„Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet …“

„Die Bergfuhrleute tragen wahrend ihren Arbeiten lange bis unter die Kniee gehende, weiße, linnene Kittel oder Pufjacken, und haben sonst nichts auszeichnendes in ihrer Kleidung. Des Sonntags sind sie wie andre Bürger gekleidet, aber bey Feierlichkeiten haben sie lange, weiße Kittel an, und machen ihre Aufwartung mit Peitschenknallen, worin sie, in Absicht des Takts und der Stärke, alle andere Fuhrleute bey weitem übertreffen.“

Sven Rinmann’s König. Schwedischen Bergraths und Ritters des Wasa-Ordens allgemeines Bergwerkslexikon. Nach dem Schwedischen Original bearbeitet und nach dem neuesten Entdeckungen vermehrt von elner Gesellschaft deutscher Gelehrten und Mineralogen. Erster Theil. enthält A bis Berg. Mit Kupfern. Leipzig 1808.  bey Fr. Chr. W. Vogel, S. 634.

Hohe Kornpreise

„In den beiden letzteren Jahren ist wegen der hohen Kornpreise der Verkauf sehr bedeutend gewesen, indem er im J. 1829, 14387 Malter, im J. 1830, 11964 Malter betragen hat. Diese Einrichtung wirkt nicht allein direct vortheilhaft auf den Unterhalt der Berg- und Hüttenleute, sondern auch im Allgemeinen indirect auf die Erniedrigung der Kornpreise. Die bei den Eisensteinsgruben und Eisenhütten angelegten Arbeiter, so wie die Wald- und Wegearbeiter erhalten kein Magazinkorn, sondern Statt dessen eine verhältnißmäßige Geldentschädigung (sogenannte Brodzulage) wenn der Preis eines Himtens Rocken 1 Thaler und darüber betragt. Eine andere bedeutende Hülfe bei der Anschaffung der aus dem Lande zu beziehenden Früchte, besteht in der sogenannten Haferzulage, einer verhältnißmäßigen Entschädigung, welche die Bergfuhrleute empfangen, wenn der Preis des Himten Hafers über 12 Mariengroschen steigt; wobei angenommen wird, daß ein Pferd 5 Himten Hafer wöchentlich bedarf; welche Unterstützung um so billiger erscheinen muß, da die durch die Steilheit der Berge verursachten , schweren Transporte, sehr starke Pferde und große Kraftanstrengung derselben erfordern.“

Über den gegenwärtigen Zustand und die Wichtigkeit des Hannoverschen Harzes. Von Dr. I. Fr. L. Hausmann, Königlich Großbritannisch – Hannoverschem Hofrathe und ordentlichem Professor an der G. A. Universität zu Göttinnen, Ritter des Königlichen Guelphen- Ordens, der Königlichen Societat der Wissenschaften zu Gittingen und anderer gelehrten Gesellschaften Mitglied«. H. Mit sechzehn Anlagen. Gö t t i n g e n , in der Dieterichschen Buchhandlung 1832, S. 81.

1674 – 24. März – Edict, daß die Fuhrleute und jedermann die rechte Heerstraße gebrauchen, und aller Um- und Nebenwege sich enthalten sollen ; und wie allen Unterschleiffen wegen der Verzollung vorzukommen.

1698 – Herzog Georg Wilhelm‘ allgemeines Edict, daß die Fuhrleute und Postknechte »sich der Nebenwege über Acker – und Wiesen enthalten, u. dergleichen nicht machen sollen.

1716 – 28. December – Wegen der Betriegereyen der Berg-Fuhrleute/

(an anderer Stelle bezeichnet: „1716 – 28. Dezember. – N. XXXVII. Edictum, welchergestalt die Betrügereyen der Berg-Fuhrleute zu bestrafen vom 28. Decembr. 1716.“)

1727 – 12. May – N. CLXIX. Patent, daß die Fuhrleute welche Zollbahre Waaren geladen, so von Haarburg nach, Celle, Hannover, und Hildesheim, oder von dannen nach Haarburg gehen, präcise auf die Zoll-Städte zu Witzendorff; welche aber von Haarburg nach Westphalen, oder aus Westphalen und der Orten nach Haarburg gehen, präcise auf den Zoll zu Soltau zufahren sollen, vom 12. May 1727. p.446.

