… hinreichend breite Hemmschuhe

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Der Beschädigung des Forstes, welche dadurch erfolgt, daß Fuhrleute aus den Wegen fahren und Nebenwege machen, vorzubeugen, giebt es nur ein genügendes Mittel: den eigentlichen Weg in gutem fahrbaren Stande zu halten, und dann alle Nebenwege durch vorgezogene tiefe Gräben unbenutzbar zu machen.
Folgende Gegenstände verdienen hinsichts der Wegebesserung und Erhaltung der Wege Beachtung. Im Lehmboden müssen dieselben so weit aufgehauen seyn, daß sie durch den Luftzug und die Sonne ausgetrocknet werden. Auch wird daselbst eine solche Breite oft unerläßlich, daß die Fuhrleute nicht nöthig haben, immer einer und derselben Gleise zu folgen. Wo Vertiefungen sind, in welchen sich Wasser zusammenzieht, müssen Abzugsgräben und kleine Brücken angelegt werden, einzelne entstehende Löcher sind schleunig, so wie sie bemerkbar werden mit Faschinen oder zerschlagenen Steinen auszufüllen, die jedoch hinreichend mit Sande oder Kies in den Zwischenräumen ausgefüllt und oben bedeckt werden müssen, so daß ein fester Damm dadurch entsteht.
— Im Sande läßt sich nichts thun, um den Weg fester zu machen. Im Bruchboden, oder an bruchigen Stellen, ist das Auslegen des Weges mit Faschinen und Bedecken derselben mit Kies und Sand unstreitig das beste Mittel, um die Fahrbarkeit des Weges zu sichern. — An Bergen muß vorzüglich darauf gesehen werden, daß die Fuhrleute hinreichend breite Hemmschuhe anwenden, um die Gleise nicht tief auszufahren, und daß das in den Wegen herabströmende Wasser durch Balken, im stumpfen Winkel eingelegt, in Gräben geleitet wird, die mit dem Wege parallel laufen, auch jede ausgewaschene Stelle gleich im Anfange mit eingestampften Steinen wieder ausgefüllt wird.

Durch die Köhlerey kann den Forsten vielfach Beschädigung zugefügt werden. Um sie zu verhüten, ist die Wahl der Kohlstellen so anzuordnen, daß nicht Feuersgefahr entsteht, durch die An- und Abfuhren des Holzes nicht Schaden geschieht, die benachbarten Bäume und Dickungen nicht durch den Meilerrauch beschädigt werden. Das Laub oder der Rasen, womit der Köhler deckt, muß demselben an solchen Orten angewiesen werden, wo er es ohne Nachtheil für den Forst wegnehmen kann; auch die Weide für die Köhlerpferde, wenn er solche bedarf, verlangt sorgfältige Beachtung, weil sonst dieselben leicht Schaden auf den Schlagen und in den Schonungen thun. Da der Tag und Nacht im Holze sich befindende Köhler schwer zu controlliren ist, so erfordert er genaue Aufsicht, damit er nicht Material zum Anzünden, zu Fackeln, oder gar zu Holz zum Füllen, auf unerlaubte Art an sich nimmt.

Wilhelm Pfeil; Die Forstwirtschaft nach rein praktischer Ansicht so wie sie der Privatforstbesitzer oder Verwalter führen muß, um sie in Verbindung mit der Landwirthschaft am vorteilhaftesten einzurichten, Leipzig 1831, S. 166f.

1856 – Ä Peitschen-Schtanderl for de hung Herschaften

Mei Blick gieht links niewer nohng Amthaus, wos dan grußen Platz an disser Seit su schien obschließt. Ä prächtiger Bau, äne Zier for dr ganzen Schtadt. War alle ist do in frieherer Zeit aus- un ängegange, war is do net alle zu Gast gewasen bei dan jeweiling Barkhauptmann: v. Meding, v. Knesebeck, v. Linsingen, Ottiliae!
Unner altes hannoversches Kenigshaus hot ahch Clasthol besucht un do länger verweilt. De Harzer hab se doch will garen gehatt.

An Mittwoch, den ärschten Oktober 1856 kam dr Kenig Georg V. mit dr Kenigin Marie, dn Krunprins Ernst August un dan bäden Prinzessinne Friederike un Mary in Clasthol ahn. Ä greßrer Aufwand ist wull of dn Harz noch net gemacht als wie bei disser Gelahnghät.

