1554 – Die Anfänge

Um dieselbe Zeit und im Jahr 1554. hat Hertzog Ernst zu Braunschweig / Herr zu Eimbeck und Grubenhagen beleget und wieder angefangen zu bauen das Bergwerck zur Clauß auf dem Hartz / durch welche Veranlassung die Bergstadt Clausthal / welche den Namen von der dazumal im Walde hinter und unter dem Fürstlch. Amthause um die Gegend des Sorgerteiches liegenden Clauß bekommen / erbauet worden / und den Anfang ihres itzigen / GOTT gebe noch lange Jahre beständigen Wesens und Zustandes genommen / und sind die ersten /  die alhier etwas wieder gemuthet und aufgenommen / gewesen  Valentin Fleischer und Brosius Schuster / welcher im Jahr 1536. unter Hertzog Heinrich für einen Heintzensteiger* sich gebrauchen lassen / und die alte Zeche Wildemann zum ersten gewärtiget hatte.

Es hat Herzog Ernst in selbigem Jahr die Bergwercke mit einer herrlichen Bergfreiheit angesehen und begnadet / und als er im Jahr 1567 ohne Männliche Leibes Erben diese Welt gesegnet / und ihm dessen Herr Bruder Hertzog Wolffgang in der Regierung gefolget / hat derselbe nicht allein über der gegebenen Bergfreiheit und Ordnung steif und fest gehalten / und im Jahr 1593. dieselbe erneuret / und aufs neue publiciren laffen / sondern ist auch dem Bergwerck so zugethan gewesen / daß er / da etliche Zechen / als der Rosenhof / Thurmhof / S.Anna / Gegendrum über die 8000 fl. in Schuldt gerathen/ denen Gewercken solche gnädig erlassen / damit fie nicht müde gemachet oder abgeschrecket werden mochten. Der löbliche Bergherr hat auch hierauf den Seegen Gottes alsbald wieder verspüret / und das jenige / was er erlassen / reichlich und überflüssig wieder empfangen. Es ift auch Hochgedachtem Hertzog Wolffgang nach Absterben Graff Ernsts des letzten seines Nahmens und Stammes / Grafen zu Hohnstein / Lohra und Clettenberg / im Jahr 1593. die Grafschaft Lutterberg / samt der freyen Bergstadt Andreasberg und dem Schloß und Amt Schwartzfeldt jure directi dominii als Lehnherrn wieder anheim und zugefallen. – Vor hochgedachte Hertzogen haben sich zum Clausthal vielfältig aufgehalten/ und mit Jagen ergetzet / dero Behuf ihr Ablager auf der Müntze gehabt / die denn noch bei unserm Andencken ringsum mit einem tieffen Wassergraben umgeben / und mit einer Brücke versehen gewesen. Allernechst dabei zur rechten Hand / hat dero Hofbedienter einer von Gladebeck / ein Hauß gehabt / gleich wie die von Birckenfeldt zum Buntenbock / von welchen beiden die rudera noch zu unsern Zeiten zu sehen gewesen.

Thomae Schreibers Kurtzer Historischer Bericht Von Auskunft und Anfang Der Fürstlichen Braunschweig-Lüneburgischen Bergwercke an und auf dem Hartz / derselben unterschiedlichen Fällen und Auflassung und letzten Wieder-Aufnahme. Zum Andernmal aufgelegt und vermehret. In Verlegung Bartholdt Fuhrmanns / Buchhändlers in Osterode und Northausen. Rudolstadt / Gedruckt bey Christoph Fleischern / Im Jahr 1678, S.15ff.

* Fachleute in der Hebung des Grubenwassers im Bergbau.

