bett, Eßschrank, Wanduhr, Spiegel und ein runder „tannerner“ Tisch, dazu drei kleine Brettstühle und ein Spannstuhl. Zu dem hölzernen Gerät gehörten natürlich auch die drei Butterfässer, eine Käsebank, eine Teigbutte und eine Zeugrolle, die wir heute als Haushaltsgerät zählen würden. Auch 2 Karren Schindeln wurden in dieser Gruppe gezählt, so daß alles „Hölzerne“ mit 19 Talern 26 Groschen zu Buche schlug.

Der andere Teil des Hausrates, mit dem die Hausfrau des Heinrich Andreas Gärtner vor 150 Jahren viele Nahrungsmittel selbst herstellte, findet sich unter den Geräten aus Zinn, Kupfer, Messing und Eisen, sowie unter den Hochzeitsgeschenken aufgeführt. Dazu gehören 25 Milchtöpfe, drei Steintöpfe, ein Kaffeebrenner und ein Mörser. Auch acht „porizlane“ Teller, sechs Kaffeetassen und vier Suppenschalen, vier Teller und fünf Leuchter aus Zinn werden hier gezählt.
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In der Küche wird sie auch die Kessel aus Kupfer und Messing, die Eisentöpfe und das Plätteisen benutzt haben. Sogar ein Posten von Nahrungsmitteln, nämlich Speck und Wurst, findet man hier. Ja, macht den sehr hohen Wert von 9 Talern aus.

Man erfährt aus dem Nachlaßschreiben auch, wie sich der Fuhrmann Gärtner kleidete. Er konnte zwischen drei verschiedenen bis zum Knie reichenden Hosen wählen. Die Auswahl an Hemden war doppelt so groß. Im Winter wärmten ihn im Haus zwei Camisole*.
Ein Überrock mußt ihn draußen vor der Kälte schützen. Der Festtagsstaat bestand aus einer scharlachroten Weste mit 16 silbernen Knöpfen und silbernen Schuh- und Knieschnallen, sowie einigen silbernen Hemdknöpfen. Weiter findet man eingetragen einen alten Hut und ein paar Stiefel. Warum aber auch ein Kleid der Ehefrau zum Nachlaß des Verstorbenen gehörte, bleibt unklar. Immerhin ist es soviel wert wie gewesen wie sechs Mannshemden zusammen, nämlich 6 Taler. Unter den ganz persönlichen Dingen fällt ein einziger silberner Eßlöffel im Wert eines Talers auf.

Die Höhe seines Gesamtvermögens, wobei selbst der Wert von Heu und Mist (31 Taler) berücksichtigt wurde, belief sich auf 1974 Talern und 26 Groschen. Dem stand eine Schuldenlast von 1493 Talern und 26 Groschen gegenüber, die dem Heinrich Andreas Gärtner aus der Auszahlung seiner Geschwister erwachsen war.

Sicherlich fällt es uns heute schwer, die Lebensumstände der Familie Gärtner des Jahres 1820 als besonders komfortabel anzusehen. Und doch sind sie das im Vergleich zu denen vieler Bergmannsfamilien des Oberharzes gewesen. So konnten sie beispielsweise als Familie das ganze Haus alleine bewohnen. Einige Grundnahrungsmittel mußten nicht gekauft werden, sondern wurden von der Hausfrau selbst hergestellt. Das Futter für die Pferde war durch die Bergbehörde immer gesichert. Dazu kamen andere Vergünstigungen für die Fuhrbetriebe, auf die hier jedoch nicht eingegangen werden soll. Schließlich sollte man auch nicht übersehen, daß mit der Möglichkeit, Pferde zu halten, eine größere Mobilität für die Familie verbunden war.

* Anneliese Vasel, geb. Bormann (1938 – 1991), selbst Nachfahrin einer Buntenböcker Fuhrherrenfamilie, gehörte zu den ausgewiesenen Kennerinnen der Geschichte Buntenbocks. In zahlreichen Veröffentlichungen hat sie ihr Wissen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Text wurde freundlicherweise von ihren Nachkommen zur Verfügung gestellt: Ein herzlicher Dank an dieser Stelle! Er ist auch erschienen unter: Vasel, Anneliese; Wie wohlhabend war ein Buntenbocker Fuhrherr?; Allgemeiner Harz-Berg-Kalender, Clausthal-Zellerfeld (Ed. Piepersche Buchdruckerei und Verlagsanstalt) 1988, S.64-66.