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An Nohchmittohk wir de Königsfamilig dorch dn Harr Barkhauptmann v. Knesebeck un än Regierungsrath bei dar prächtig Ehrenpfort, die interhalb dr Lerbacher Eisenhitt aufgefiehrt war, in Empfang genumme un begrißt, von do gängs mit Fuhrleit als Vierreiter dorch Schpalljehs von Waldarptersch, Hitten-, Bark- und Puchleit bes an dr zwäten Ehrenpfort, die uhm vor Clasthol ahngelegt war un die sich wunderbar schien ausnahm. Hie wurn de huhng Gäst von Clastholer Magistrat, von dr gansen Gästlichkät, Bark- und Hittenbeamten un dan Bergerschaftsvertratern empfange un begrißt un denn wieder dorch än ununterbrochne Schpalljeh von Bergern dr Osterederschtroß nunter bes nohng Amthaus gebrocht, wu de Kenigsfamiilig for dr nächsten Zeit Quartier namme wollte.
Alles schteckte in Grien un kä Haus war ohne Zier. Su ne Menschenmeng war will noch net of de Bän gewasen un besundersch of dr Osterederschtroß.

An Ohmd war äne gruße barkmännsche Aufwartung vor’n Amthaus. Disse Aufziehg kännt ju jeder Harzer; se sän, besundersch an Ohmd, bei dan vielen brenneten Gruhmlichtern, su ähngartig schien, daß se ä Jeder garen wiedersieht. De Barkmusiker in ihren schmucken Ohneform, dar korzen schwarzen Jack mit dicke goldne Schmier, dan griene Schachthut mit silberne Schlegel un Eisen un blanken Hinterlader, machte Morring- un Tafelmusik un war fast schtännig an dr Arpt.

Jeden Tohk machte nu dar Kenntliche Besuch Ausflieg un alles, wos es Sahn wart, han se in Ahngschän genumme. Wu se hinkame, war Alles in schännsten un frischsten Schmuck; ich will mant nenne de Prinzenlaube, de Barkwarkswohlfahrt un de Bitt. Hie warsch äne wahre Pracht. Än Tohk wir nohch dan neue Richtschacht in Burgstedter Zuck gefahren, dar for dan alten Dortheer Schacht abgesunken waren sollte. Har krehg in dr Taaf von dr Kenigin Marie sän Name un hieß von nun ahn: Kenigin Marie-Schacht.
An Freitig Ohmd war wieder äne Aufwartung von Berger un Schutzen, die ahch mit viel’n Glans verlief.

An Mantig Mittohk ließ de Kenigsfamilig von Amthaus rob „rappen“ un Alt und Jung nahm Ahnthäl an dissen saltne un äntregling Vergnieng. Weil es Rappen in dr Walt immer saltner wärd un dorim mannig Äner zunt gar net meh wäß, wos dos ähngtlich is, su will ichs hie sahn: de Kenigin un ihre Kinner hatten kläne Kerb vull neies Silwer- un Kuppergald un schräten dos nu mit vullen Händen uhm von Balkon rob.
Es Rappen hatte ju Käner gelarnt – wu sollter dos ahch larne! –

un doch verstanden se’s Alle. De arm‘ Leit, for dies beschtimmt war, un de Kinner un ahch noch Annre han kän Pfifferling liehng loßen un dr Amthausdiener hatte net nethig, harnohcher wos zesammezefahng. Es war wie gelackt do.

An dissen Mantig Ohmd war ahch äne wunderschiene Illumenation, bei dar ower ahch in’n klänsten Gassel Lichter in de Fanster schtanden. Hibsche Transparente mit sinning Inschriften brochten denn noch äne ahngenahme Obwachslung drzwischen. Ä paar drvon sän mr noch bekannt geworr’n un ich will se mit harsetzen: dr alte Kemena hatte geschriehm:

„Einst sprach Dein Ahn:
Der Harz ist doch die beste Perl‘ in meiner Kron!
Sprich Du es auch, geliebter König, lehr‘ es Deinem Sohne
Und achte nicht des Landes Wahn!“   (?)