1740 – 17. Verordnung vom 12. März 1740, gegen diejenigen, so die Göttinger Stadtforsten bestehlen und verwüsten. Georg der Andere u. z
Würde auch jemand von denen beendigten Forst-Bedienten, wider Verhoffen, sich unterstehen, mit denen Fuhrleuten, Handwerkern, Invaliden, Unterthanen, oder sonsten jemand, cs sey wegen Deichseln, Karren- und Leiter -Bäume, oder allerley Nutz- Brenn- und andern Holtzes, es bestehe worin es. wolle, Unterschleiff zu treiben, nnd selbigen gefliessentlich durch die Finger zu sehen, mithin nicht nur eines Diebstahls, sondern auch des Mayn- Eydes sich schuldig machen, derselbige soll neben Entsetzung seines Dienstes mit dem Karrenschieben auf ein, und dem Befinden nach mehr Monathe unabbittlich bestrafft werden

Verordnung «l. 6. Ratzeburg den 6. März 1746, über die Hornvieh seuche. Georg der Andere «. «.

 

Quelle: Sammlung der Verordnungen und Ausschreiben, welche für sämmtliche Provinzen des Hannoverschen Staates etc. Mit Genehmigung des Königs. Cabinets-Ministerii herausgegeben von Ernst Spangenberg Dr. beider Rechte und Königl. Großbritannisch – Hannoverschem Hofe und in der Justiz Canzley zu Zelle. l E r st e r T h e i l, die Jahre 1740 bis 1769 enthalten Hannover, in der Hahnschen Hof.Buchhandlung 1819.

… biß an den Hartzwald“

„Wir lagen an der Weser/ dort um Hammeln / als ich meinen Cammerathen überredet / daß er mir seine Musquete/ auff die Mauserey verliehe / und so lang meine Piqué trug / biß ich wieder käme / und eine Beut mitbrächte ; es glückte mir auch / dann unserer dreh / darunter ein L.andskind war / der alle Weg und Winckel wol wuste / erkundigten einen Güter-Wagen /  von Bremen nach Cassel zu gehen willens / und nur einen einzigen Hessischen Musquetirer zur Convoy bey sich hatte , demselben giengen wir zugefallen / allerdings biß an den Hartzwald / und da er an den Ort kam / wohin wir ihn gewünscht / schössen wir gleich im Angriff den Musquetirer/ den Fuhrmann und den Knecht nieder / weil jeder seinen Mann gewiß vor sich genommen ; spanten hernach 6 schöne Pferde aus / und öffneten in der Eil von Ballen und Fässern / was wir Konten / worinnen es viel Seiden-Wahr und Englisch Tuch setzte / das allerbäste aber vor uns / stack in einem Fäßlein voller Karten / nemlich ungefehr bey 1200. Reichsthalern / welches ich zwar fande / aber mit meinen Cammerathen treulich theilete; wir sprachen den Pferden gleichsam über ihr Vermögen zu / und indem wir in kurtzer Zeit einen langen Weg hinder sich legten / entronnen wir aller Gefahr / und langten eben beiden Unsrigen an/ als Pappenheim sich fertiggemacht / den Bannier vor Magdeburg hinweg zu schlagen.“

aus: Des possirlichen / weit und breit bekannten Simplicissimi sinnreicher und nachdenklicher Schrifften Zweiten Theils Erstes Buch / von dem seltsamen Springinsfeld / oder Dessen kurzweiligen / Lust-erweckenden / und recht lächerlichen Lebens-Beschreibung / Als eines weiland frischen / wohlversuchten und tapfern Soldaten. Und nachmahlen ausgemärgelten abgelebten / doch dabey sehr verschlagenen Landstürtzers und Bettlers / nach Simplicianischer Anordnung Erstesmal verabfasset 1670. anjetzo aber wieder neu / und drittenmal verbässert / vermehret und aufgelegt von Philarcho Grosso, von Trommenheim im Jahr 1685, S. 61.
(Quelle: play.google.com/books)
Bild