AUSSPANNEN , disjungere, relaxare, extendere, nnl. uitspannen, vgl. anspannen, aufspannen. 1) die pferde, rinder ausspannen: der kutscher hat ausgespannt;
der henker thu ihrs ros ausspannen.
H. Sachs II. 4, 3d;
ein pferd ausspannen. Philander 1, 36; aber auch den wagen, den pflug ausspannen; ich bin ermüdt, ich hab gefürt
des tages bürd, es musz einst abend werden, erlös mich herr, spann aus den pflug, es ist genug,
nimm von mir die beschwerden. kirchenlied.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 01.08.2013.

Fuhrleute

Von Karl Thiele

In den letzten Jahrhunderten, ja zum Teil auch noch zu Anfang dieses Jahrhunderts, stand das Fuhrwesen in voller Blüte. Für jeden Güterverkehr mussten Pferdegespanne eingesetzt werden, denn das Pferd war damals noch die stärkste Kraft bei der Beförderung dieser Güter und Lasten. So begegnete man zu diesen Zeiten auf Straßen und Wegen im Gegensatz zu heute nur Pferdegespannen, von Fuhrleuten geleitet.

Viele Fuhrbetriebe mit zahlreichen Fuhrleuten bewältigten diese Aufgaben. Sie waren auch in Buntenbock zahlreich vertreten, dabei größere Betriebe, Fuhrherren nannten sich ihre Besitzer, die 24, ja bis 36 Pferde besaßen und dazu die nötige Anzahl von Fuhrknechten beschäftigten. Buntenbock war das Dorf der Fuhrleute.

Die Eisenbahn, deren Liniennetz sich verhältnismäßig schnell verdichtete, brachte schon durch ihre weit größere Kapazität den teueren, auch langsameren Transport mittels Pferden über weite Entfernungen nach und nach völlig zum Erliegen.

Durch die Ausrüstung der Verkehrsmittel mit Benzin- und Dieselölmotoren erwuchs dem Fuhrwesen auch im Nahverkehr eine starke, erfolgreiche Konkurrenz. So sank das Fuhrwesen von seiner stolzen Höhe immer weiter herab und ist heute fast bedeutungslos geworden.

Den wackeren Fuhrleuten, die bei Wind und Wetter ihre ganzen Kräfte für die Befriedigung der Bedürfnisse der Bewohner, der Wirtschaft einsetzten, sei der folgende Beitrag gewidmet:

Bevor die Eisenbahn die Beförderung von Gütern übernahm, musste jede Ware, die nicht im Heimatbezirk erzeugt bzw abgesetzt werden konnte, durch Pferdgespanne oft über weite Strecken transportiert werden. Die Fuhrleute, welche die schweren, mit einer großen grauen Plane überdachten Frachtwagen über die oft recht holperigen Landstraßen, meist ehemalige Heerstraßen, leiteten, diese Fuhrleute waren die Elite. Das waren Leute, deren Wege bis Bremen hinauf, nach Osnabrück, bis weit ins Thüringische hinein führten. Die kannten hier jede Landstraße und ihre Beschaffenheit, die kürzesten Wege zum Ziel, auch allerlei Umwege, die durch weniger Steigung und bessere Fahrbahnen bequemer zu befahren waren. Bormann’s Christian formulierte das bei Erzählungen über seine Frachtfahrten immer so: „Man kann awerok hinnerüm fahrn, ower…“

(Man kann aber auch hintenrum fahren, über…).

Christian Bormann, geb. 1858 in Buntenbock, übernahm den Fuhrhandel von seinem Vater Heinrich Carl Wilhelm Bormann. Er ist der letzte Vertreter der Familie, der das Fuhrhandwerk ausübte.

Christian Bormann, geb. 1858 in Buntenbock, übernahm den Fuhrhandel von seinem Vater Heinrich Carl Wilhelm Bormann. Er war der letzte Vertreter der Familie Bormann, der das Fuhrhandwerk ausübte. (Foto: Privat)

Diese Frachtfuhrleute waren den heutigen Fernfahrern vergleichbar. Nur ging das seinerzeit langsamer, man war wochenlang unterwegs.

Abends wurde dann an sogenannten Ausspannen, die meist an den Rändern der Ortschaften lagen, halt gemacht. Das geräumige Anwesen – heute noch hier und da zu erkennen – war mit großem Hof und geräumigen Ställen ausgestattet, so dass Wagen und Pferde gut untergebracht werden konnten.