An Finans-Revisor Lahmeyer (schpätern Ewerbarkrath) sän Haus war zu lasen:
„Des Königs Huld, der Königin Herz,

Des Waldes Gedeihn und Tausend Jahr Erz –
Wenn das der Himmel dem Harz bescheert,
Dann hat er nichts weiter, was er begehrt!“

Dr Ey in „Drei Linden“ an dr Osterederschtroß hatte ä schienes Transparent gemacht; seine Inschrift ließ sich dr blinde Kenia bei sän Dorchfahren laut un vernehmlich zwämol vierlasen. Sie lautete:

„Georg V. und Marie
Heil, Heil auf ihrem Thron!
Wenn ihre Gnad‘ doch mir verlieh‘
Hier eine Konzession!“

Es blie ower bän Alten – har krehg käne.

Ahch ä Peitschen-Schtanderle han de huhng Herschaften vorn Amthaus zu hären gekrehng, wie’s de Barkfuhrharrn mit ihren Fuhrleiten bei festling Gelahnghäten auffiehrten.
Mr hots wull noch nerringst annerschtwu gehärt. Un wenns ahch blus Peitschen waren, wu se drmit knallten – es härte sich doch gut ahn. Se waren gut ängeibt, un in frischgewaschne blae Kittels mit weißer Schullerschtickerei, dan bräten schwarzen Filzhut of dn Kopp, traten se denn, daß se sich net gehngseitig in’n Gesicht schluhng, su weit ausänanner ahn, wie de Hulane, wenn se ihre Lanzen-Iwunge machen. Un denn gäng’s ower lus, in schännsten Takt  – pfatsch, patsch, pfaaatsch! daß än Hären un Sahn verging.

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De Kenigswoch war zu End gegangen; äne ganze Woch‘ hatte es Hannoversche Königshaus unter seine liehm Harzer verweilt; se hatten sich känne gelarnt. Su ruhig un sicher wie in sein‘  ahngeschtammten Ferschtenschloß in Hannover hatte dr Landesvater do in Amthaus sei Haupt niederlehng känne. Un do waren de Harzer ahch schtols drauf. Dr Kenig hatte mt seiner ganzen Familig viel Fräd‘ bei uns erlabt, un wenn ’ne ahch es Ahnglicht, de herrlichste Gottesgab, versaht war, so hottersch doch in jeder Schtunne vermumme, wie ne seine Harzer Landskinner zugethan waren.

An Mittwoch den 8. Oktober verließen unnre Gäst Clasthol wieder un fuhren nohch Blankenburg zu, wu se dn Herzog Wilhelm von Braunschweig, ihren huhng Verwandten, än Besuch zu machen gedachten. Dr Obschied war of bäden Seiten harzlich un aufrichtig. Ä lautes tausendschtimmig „Glick auf!“ im „Of Wiedersahn!“ tente noch hinter de Wohngs har ….

Aus: Erinnerunge aus alter Zeit. Von än alten Clastholer. Erschter un Zwäter Thäl. Sonderabdruck aus den „Öffentlichen Anzeigen für den Harz“, Clausthal (Pieper’sche Buchdruckerei – Bruno Reiche) 1907, Erschter Thäl, S. 31ff.

Abb.: Georg V., König von Hannover, seine Frau Marie von Sachsen-Altenburg und die Kinder Kronprinz Ernst August, Prinzessin Friederike und Prinzessin Marie, Druck der Hof- und Steindruckerei Julius Giere, Hannover, Datum unbekannt, vermutl. 1854 – 1856,
Quelle:  Commons.wikimedia