Der Fuhrmann

Der Fuhrmann
denckt an die Himmels-Stadt wann ihr seid müd und matt.

Ich bin mit meinem Gott zufrieden.
Er lad‘ auff  Last, ich halte still.
Er führe welchen Weg Er will,
die Liebe bleibt doch ungeschieden.
Ich weiß, der Führer meiner Zeit
führt zu der sanfften Ewigkeit.

Text: Abraham a Sancta Clara
Abbildung: Christoph Weigel Quelle: Deutsche FotothekBild

„Etwas für alle, das ist: eine kurtze Beschreibung allerley Stands- Ambts- und Gewerbs-Persohnen, mit beygeruckter sittlichen Lehre und biblischen Concepten, durch welche der fromme mit gebührendem Lob hervor gestrichen, der tadelhaffte aber mit einer mässigen Ermahnung nicht verschont wird; allen und jeden heilsamb und leitsamb, auch so gar night ohndienlich denen Predigern, verfertiget durch P. Abraham à S. Clara …Verlegt, und mit Kupfern vermengt durch Christoph Weigel in Nürnberg, auch in Wien zu finden bey Johann Carl Hueber … Würtzburg, Gedruckt bey H. Hertzen, 1699.“

Festumzug mit Pferdefuhrwerk

Festumzug mit Pferdefuhrwerk (Hille) zum 200jährigen Bestehen der Buntenböcker Schützengesellschaf, im Hintergrund die geschmückte Pension Höhlein. August 1958. Foto: Gerd Dasenbrook

Festumzug mit Pferdefuhrwerk (Hille) zum 200jährigen Bestehen der Buntenböcker Schützengesellschaft, im
Hintergrund die geschmückte Pension Höhlein | August 1958 | Foto: Gerd Dasenbrook

Da Du, theurer Leser, vielleicht nicht weißt, was „Velveteen“ ist, so erlaube ich mir, Dir zu erklären, daß dieses ein englisches Wort ist, welches sammtartig bedeutet, und man benennt damit eine Art Sammt von Baumwolle, woraus sehr schöne Hosen, Westen und sogar Kamisöle verfertigt werden. Es trägt dieser Kleidungsstoff auch den Namen „Manchester“, nach der gleichnamigen Fabrikstadt, wo derselbe zuerst fabrizirt wurde.

Heinrich Heine

Heinrich Heine’s Memoiren über seine Jugendzeit, hg. von Eduard Engel in: Die Gartenlaube (1884). Leipzig: Ernst Keil, 1884, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1884)_230.jpg&oldid=1989264 (Version vom 20.04.2013)

Aufwartung

Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

Illustrierte Zeitung, Leipzig, Berlin, Wien, Budapest, New York, Bd. 43, 3. September 1864, S. 160.