HEINZENKUNST, f. wasserhebemaschine des ältern bergbaues. Veith bergwörterbuch 271. vergl. Heinz 4, a sp. 890.

a) Heinz, eine wasserhebemaschine des ältern bergbaues. Veithbergwörterb. s. 271; helt er das wasser mit wasserknechten, oder hengt seine künste, pumpen, heinzen, bulgen, oder groszen zeuge.Mathes. Sar. 64a; da man bei uns mit groszen künsten, heinzen, taschhespeln, pumpen das wasser hebet oder herausz zeucht. 125b. s.heinzenkunst.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. s. http://www.woerterbuchnetz.de

Pose in Rot

Pose in Rot

Carl Bormann (1874-1942), Sohn des Fuhrherren Wilhelm Bormann, um 1895, hinter dem elterlichen Fuhrherrenhaus in Buntenbock im Oberharz – in der Hand ein Buch, lässig an den Stuhl der Vorfahren gelehnt. Der junge Mann in den Zwanzigern bereitet sich zu dieser Zeit auf seinen späteren Beruf als Pochsteiger in der Zentralen Erzaufbereitung der Königlich Preußischen Berginspektion Clausthal im Innerstetal vor. Carl Bormann bleibt in Buntenbock, heiratet, hat mit seiner Frau Anna drei Kinder, wird Gemeindeschulze und Kirchenvorsteher. Der leidenschaftliche Skifahrer gehört 1907 zu den Gründern des Ski-Club Buntenbock.

Das weiß ein Fuhrmann … das lernt die Lerche

Alles was der Mensch einem Thier wird lehren/ das muß er bloß durch Zeichen thun; es sey mit Ruffen oder mit Weisen/ oder mit so oder so das Thier anzugreiffen oder zu leiten. Wenn sie nun darzu so oder so gewohnet/ bewegen sie sich/ geben einen Thon oder Gelaut/ oder gehen und kehren wiederumb/ oder thun das eine oder das andere/ darzu sie/ ihrer Arth nach/ bequem seyn.  Das weiß ein Fuhrmann an dem Wenden seiner Pferde/ das siehet man an den Hunden. Das thun die täglich/ welche den Sang-Vögeln solche Weisen lehren/ als sie wollen. Also lernet ein Nachtigal oder Lerche von sich selbst/ nachdem sie dieses oder das Geläute am meisten hören/ oder da der Lufftstreich zu solchen Klang bequem darzu ist/ und auch die Liederlein/ die der Vogel zu singen hat/ oder so oder so darvon bewogen/ und durch Stetigkeit und mannigfältige Wiederholung darzu gewohnet ist.

Balthasar Bekker; Die bezauberte Welt oder Eine gründliche Untersuchung des Allgemeinen Aberglaubens/ Betreffend/ die Arth und das  Vermögen/ Gewalt und Wirckung des Satans und der bösen Geister über den Menschen/ Und was diese durch derselben Krafft und Gemeinschafft thun: So aus natürlicher Vernunft und H. Schrifft in 4 Büchern zu bewehren sich unternommen hat, Balthasar Bekker, S. Theol. Doct. und Prediger zu Amsterdam Nebst des Authoris generale Vorrede über diese seine 4 Bücher; Wie und welcher Gestalt dieselbe zu lesen/ der Zweck seines Vorhabens/ und dann die Ordnung/ so er darinnen gehalten, aus dem Holländischen nach der letzten vom Authore vermehrten Edition. Gedruckt zu Amsterdam/ bey Daniel von Dahlen/ bey der Börse/ Anno 1693. In die Deutsche Sprache übersetzet.

IV. Buch, S. 54.

Das Rossegespann, das mich trägt, zog mich fürder, soweit ich nur wollte, nachdem es mich auf den vielgerühmten Weg der Göttin geleitet, der allein den wissenden Mann überallhin führt.
Auf diesem also fuhr ich; dorthin nämlich brachten mich die vielverständigen Rosse, die den Wagen zogen, und die Mädchen wiesen den Weg.

Die Achse knirschte in den Naben sich heisslaufend mit pfeifendem Tone. Denn sie ward beiderseits von zwei wirbelnden Kreisen beflügelt, wenn die Heliadenmädchen, welche das Haus der Nacht verlassen und nun den Schleier von ihrem Haupte zurückgeschlagen hatten, die Fahrt zum Lichte beeilten.

Da steht das Thor, wo sich die Pfade des Tages und der Nacht scheiden; Thürsturz und steinerne Schwelle hält es auseinander; das Thor selbst hat eine Füllung von großen Flügeltüren; die einpassenden Schlüssel verwahrt Dike, die gewaltige Rächerin.

Parmenides, * um 520/515 v. Chr.; † um 460/455 v. Chr., Lehrgedicht I,1ff.

Parmenides, Lehrgedicht, Griechisch und Deutsch, von Hermann Diels, mit einem Anhang über griechische Thüren und Schlösser, Berlin (Georg Reimer) 1897.