Alte Fuhrherrenstraße (1972) – Die Alte Fuhrherrenstraße im Ortsteil Buntenbock führt vom Mittelweg am ehemaligen „Platz“ in Richtung auf die „Chaussee“, die Bundesstraße von Goslar nach Osterode.
Der frühere Name Hüttenweg mußte 1972 bei der Zusammenlegung mit der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld geändert werden, weil es in Clausthal-Zellerfeld bereits zwei Straßen ähnlichen Namens gab.
Den Namen Alte Fuhrherrenstraße wählte man, um die Erinnerung an das alte Fuhrherrendorf Buntenbock wachzuhalten. Von 1700 bis 1850 war die Blütezeit des Fuhrwesens in Buntenbock. Seite etwa 1750 traten „Fuhrherren“ auf. Die Fuhrherren fühlten sich als ein besonderer Stand. Selbst der König mußte ihren Erzwagen ausweichen, so wird berichtet. Was mit der schweren Last zusammenhing.
Allein im Transportwesen des Eisensteinbergbaus sind um 1800 etwa 560 Pferde mit 280 Fuhrleuten beschäftigt gewesen. Die Fuhrleute wohnten vor allem im Mittelteil des Ortes, der sich fast in einem Halbkreis um die beiden Junkernhöfe legte. Neben der Schmiede, die noch heute an dem alten Fahrweg liegt, sind auch die Gasthöfe, die zur Einkehr und zum Ausspann für Fuhrleute dienten, eine Erinnerung an die „goldene Zeit“ des Fuhrwesens und Buntenbocks.

Die Straßen in Clausthal – Zellerfeld – Buntenbock früher und heute: Namen – Bilder – Erl./ hrsg. von d. Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Zagest. von Friedrich Seidel, Clausthal-Zellerfeld (Pieper) 1983, S. 42.

Vorschläge wider den Koller der Pferde vor einem bespannten Wagen.

Man weiß, wie viele Personen schon ihr Leben bey diesem Zufalle eingebüßt haben. Um sich also in dieser dringenden Gefahr retten zu können, so lasse man den Vorderwagen dergestalt einrichten, daß der Kutscher den Spannagel an einer Kette sogleich heraufziehen kan, damit die Pferde allein davon laufen können, und der Wagen stehen bleibe.
Da ferner ein Pferd nicht mehr Athem holen und davon laufen kan, sobald man seine dünne Nasenlöcher im Beschlagen zusammendrückt, so könnte diese Zwinge, bey wilden Pferden, als ein Zierrat des Nasengeschirres, an jeder Seite eine, angebracht, und die Feder, so sie regieret, an den Zügelriemen für beständig befestigt werden, den der Kutscher in erforderndem Falle nur scharf anziehen dürfte.

Johann Samuel Halle; Magie oder, die Zauberkräfte der Natur, so auf den Nutzen und die Belustigung angewandt worden, mit 9 Kupfertafeln, Erster Theil, Zweite Auflage, Berlin (Joachim Pauli) 1784, S. 321.

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 14.12.2013.

spannnagel, m. nagel, welcher das vordergestell eines wagens mit dem hintergestell zusammenspannt, verbindet; auch der kasten des wagens wird mit spannnägeln auf dem untergestell befestigt. Jacobsson 4, 199b; ahd. spannagil, spannagel, dentale Steinmeyer – Sievers ahd. gloss. 3, 166, 45; auch sich anlehnend an span, astula, mit dehnung spânnagel ebenda; dentale, lignum quo vomer incutitur, ein spoennagel. voc. opt. (Leipzig 1501) H 5b; spannegel als an einem wagen, dentale; spannagel, spanneghel, eyn spanne nale an eym karn, forale. Dief. 173c; spanne nagel an eim wagen o. an ein gigen, dentale. nov. gloss. 130b;

[Bd. 16, Sp. 1913]

spannagel, emo Dief.-Wülcker 857; zum glück verlor er (der knecht) hinterm Neuendorfer gehege den spannnagel, so dasz der hinterwagen mit dem stroh stehen blieb und der knecht mit dem vorderwagen um so schneller vorwärts jagte. Bartsch mecklenb. sagen n. 57.

Die Revisorklippe

Es war einst ein Todtenschreiber oder Revisor auf Klausthal, der konnte nicht ruhen und ging täglich zur Mittagsstunde in seinem Hause walten (spuken). Ein älterer Pater sollte ihn verweisen, konnte es aber nicht, weil er etwas begangen hatte. Da holet ein alter Fuhrherr namens Kaiser einen siebenzehnjährigen Pater, welcher den Mann verweisen sollte. Unterwegs, Morgens in der Frühe, sagte der Pater, ob er nichts fliegen sähe. – Ja, er sähe einen großen Vogel. – Ja, ein schöner Vogel, sagte der Pater lachend, es ist der Stepke (Teufel). Er sei schwer beladen, ob er wolle, was er hätte? Er müsse ihm etwas abnehmen, sonst sei seine Gerechtsame verfallen, und er könne nicht mehr verweisen. Der Teufel berichtete ihnen nun, er wolle zu einer Kindtaufe und habe bei sich Mehl, Rosinen, Zucker und Butter, das wolle er den Kindtaufsleuten bringen. Der Fuhrherr meinete zwar, er möge vom Teufel nichts, der Pater aber sagte: er solle wenigstens die Butter nehmen. So nahmen sie ihm die Butter ab, damit hat der Fuhrherr nachher seine Pferde geschmiert und besonders schöne Rosse dadurch erhalten.