Erzkarren

Waren die Wagen abgestellt, die Pferde abgeschirrt und versorgt, ging man zum Abendessen in die niedrige Gaststube, zu ebener Erde vorne im Haus. Dort saß man dann an blankgescheuerten Holztischen auf einfachen Holz-Stühlen oder –Bänken, verzehrte von den mitgenommenen Vorräten, bestellte beim Wirt ein einfaches Kartoffelgericht, oder einen Kumpen mit Erbsen- oder Bohnensuppe, ließ sich das einheimische Bier munden, nahm dann und wann einen Schluck aus dem Schnapsbuddel, den man sich vom Wirt wieder füllen ließ. Hier traf man sich aus allen Gegenden, tauschte Erfahrungen und Neuigkeiten aus, der Spaß kam auch nicht zu kurz. So ging es bei den rauen, bärtigen Gesellen lebhaft zu, bis man sich im Nebenraum auf Strohsäcken zur Ruhe legte.

Im 18. Jahrhundert war der Kohlenhof in Moringen am Solling eine große Ausspanne, ein großer Umschlageplatz. Harzer Fuhrleute beförderten Eisenerz nach Moringen. Von dort wurde das Eisenerz weitergeschafft zu den Sollinger Hütten; die Lerbacher Hütte wurde erst später gebaut. Als Rückfracht nahmen die Fuhrleute Sollinger Holzkohle für die Harzer Hütten mit. Buntenböcker Fuhrleute werden diese Fuhren auch mit unternommen haben, denn Eisenerzgruben gab es oberhalb Lerbach bis Buntenbock, im Ziegenberg bis zum Huttal hin, die vielen „Schachtlöcher“ zeugen noch davon.

Waren im Flachland weniger steile Berge zu überwinden, so war der Rückweg von Osterode in den Harz hoch doch ziemlich anstrengend und stellte hohe Anforderungen an Pferd und Wagen. Manche starke Steigung mussten die kräftigen Pferde, angefeuert durch lautes „Hühe“- Rufen und Peitschenklatschen der Fuhrleute, überwinden. Unter manchem derben Stoß ächzte der Wagen, knarrten die Räder.

Bei dieser übergroßen Beanspruchung zeigte sich das gediegene handwerkliche Können des Stellmachers und des Schmiedes im Dorfe, die diese Wagen in einwandfreier Arbeit und aus ausgesuchtem Material fertig gestellt hatten. Die Fuhrleute konnten sich auf ihre Wagen verlassen; die beiden Handwerker standen bei ihnen in hohem Ansehen.

Auf den Landstraßen sperrten hier und da Schlagbäume die Weiterfahrt. Hier mussten die Fuhrleute, ehe der Schlagbaum hochgezogen wurde, nach der Größe ihrer Wagen Zoll entrichten. Im Hannoverschen wurden diese Stellen auch kurz „Einnahmen“ genannt. In der näheren Umgebung war es das Weghaus „Heiligenstock“, auch deutet der Straßennahme „Am Schlagbaum“ vor dem Eingang nach Clausthal auf eine solche „Einnahme“ hin.

Ihr Geld bewahrten die Fuhrleute in der Geldkatze auf, einem schlauchartigen Lederbeutel, der mit einem Riemen um die Hüfte geschnallt wurde. Das Geld hatte so einen gesicherten Platz; es war ja auch alles Hartgeld. Manchmal reichten wohl auch diese Geldkatzen nicht aus, die Geldeinnahmen zu bergen, wurde doch immer erzählt, dass bei manchen Fuhrherren die harten Silbertaler in „Füllfässern“ (flache, längliche Korbgeflechte) ins Haus gebracht wurden.

Wie schon gesagt, weit herum kamen die Frachtfuhrleute, hatten Land und Leute kennengelernt, überall die Augen und Ohren aufgehabt und waren gewitzige, schlagfertige Leute geworden. Wenn sie dann im heimatlichen Krug zusammen saßen, lauschten alle, deren Wege sie nicht so weit von der Heimat wegführten, ihren Erzählungen. Manchmal wird schalkhafterweise dabei auch viel Fuhrmannslatein, manches erfundene oder übertriebene Abenteuer zu Gehör gekommen sein.