Fuhrmannslerche

fuhrmannslerche, f., kommt nur in der redensart vor die fuhrmannslerchen singen. man sagt dies von dem weit hörbaren knirren der räder eines fuhrwerks, wenn diese sich über den gefrornen schnee, überhaupt auf einem gefrornen wege bewegen. s. liter. centralbl. 1865 sp. 670. die peitsche knallte und wir fuhren dahin durch die schneebedeckte landschaft. die räder gaben jenes unheimliche kreischen von sich, von dem man sagt: die fuhrmannslerchen singen. im feuilleton der Leipz. modenzeitung 1865 nr. 4 s. 31. gewöhnlich jedoch hört man nur die lerchen singen, zumal da im winter, bei schnee und eis, an den vogel selbst sich nicht denken läszt.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 04.01.2014.

1841 – Die Truhe

Die Geldtruhe des Jakob Bormann von 1841 erinnert an die große Zeit des Fuhrherrenwesens von Buntenbock. Sie hatte zuletzt ihren festen Platz in der Wohnstube des Bormannhauses. Rund 40 cm hoch, aus starkem Metallblech gefertigt und mit stabilen Vorhängeschlössern versehen, bot sie den Dokumenten, Wertpapieren und Geldbeständen des Fuhrherren einen sicheren Schutz vor Brand und Diebstahl. Ein transportabler Safe – nach Aussage von Louise Höhlein (1907 – 1993), Nachfahrin der Fuhrherrenfamilie Bormann, wurde die Geldtruhe auch auf längeren Fahrten mitgeführt. Es hieß, sie sei in besseren Zeiten bis zum Rand mit Talern gefüllt gewesen – und mit Schuldscheinen …

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Abbildung oben: Geldtruhe des J. Bormann, vermutlich Heinrich Jacob Bormann (1781-1853), Fuhrherr in Buntenbock,  arrangiert mit „Frosch“, Familienportrait und Portrait seines Enkels Carl Bormann (1874-1942), Ortsvorsteher von Buntenbock und Initiator der Gründung des Ski-Clubs Buntenbock, von Hermann Wolff, Lerbach.

Abbildung unten: Messingschild mit Gravur auf dem Truhendeckel: „J Borrmann 1841“.

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Taler (1836) Königreich Hannover mit Konterfei Wilhelm IV., König des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland und König von Hannover (1765-1837).
(Foto: gemeinfrei, Quelle: http://de.mobile.wikipedia.org/wiki/Datei:1836_Wilhelm_IV_Hannover.JPG)

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Taler (1846) – Ernst August I., König von Hannover (1771-1851).
(Foto: gemeinfrei – Quelle:http://en.wikipedia.org/wiki/Ernest_Augustus_I_of_Hanover)

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Schuldschein des Heinrich Jakob Bormann zu Lasten seines Schwiegersohns Heinrich Christian Hille (1809 – nach 1841).

Transskript:
Bundenbok fünften (?) november 1851

an Meinen Schwieger Son Christian Hille
Habe Ich Volgendst Kabbidal Bar gegeben
Im Jar 1843 Summa 1000 Tha
Im Jar 1852 – – – 500 Th. Summa 1500 Tha

Jacob Bormann

Quelle: Bormann Archiv Berlin

Holzfuhr im Pelz

Holzfuhr im Pelz

Aufnahme um 1900, Buntenbock, Bormann Archiv Ottensen

Preisabsprachen

Noch stärkere Spannungen und Rivalitäten … bestehen zwischen privatem und öffentlichem Transportwesen. In Frankreich erstreben die „Fuhrpächter“ der königlichen messageries, die Reisende und kleinere Frachten befördern, das Monopol über das gesamte Transportwesen, doch scheitern alle Erlasse zu ihren Gunsten am eisernen Widerstand der Kaufleute, denen es nicht nur um die Freiheit des Fuhrgewerbes, sondern letztlich v. a. um den Preis geht. „Besagte Freiheit des Preises … ist für das Geschäftsleben so wichtig“, berichtet Savary des Bruslons, „daß die Six Corps der [Pariser] Kaufleute sie in einer 1701 eingereichten Denkschrift  … als rechten Arm des Handels bezeichnen und ganz unverhohlen vorbringen, die Güterbeförderung, die sie mit den Pachtkutschen und -karossen der messagers  auf 25 bis 30 Livree komme, belaufe sich bei den Fuhrunternehmern nur auf 6 Livres. Denn während die Fuhrpächter niemals einen Preisnachlass gewähren, lasse sich mit den anderen eine Preisabsprache treffen, bei der die Kaufleute ebenso mitzureden hätten wie die Fuhrherren.“
Man muß die letzten Zeilen zweimal lesen, um ihre Tragweite zu erfassen und zu begreifen, warum sich der freie Fuhrverkehr der kleinen Leute und mittleren Transportunternehmen halten konnte.