Der Pater hat den Revisor darauf nach der Klippe gebannt, die nun die Revisorklippe genannt wird. Dort sieht man deutlich ein Buch oder einen Berg Acten aus Stein und einen Sessel dabei. Kohlenbrennern ist der Revisor erschienen in der Sterbemütze und im großen langen Leichenkittel. Ein Schäfer erzählte von der Klippe Folgendes: Sein Vater habe einstens seine Heerde nahe an diese Klippe hin zu treiben versucht, und mit einem male sei ein Steinregen auf seine Hunde geworfen, daß diese heulend entflohen seien und er sich selbst mit der Heerde habe schnell entfernen müssen; hierauf nach längerer Zeit hätten ein paar göttinger Studenten auf einer Harzreise versucht sich dieser Klippe zu nahen, aber auch diese seien mit furchtbaren Steinen, die ihnen entgegengeworfen worden, zurückgetrieben und seitdem habe Niemand wieder gewagt sich ihr zu nahen.

Harzsagen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle, Erster Band: Sagen des Ober-Harzes, Leipzig (Hermann Mendelssohn) 1859, S. 103.

Fuhrmannskittel blond

Löwen, das in dem Mittelalter 200.000 Seelen, 4000 Webereien und 30 bis 40 Arbeiter an jeder Weberei enthielt , zählt jetzt kaum 18.000 Seelen ; so sehr ist die Stadt durch Uebermuth, Auflagen, Druck herabgekommen. Die Bierbrauereien (40) erhalten und ernähren meistens die Stadt. Das Bier ist vortrefflich, und wird weit versendet. Das Blondfärben der Fuhrmannskittel, Schürzen , Tücher , beschäftigt 10 bis 12 Etablissement. Ausserdem ist Löwen der Hauptmarkt für Saamenöle.

Allgemeine Geographische EPHEMERIDEN, Verfasset., von einer Gesellschaft von Gelehrten, und herausgegeben von F. J. B E R T U C H, Doctor der Philosophie ; Herzogl. Sachsen – Weimar. Legations – Räthe , und mehrerer gelehrten Gesellschaften, Mitgliede. Sechs und dreifsigster Band. Mit Charten und Kupfern. Weimar, im Verlage des Landes – Industrie- Comptoirs.1811.

1824 – Ein viertes Pferd!

Clausthal den 11ten Mai 1824

Nr. 945

An

den Oberhütteninspektor
Bartels hieselbst.

f-C. für den Oberforstmeister
von Hammerstein hieselbst.

Unter Berücksichtigung der vom Oberhütteninspektor Bartels, mittelst Berichts vom 8ten v. M., vorgestellten Umstände will man dem Fuhrmann Jacob Bormann* zu Buntenbock, vorerst auf ein Jahr, die Haltung eines vierten Pferdes, insbesondere zum Transport des Stabeisens von der Silbernen-Aaler Frischhütte ins Land, hiermit gestatten; jedoch hat derselbe dieses vierte Pferd, außer der Coaks-anfuhr und dem besagten Eisentransporte,  überall nicht bei Fuhren behuf des hiesigen Haushalts zu gebrauchen.

Unterschrift

1824. Viertes Pferd

für Jacob Borrmann zu
Buntenbock.

Quelle: Kopie im Nachlass Anneliese Vasel, Anmerkung von ihr: „In einem anderen Schreiben wird Jac. Bormann als verständiger Mann dargestellt, dem man durchaus ein 4. Pferd bewilligen sollte“.