„Wie dergestalt die Arbeit – was sie sollte – Zweck und nicht Mittel des Lebens wird und alle menschlichen Beziehungen regelt, so ergeben sich aus ihr auch allerlei Sitten, Rechte und Gewohnheiten, Feste und Freuden. Etwa war früher, zu hannoverschen Zeiten, wo öfters der König oder ein Anverwandter des „höchsten Bergherrn“ auf den Harz kam, die „Aufwartung“ eine besondere Freude der Berg- und Waldleute.
Zu Ehren des Besuches formierte sich am Abend ein Zug der gesamten Belegschaften, jede Art von Arbeitern in ihrer bestimmten Tracht: die Bergleute im schwarzen Leinwandkittel, Hinterleder und Grubenlicht; vor ihnen die Beamten in der Puffjacke mit dem Häckel in der Hand; die Hüttenleute in grossen Lederschürzen mit langen Fackeln; die Fuhrherrn im blauen Kittel, breitkrempigen schwarzen Hut, manchesternen Kniehosen und langen Gamaschen, die lange Peitsche in der Hand; mit diesen Peitschen knallten sie kunstreich, wenn sie vor dem Balkon des Amtshauses vorbeizogen, wobei Anfang und Ende des Knallkonzerts ihnen durch ein Licht von einem bestimmten Dachfenster aus angegeben wurde;
da trugen dann die Köhler schneeweisse Kittel und weisse Leinwandgamaschen, aber Gesicht und Hände liessen sie so schwarz, wie sie bei der Arbeit waren, ja, machten sie wohl noch schwärzer in Stolz auf ihren Stand.
Heute findet eine Aufwartung noch statt, wenn der Minister kommt; aber wenigstens die Berg- und Hüttenleute ziehen heute alle zwei Jahre zum Knappschaftsfest in ihrer alten Tracht auf.“

Paul Ernst; Der Harz, mit acht Vollbildern, Reihe Städte und Landschaften, hg. von Leo Greiner, Stuttgart (Carl Krabbe Verlag, Erich Gussmann) o.J. (1900?), S. 110f.

Bergwerksverwandte, Bergverwandte, Verwandte

Bergwerksverwandte п., auch Bergverwandte, Verwandte — Jeder, welcher zu dem Bergbau in irgend einer, gleichviel ob näheren oder entfernteren Beziehung steht: Alle Bergwerksverwandten, es seyn Geteerken, Bergbeamte, Hutleute , Erztknappen , und Schmelzer , oder die dazu gehörigen Arbeitsleute , Erztsamer [Erzsaumer, der den Transport des Erzes mit Saumthieren besorgt,] und Fuhrleute, auch wer immer den Bergwerken zu- oder davon zieht, sollen . . ein sichere* Geleite haben. Sperges 230. Schneider §. 299.“

Quelle: Heinrich Veith, Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen, Breslau (Verlag Will. Gottl. Korn) 1871, S.93f., Art. „Bergwerksverwandte“.

Eisensteinsfuhr im Harz

„Bey der Eisensteinsfuhr von dem Elbingerröder Gruben bedient man sich bald der ein- und bald der zweispännigen Höhlen, je nachdem der Fuhrmann es für gut findet; nach den Andreasberger Gruben hingegen fährt man beständig mit ersteren, weil es hier auf dem Rückwege hin und wieder so steil bergunter geht, daß das hintere Pferd *) nicht im Stande seyn würde, ein zweispänniges (oder ganzes) Fuder aufzuhalten.
Im Winter, wo die meisten Eisensteinsfuhren geschehen, gibt es am Harz gewöhnlich Schnee genug, um sich der Schlitten bedienen zu können; es werden als darin die nämlichen einspännigen oder Halbfuderhöhlen, die sonst auf Karren liegen, auf Schlitten gelegt.

*) Man bemerke hier, daß bey dem Fuhrwerk am Harz überall die bekannten gabelförmigen Deichseln Statt finden, und zwei Pferde nicht neben, sondern vor einander gespannt werden.

Johann Georg Stünkel, Hüttenschreiber; Beschreibung der Eisenbergwerke und Eisenhütten am Harz, zum Gebrauch für reisende und zur Durchsicht für nichtreisende Freunde des Berg- und Hüttenwesens, Göttingen (Dieterich) 1803, S.159f

bei den bergleuten heiszt höhle, auch höle und hölle ein kasten von bestimmten dimensionen (ursprünglich aus gehöhlten baumstämmen), in welchem das erz auf die hütten geschafft wurde.Veith bergwörterb. 274. – Quelle: Wörterbuchnetz