Fernand Braudel; Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts, Der Handel, München (Kinder) 1986, 385f.

… hinreichend breite Hemmschuhe

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Der Beschädigung des Forstes, welche dadurch erfolgt, daß Fuhrleute aus den Wegen fahren und Nebenwege machen, vorzubeugen, giebt es nur ein genügendes Mittel: den eigentlichen Weg in gutem fahrbaren Stande zu halten, und dann alle Nebenwege durch vorgezogene tiefe Gräben unbenutzbar zu machen.
Folgende Gegenstände verdienen hinsichts der Wegebesserung und Erhaltung der Wege Beachtung. Im Lehmboden müssen dieselben so weit aufgehauen seyn, daß sie durch den Luftzug und die Sonne ausgetrocknet werden. Auch wird daselbst eine solche Breite oft unerläßlich, daß die Fuhrleute nicht nöthig haben, immer einer und derselben Gleise zu folgen. Wo Vertiefungen sind, in welchen sich Wasser zusammenzieht, müssen Abzugsgräben und kleine Brücken angelegt werden, einzelne entstehende Löcher sind schleunig, so wie sie bemerkbar werden mit Faschinen oder zerschlagenen Steinen auszufüllen, die jedoch hinreichend mit Sande oder Kies in den Zwischenräumen ausgefüllt und oben bedeckt werden müssen, so daß ein fester Damm dadurch entsteht.
— Im Sande läßt sich nichts thun, um den Weg fester zu machen. Im Bruchboden, oder an bruchigen Stellen, ist das Auslegen des Weges mit Faschinen und Bedecken derselben mit Kies und Sand unstreitig das beste Mittel, um die Fahrbarkeit des Weges zu sichern. — An Bergen muß vorzüglich darauf gesehen werden, daß die Fuhrleute hinreichend breite Hemmschuhe anwenden, um die Gleise nicht tief auszufahren, und daß das in den Wegen herabströmende Wasser durch Balken, im stumpfen Winkel eingelegt, in Gräben geleitet wird, die mit dem Wege parallel laufen, auch jede ausgewaschene Stelle gleich im Anfange mit eingestampften Steinen wieder ausgefüllt wird.

Durch die Köhlerey kann den Forsten vielfach Beschädigung zugefügt werden. Um sie zu verhüten, ist die Wahl der Kohlstellen so anzuordnen, daß nicht Feuersgefahr entsteht, durch die An- und Abfuhren des Holzes nicht Schaden geschieht, die benachbarten Bäume und Dickungen nicht durch den Meilerrauch beschädigt werden. Das Laub oder der Rasen, womit der Köhler deckt, muß demselben an solchen Orten angewiesen werden, wo er es ohne Nachtheil für den Forst wegnehmen kann; auch die Weide für die Köhlerpferde, wenn er solche bedarf, verlangt sorgfältige Beachtung, weil sonst dieselben leicht Schaden auf den Schlagen und in den Schonungen thun. Da der Tag und Nacht im Holze sich befindende Köhler schwer zu controlliren ist, so erfordert er genaue Aufsicht, damit er nicht Material zum Anzünden, zu Fackeln, oder gar zu Holz zum Füllen, auf unerlaubte Art an sich nimmt.

Wilhelm Pfeil; Die Forstwirtschaft nach rein praktischer Ansicht so wie sie der Privatforstbesitzer oder Verwalter führen muß, um sie in Verbindung mit der Landwirthschaft am vorteilhaftesten einzurichten, Leipzig 1831, S. 166f.