* Bormann, Heinrich Jacob; Fuhrherr in Buntenbock, 1781-1853, Sohn des Bormann Michael Heinrich, Kohlenfuhrherr in Buntenbock und der Haberland, Maria Magdalena. Vater des Bormann, Heinrich Carl Wilhelm, 1824-1894. Quelle: Bormann-Archiv, Geschl. Nr. 4, Fam.-Nr Ib (0).

Kleine Chronik der Buntenböcker Schmiede

Von Anneliese Vasel*

Daß in Buntenbock, dem ehemaligen Dorf der Fuhrleute, eine Hufschmiede existiert haben muß, setzt man als selbstverständlich voraus. Und tatsächlich wissen die meisten Einwohner auch heute noch, wo man früher die Pferde beschlagen ließ, weil der Hausname des Hauses Am Brink 10 daran erinnert.

Leider gibt es keine schriftlichen Quellen über das Gründungsdatum der Schmiede. Doch an Hand von Seelenregistern und Häuserlisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert läßt sich annähernd berechnen, wann hier der erste Hufschmied seine Arbeit aufnahm.

In einer Kriegssteuerliste von 1623 fehlt der Hinweis auf einen Schmied noch ganz, obwohl an sonstigen Berufen schon sind: Ein Bäcker, ein Köhler, ein Holzflößer, zwei Holzhauer, fünf Fuhrleute. Auch 1676, als die Mannspersonen und das Vieh von Buntenbock gezählt werden, sucht man unter den 25 Hausbesitzern vergeblich nach einem Schmied. Erst um 1680 scheint der Ort für einen Hufschmied, der aus einer Clausthaler Familie von Schmieden stammt, interessant geworden zu sein, denn 1682 wird im Kirchenbuch in Clausthal die Heirat des Hufschmiedes Jürgen Finke mit einer Margarethe Magdalene Gärtner eingetragen.

Dieser Jürgen Finke wird dann später im Kirchenbuch anlässlich der Geburtseintragungen für seine Kinder „Hufschmied von Buntenbock“ genannt. Er wird es auch gewesen sein, der das abgebildete Schmiedegebäude gegenüber dem Wohnhaus errichtete. Es ist anzunehmen, daß das Wohnhaus schon einige Jahrzehnte früher gebaut wurde.

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Als Jürgen Finke 1722 stirbt, ist sein Sohn Michael Heinrich Finke soweit, das Schmiedehandwerk fortzuführen. Er heiratet wenige Wochen nach dem Tode des Vaters eine der fünf Töchter des Kornhändlers Hüddersen. Besitzerin des Hauses und der Schmiede aber bleibt zunächst noch die Mutter, so jedenfalls geht es aus einer Einwohnerliste von 1729 hervor.

Aus der Ehe gehen 7 Kinder hervor. Die beiden Söhne erlernen das gleiche Handwerk wie der Vater, so daß der ältere von beiden, Heinrich Adam, schon bald nach dem frühen Tod des Michael Heinrich Finke im Jahr 1746 den Betrieb übernehmen kann.

Als dann im Mai 1766 Wilhelm Friedrich von Uslar damit beginnt, auch für Buntenbock die Besitzverhältnisse der gegen Feuer versicherten Häuser im sogenannten Lagerbuch schriftlich festzuhalten, erscheint für die Schmiede ein neuer Besitzername, aber auch die Finkes bleiben nicht unerwähnt. Die Erklärung für die Namensänderung war leicht zu finden: die Heirat einer Finketochter mit einem Schmiedegesellen Johann Sigmund Ludewig.

Dieser Johann Sigmund Ludewig stammte aus Liegesitz in Schlesien, wo sein Vater schon das gleiche Handwerk ausgeübt hatte. Er heiratet 1760 Margaretha Christina Finke und erwirbt ein Jahr später die Schmiede mit Haus und 5 Gartenplätzen sowie den dazugehörigen Stall für 700 Taler von seinem Schwager Heinrich Adam Finke.

Warum der erst 32jährige Hufschmied Finke die Schmiede an den zugewanderten Ludewig verkauft hat, geht aus den Lagerbucheintragungen nicht hervor. Herauszufinden war lediglich, daß er mit seiner Familie in Buntenbock als Hausgenosse eines anderen Schwagers, des Fuhrherrn Johann Heinrich Kayser, wohnen bleibt.