Für den Nahverkehr gab es auch Arbeit in Hülle und Fülle. Da mussten von den Gruben die Erzbrocken zu den einzelnen Pochwerken, die sie zerkleinerten, Schliech, von dort zu den Hütten gefahren werden, ebenso die Holzkohle aus dem Walde zur Hütte. Dann hatten die Gruben für den Stollenausbau, ihre Zimmereien, für die Herstellung von Wasserrädern, Rinnen, Gestänge, Förderkunst, Schacht- und Nebengebäuden usw große Mengen Holz nötig, denn vieles, was heute aus Eisen und Beton gebaut wird, konnte nur in Holzbauweise hergestellt werden. Um diesen Bedarf zu decken, waren ständig Fuhrkolonnen unterwegs, die das Bergamt anforderte.

Weiter waren die zahlreichen Sägemühlen mit Langholz, Blochen und Knüppeln zu beliefern, auch das Brennholz für die Einwohner heranzuschaffen, das ihnen auf Grund des noch aus hannoverschen Zeiten stammenden Brennholz- Abgabe- Regulativs zustand. Der Eigenbedarf erforderte, zumal neben den Pferden meistens ein größerer Rinderbestand, Wiesen und Kartoffel- Äcker vorhanden waren, auch viele Fuhren.

Gefahrvoll und schwer ist des Fuhrmanns Arbeit, wenn von den Kahlschlägen Langholz abzufahren ist. Die ausgesuchten Stämme – jeder trägt vorn eingeschlagen eine Nummer – werden durch die vorgespannten Pferde zur Ladestelle geschleift. Das erfordert bei der Schwere der Stämme viel Umsicht und Geschicklichkeit, zumal, wenn der Kahlschlag sich an einem Bergabhang befindet. Da kann es leicht geschehen, daß der schwere Stamm ins Rutschen kommt, Mann und Pferd gefährdet.

An der Ladestelle werden die Stämme durch die nun quer angespannten Pferde auf den geteilten Wagen gezerrt und auf diese Weise mit 3 bis 5 Stämmen beladen. Zum Schluß verbindet man den Hinterwagen mit den Stämmen durch Ketten und sichert sie gegen Abrutschen durch eingeschlagene Dorne. Auch in der Mitte werden die Stämme durch Ketten mit einer langen Holzreidel zusammengezurrt (gerädelt). An den Reidel werden die Futtersäcke für die Pferde, die Ledertaschen mit dem Proviant gehängt.

Die Heimfahrt stellt oft große Anforderungen an die stämmigen Pferde. Bei größeren Steigungen werden, da meist zwei Gespanne zusammen fahren, die schwerbeladenen Wagen nacheinander durch die mit vorgespannten Pferde die Anhöhe hinaufgezogen. Lautes Geschrei und Schimpfen der Fuhrleute, die, wenn es nicht recht vorwärts gehen will, auch scharfe Hiebe mit der Peitsche austeilen, feuern die sich schwer in die Siele legenden Pferde an. Die Bremsen müssen gut in Ordnung sein, damit bei abschüssiger Fahrt die Fahrgeschwindigkeit gut reguliert werden kann, denn wehe, wenn die Bremsen nicht halten.

Fuhrleute sind bei Wind und Wetter unterwegs, immer im Freien. Das ist beneidenswert, wenn die Sonne über Berg und Tal scheint, wenn es ringsum grünt und blüht, die Natur sich von ihrer besten Seite zeigt. Aber wie sieht es aus, wenn der Himmel seine Schleusen öffnet? Das geschieht im Oberharz sehr oft und ausgiebig. Dann kommt der Mann „trasche“ naß bis auf die Haut nach Hause und es kostet Mühe, die nasse Kleidung bis zum nächsten Morgen zu trocknen.

Auch im Winter ruht der Fuhrbetrieb nicht. Wenn fester Schnee eine gute Schlittenbahn ergibt, wird mit Schlitten Holz, auch Langholz, gefahren. Freilich wird dann der blaue Fuhrmannskittel mit einer dicken Jacke, der Hut mit einer festen Tuchmütze, die man auch über die Ohren ziehen kann, vertauscht. Die Hände schützen dicke Fausthandschuhe aus festem Stoff. Es muß aber auch manchmal mit bloßen Händen gearbeitet werden. Zur Erwärmung klatscht man dann die steifen Hände wechselseitig über die Oberarme. Bei Einbruch der Dämmerung kommt der Fuhrmann doch „storrel steif“ gefroren heim, die Augenbrauen und Barthaare schneeverkrustet und vereist. Die Kleidung muß erst aufgetaut und dann noch getrocknet werden. Die Instandsetzung muß bei dem fahlen Schein eines Ölkrüsels, in späteren Zeiten bei dem freilich helleren Licht der Petroleumlampe vorgenommen werden. Das ist eine Beleuchtung, die bei weitem nicht der Helligkeit unseres heutigen elektrischen Lichtes entspricht.