1856 – Ä Peitschen-Schtanderl for de hung Herschaften

Mei Blick gieht links niewer nohng Amthaus, wos dan grußen Platz an disser Seit su schien obschließt. Ä prächtiger Bau, äne Zier for dr ganzen Schtadt. War alle ist do in frieherer Zeit aus- un ängegange, war is do net alle zu Gast gewasen bei dan jeweiling Barkhauptmann: v. Meding, v. Knesebeck, v. Linsingen, Ottiliae!
Unner altes hannoversches Kenigshaus hot ahch Clasthol besucht un do länger verweilt. De Harzer hab se doch will garen gehatt.

An Mittwoch, den ärschten Oktober 1856 kam dr Kenig Georg V. mit dr Kenigin Marie, dn Krunprins Ernst August un dan bäden Prinzessinne Friederike un Mary in Clasthol ahn. Ä greßrer Aufwand ist wull of dn Harz noch net gemacht als wie bei disser Gelahnghät.

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An Nohchmittohk wir de Königsfamilig dorch dn Harr Barkhauptmann v. Knesebeck un än Regierungsrath bei dar prächtig Ehrenpfort, die interhalb dr Lerbacher Eisenhitt aufgefiehrt war, in Empfang genumme un begrißt, von do gängs mit Fuhrleit als Vierreiter dorch Schpalljehs von Waldarptersch, Hitten-, Bark- und Puchleit bes an dr zwäten Ehrenpfort, die uhm vor Clasthol ahngelegt war un die sich wunderbar schien ausnahm. Hie wurn de huhng Gäst von Clastholer Magistrat, von dr gansen Gästlichkät, Bark- und Hittenbeamten un dan Bergerschaftsvertratern empfange un begrißt un denn wieder dorch än ununterbrochne Schpalljeh von Bergern dr Osterederschtroß nunter bes nohng Amthaus gebrocht, wu de Kenigsfamiilig for dr nächsten Zeit Quartier namme wollte.
Alles schteckte in Grien un kä Haus war ohne Zier. Su ne Menschenmeng war will noch net of de Bän gewasen un besundersch of dr Osterederschtroß.

An Ohmd war äne gruße barkmännsche Aufwartung vor’n Amthaus. Disse Aufziehg kännt ju jeder Harzer; se sän, besundersch an Ohmd, bei dan vielen brenneten Gruhmlichtern, su ähngartig schien, daß se ä Jeder garen wiedersieht. De Barkmusiker in ihren schmucken Ohneform, dar korzen schwarzen Jack mit dicke goldne Schmier, dan griene Schachthut mit silberne Schlegel un Eisen un blanken Hinterlader, machte Morring- un Tafelmusik un war fast schtännig an dr Arpt.

Jeden Tohk machte nu dar Kenntliche Besuch Ausflieg un alles, wos es Sahn wart, han se in Ahngschän genumme. Wu se hinkame, war Alles in schännsten un frischsten Schmuck; ich will mant nenne de Prinzenlaube, de Barkwarkswohlfahrt un de Bitt. Hie warsch äne wahre Pracht. Än Tohk wir nohch dan neue Richtschacht in Burgstedter Zuck gefahren, dar for dan alten Dortheer Schacht abgesunken waren sollte. Har krehg in dr Taaf von dr Kenigin Marie sän Name un hieß von nun ahn: Kenigin Marie-Schacht.
An Freitig Ohmd war wieder äne Aufwartung von Berger un Schutzen, die ahch mit viel’n Glans verlief.

An Mantig Mittohk ließ de Kenigsfamilig von Amthaus rob „rappen“ un Alt und Jung nahm Ahnthäl an dissen saltne un äntregling Vergnieng. Weil es Rappen in dr Walt immer saltner wärd un dorim mannig Äner zunt gar net meh wäß, wos dos ähngtlich is, su will ichs hie sahn: de Kenigin un ihre Kinner hatten kläne Kerb vull neies Silwer- un Kuppergald un schräten dos nu mit vullen Händen uhm von Balkon rob.
Es Rappen hatte ju Käner gelarnt – wu sollter dos ahch larne! –

un doch verstanden se’s Alle. De arm‘ Leit, for dies beschtimmt war, un de Kinner un ahch noch Annre han kän Pfifferling liehng loßen un dr Amthausdiener hatte net nethig, harnohcher wos zesammezefahng. Es war wie gelackt do.