Das 18. Jahrhundert gilt als Blütezeit des Dorfes Buntenbock. Daß dem tatsächlich so war, läßt sich immer wieder an Einzelschicksalen jener Zeit ablesen, so auch an den wenigen biographischen Daten, die es von Johann Sigmund Ludewig gibt. So findet man seinen Namen 1790 auch in den Lerbacher Akten als Erbauer einer Hufschmiede unterhalb der Lerbacher Mühle.

Mit dem Bau der neuen Hufschmiede in Lenbach mag er zweierlei Ziele verfolgt haben. Einmal wird er erkannt haben, daß der Bau der Lerbacher Eisenhütte einen größeren Bedarf an Fuhrwerken in Lenbach zur Folge hatte, zum anderen scheint er auch die Absicht gehabt zu haben, einem jüngeren Bruder seiner Frau eine berufliche Chance zu geben. Im Jahre 1787 findet man diesen Schmiedeburschen schon als unverheirateten Hausgenossen von 46 Jahren bei dem Lerbacher Müller Lindner eingetragen.

Die Schmiede und das Wohnhaus in Buntenbock übergibt Johann Sigmund Ludwig schon 1793 für 800 Taler an seinen Sohn Heinrich Carl Ferdinand Ludwig, der dem Vater Wohnrecht und Nahrung bis Lebensende zugestehen muß. Die kleine Schmiede in Lenbach bleibt noch im Besitz des alten Schmiedemeisters Ludwig. Erst nach dessen Tode wird sie ebenfalls dem jungen Hufschmied in Buntenbock zugeschrieben mit der Auflage, seinen Onkel Christian Finke zeitlebens Nießnutz zu gewähren.

Doch Carl Heinrich Ferdinand Ludwig stirbt früh, noch nicht 35 Jahre alt, und hinterlässt eine junge Witwe mit 5 Kindern. Nach einem Jahr Witwenschaft heiratet die junge Frau, eine geborene Hille aus Buntenbock, wieder. Der sehr viel jüngere Ehemann stammt aus der Schmiedefamilie Jürgen in Gieboldehausen. Am 15. August 1804 nimmt er „das Grundstück für den taxierten Wert“ an und muß für alle Gebäude, Wiesen und Gärten und die Schmiede in Lenbach 1500 Taler bezahlen.

Aus dieser zweiten Ehe gehen 4 Töchter hervor, von denen zwei früh versterben. Der einzige Sohn aus beiden Ehen Ernst Carl Ferdinand Ludwig wird von seinem Stiefvater auch wieder zum Schmied ausgebildet und schon 1828 überlässt Franz Jürgen dem Stiefsohn die Schmiede mit dem gesamten Zubehör, sowie einer Kuh, für 1700 Taler.

Soviel läßt sich aus den Eintragungen im Lagerbuch ablesen. Ergänzend sollte hier erwähnt werden, daß es sich bei den Kaufgeldern fast immer um Darlehen der Buschischen Stiftung, der Altenquer Knappschaftskasse oder privater Geldverleiher handelt.

Der letzte Hufschmied von Buntenbock ist dann der Sohn des Ernst Carl Ferdinand Ludwig, der 1835 Augustine Philippine Thiele aus Buntenbock geheiratet hatte, gewesen. Mit dem Tod des Schmiedes Heinrich Carl August Ludwig im Jahre 1915 stirbt auch das Handwerk der Hufschmiede in Buntenbock.

Anneliese Vasel – Sommer 1989

* Anneliese Vasel, geb. Bormann (1938 – 1991), selbst Nachfahrin einer Buntenböcker Fuhrherrenfamilie, gehörte zu den ausgewiesenen Kennerinnen der Geschichte Buntenbocks. In zahlreichen Veröffentlichungen hat sie ihr Wissen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Publikation dieses Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Nachfahren von Anneliese Vasel. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle!
Der  Artikel „Kleine Chronik der Buntenböcker Schmiede“ wurde erstmals veröffentlicht in: Allgemeinen Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1990, Clausthal-Zellerfeld (Ed. Piepersche Buchdruckerei) 1989, S. 52f.

Abbildung: (c) Ernst Höhlein, Alte Schmiede Buntenbock, November 1989.