Zum Langholzfahren benutzte man im Winter nur einen kurzen, kräftigen Schlitten, das „Knäbchen“. Darauf ruhen die Stämme mit ihrem Stammende, während die Spitzen hinten auf dem Wege schleifen. Durch Ketten sind auch hier die Stämme zusammen gereidelt. Geht es bergab, so wird als Bremse einfach eine Kette vorn um die Kufe geschlungen, die dann bremsend nach hintern unter die Kufe rutscht.

Die „Trift“ war für uns Kinder die Rodelbahn. Wir schimpften immer, wenn so eine Langholzfuhre durch die Bremskette unsere schöne, glatte Rodelbahn der Länge nach aufgerissen hatte und wir dadurch nicht mehr so schöne, schnelle Fahrten mit unserem Rodel erzielten. Ebenso hatten die Fuhrleute ihren Unmut, dass wir eine so glatte Fahrbahn geschaffen hatten, auf der die Pferde kaum stehen konnten.

Gefahrvoll war immer die Fahrt mit den schweren Stämmen die „Trift“ hinunter, da diese am Ende durch die anliegenden Häuser sehr eingeengt war. Einmal ist es hier passiert, dass wohl durch Reißen der Bremskette das Tempo der Fuhre beängstigend zunahm. Geistesgegenwärtig konnte der Fuhrmann zwar die Pferde so dirigieren, dass sie keinen Schaden erlitten, der Schlitten aber raste gegen die Hausecke. Ein Stamm „machte sich selbstständig“, durchbrach die Hausmauer und landete beim Ramakers Heinrich in der Werkstatt.

Kamen „Erlauchte“ Persönlichkeiten oder gar der König von Hannover zu Bergwerksbesichtigungen nach Clausthal, wurden sie von der arbeitenden Bevölkerung mit eine „Aufwartung“ geehrt. Dazu stellten sich die Beteiligten mit Blickrichtung zum Oberbergamt auf dem Marktplatz auf, der damals noch schlicht gepflastert war.

Neben den Berg- und Hüttenleuten in ihren Trachten, die Bergleute hielten brennende Grubenlichter in den Händen, neben diesen allen waren auch die Fuhrleute, auch in ihrer Tracht, mit dabei. Die Fuhrherren im weißen Fuhrmannskittel, bunte „Knüppeltücher“ um den Hals, dunkle, breitkrempige Hüte auf, saßen auf ihren Pferden, die reich mit Silber beschlagenes Zaumzeug hatten. Sie nahmen vor der Front ihrer Fuhrknechte Aufstellung. Diese in ähnlicher, wenn auch einfacher Tracht, statt des weißen mit einem blauen Leinenkittel angetan, waren auch beritten. Sie stellten sich hinter ihrem Fuhrherren mit so viel seitlichem Abstand auf, dass sie beim Peitschenschwingen nicht hinderlich waren.

Die „hohen Herrschaften“ waren auf den Balkon herausgetreten. Auf ein Zeichen vom Oberbergamt, aus dem oberen Rundfenster wurde eine Laterne gehalten, setzte ein Peitschenkonzert ein, dessen Rhythmus die Bergkapelle mit einem Marsch dirigierte. Die Bergleute hielten dabei ihre Grubenlampen hoch. Zum Schluß sangen alle: Glückauf, ihr Bergleut’ jung und alt. Das Peitschenkonzert war der Gruß der Fuhrleute an ihren Landesfürsten.

Heute sind die Pferde und mit ihnen auch die Pferdfuhrwerke fast aus dem Blickfeld verschwunden. Fahrzeuge mit Motor, seien es Pkw, Lkw, Omnibusse, Traktoren und Motorräder beherrschen jetzt die Straßen und Wege. Der gemächliche Trott, das Klappern und Stampfen der Pferdehufe ist verschwunden, alles ist schneller, aber auch komplizierter geworden.

Der Fuhrmann wird mit der Zeit aussterben, aber zwei Berufe sind neu entstanden, die der Eisenbahner und der Kraftfahrer und ihre Zahl ist weit größer, als es jemals Fuhrleute gab.