An dissen Mantig Ohmd war ahch äne wunderschiene Illumenation, bei dar ower ahch in’n klänsten Gassel Lichter in de Fanster schtanden. Hibsche Transparente mit sinning Inschriften brochten denn noch äne ahngenahme Obwachslung drzwischen. Ä paar drvon sän mr noch bekannt geworr’n un ich will se mit harsetzen: dr alte Kemena hatte geschriehm:

„Einst sprach Dein Ahn:
Der Harz ist doch die beste Perl‘ in meiner Kron!
Sprich Du es auch, geliebter König, lehr‘ es Deinem Sohne
Und achte nicht des Landes Wahn!“   (?)

An Finans-Revisor Lahmeyer (schpätern Ewerbarkrath) sän Haus war zu lasen:
„Des Königs Huld, der Königin Herz,

Des Waldes Gedeihn und Tausend Jahr Erz –
Wenn das der Himmel dem Harz bescheert,
Dann hat er nichts weiter, was er begehrt!“

Dr Ey in „Drei Linden“ an dr Osterederschtroß hatte ä schienes Transparent gemacht; seine Inschrift ließ sich dr blinde Kenia bei sän Dorchfahren laut un vernehmlich zwämol vierlasen. Sie lautete:

„Georg V. und Marie
Heil, Heil auf ihrem Thron!
Wenn ihre Gnad‘ doch mir verlieh‘
Hier eine Konzession!“

Es blie ower bän Alten – har krehg käne.

Ahch ä Peitschen-Schtanderle han de huhng Herschaften vorn Amthaus zu hären gekrehng, wie’s de Barkfuhrharrn mit ihren Fuhrleiten bei festling Gelahnghäten auffiehrten.
Mr hots wull noch nerringst annerschtwu gehärt. Un wenns ahch blus Peitschen waren, wu se drmit knallten – es härte sich doch gut ahn. Se waren gut ängeibt, un in frischgewaschne blae Kittels mit weißer Schullerschtickerei, dan bräten schwarzen Filzhut of dn Kopp, traten se denn, daß se sich net gehngseitig in’n Gesicht schluhng, su weit ausänanner ahn, wie de Hulane, wenn se ihre Lanzen-Iwunge machen. Un denn gäng’s ower lus, in schännsten Takt  – pfatsch, patsch, pfaaatsch! daß än Hären un Sahn verging.

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De Kenigswoch war zu End gegangen; äne ganze Woch‘ hatte es Hannoversche Königshaus unter seine liehm Harzer verweilt; se hatten sich känne gelarnt. Su ruhig un sicher wie in sein‘  ahngeschtammten Ferschtenschloß in Hannover hatte dr Landesvater do in Amthaus sei Haupt niederlehng känne. Un do waren de Harzer ahch schtols drauf. Dr Kenig hatte mt seiner ganzen Familig viel Fräd‘ bei uns erlabt, un wenn ’ne ahch es Ahnglicht, de herrlichste Gottesgab, versaht war, so hottersch doch in jeder Schtunne vermumme, wie ne seine Harzer Landskinner zugethan waren.

An Mittwoch den 8. Oktober verließen unnre Gäst Clasthol wieder un fuhren nohch Blankenburg zu, wu se dn Herzog Wilhelm von Braunschweig, ihren huhng Verwandten, än Besuch zu machen gedachten. Dr Obschied war of bäden Seiten harzlich un aufrichtig. Ä lautes tausendschtimmig „Glick auf!“ im „Of Wiedersahn!“ tente noch hinter de Wohngs har ….

Aus: Erinnerunge aus alter Zeit. Von än alten Clastholer. Erschter un Zwäter Thäl. Sonderabdruck aus den „Öffentlichen Anzeigen für den Harz“, Clausthal (Pieper’sche Buchdruckerei – Bruno Reiche) 1907, Erschter Thäl, S. 31ff.

Abb.: Georg V., König von Hannover, seine Frau Marie von Sachsen-Altenburg und die Kinder Kronprinz Ernst August, Prinzessin Friederike und Prinzessin Marie, Druck der Hof- und Steindruckerei Julius Giere, Hannover, Datum unbekannt, vermutl. 1854 – 1856,
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