Mit Hut und Hund … im Damensattel den Harz hinauf …

img115-webFuhrmann mit Karren

Richter, Ludwig: – Der Hübichenstein (Ausschnitt). Stahlstich von Geissler nach Ludwig Richter. – (1838). – * Im Vordergrund ein Pferdekarren, Mädchen beim Wasserholen. Aus: d – Graphik –

Ohne Frage … Höllenqualen

In diesem Zusammenhang darf besonders im Harz der Hüttenrauch oder besser die durch ihn verursachte Beschädigung der Waldstandorte nicht unerwähnt bleiben. Die gasförmige Emission von Schwefeldioxid und Schwermetallen hat in der näheren und weiteren Umgebung der Hütten zu teilweise flächenhaftem Waldsterben geführt und die Waldböden bis heute geprägt. Dem Hüttenrauch selber kam damit der Charakter eines forstlichen Standortsfaktors im Harz zu. Sehr bekannt geworden ist die von dem Chemiker Dr. Julius von Schröder und dem Städtischen Oberförster zu Goslar Carl Reuß 1883 veröffentliche Monographie „Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch und die Oberharzer Hüttenrauchschäden“.

Sicher ist, dass überall dort, wo im und am Harz Erze geröstet bzw. verhüttet wurden, die oben genannten Stoffe mit wechselnden Anteilen auf die umgebende Vegetation – und übrigens auch auf Menschen und Tiere – einwirkten. Eine Goslarer Urkunde aus dem frühen 15. Jahrhundert besagt, dass die Erzrösten auf Geheiß des Rates außerhalb der Stadt angelegt werden sollten, damit die Bürger nicht durch den Gestank belästigt würden. (…) In bis zu drei Umgängen wurde das Erz über einem Holzfeuer mürbe gemacht und dabei der gebundene Schwefel freigesetzt. Der elementare Schwefel sammelte sich in dazu hergerichteten Mulden und konnte auf diese Weise, wie es hieß, gefangen werden. Ohne Frage hatten die Arbeiter dabei Höllenqualen zu leiden. Im Jahr 1639 klagte ein Mühlenbesitzer bei Altenau der Obrigkeit, dass er wegen des Rauches der nahe gelegenen Hütte kein gesundes Vieh erhalten könne.

Der Rauch wirkte zunächst schädlich auf die oberirdischen Pflanzenorgane. Seine Bestandteile führten ferner und nachhaltig zu einer Versauerung der ohnehin oft basenarmen Böden und zu einer großflächigen Anreicherung bzw. Mobilisierung von toxischen Schwermetallen. Daraus konnte wiederum eine Schwächung der Waldbäume resultieren, eine verminderte Stabilität und damit Anfälligkeit gegenüber z. B. Borkenkäfern. Diese Zusammenhänge übrigens sind bereits von forstlichen Zeitgenossen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Harz erkannt und beschrieben worden.

Eine erste namentliche Erwähnung in forstlichem Kontext fanden Waldschäden durch Hüttenrauch in den Kommunion-Forstbeschreibungen von 1691/92, und zwar für die Lautenthaler Forst am Kleinen Bromberg unweit der Lautenthaler Silberhütte sowie für die Wildemänner Forst am Hütteberg.20 Schon die Beschreibung des zuletzt genannten Forstorts durch Groscurt und Ernst in ihrem berühmten Forstabrissbuch von 1680 deutet auf den schädigenden Einfluss von Hüttenrauch hin, wenn gesagt wird, dass des Berges gantzer Boden [. . .] überall truckener nicht gar fruchtbarer Natur [ist] absonderlich gegen Süden herab: Daher an solcher seiten nicht Viel holtzes Zu finden [. . .].
Unsere Annahme wird gestützt durch den bekannten Kupferstich aus der Werkstatt Merians von 1654, welcher den fraglichen Ort (…) aus südöstlicher Richtung zeigt. Die Rauchschwaden der Silberhütte am Fuß des Hüttenbergs sind deutlich zu erkennen. Der Waldzustand in der Rauchfahne der Hütte lässt es nicht unwahrscheinlich erscheinen, dass es sich dabei um Schadsymptome handelt. Die Beispiele ließen sich vermehren.

Peter-M. Steinsiek, Determinanten der Waldentwicklung im Westharz (16.-18. Jahrhundert), Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte Band 80 . Hannover (Verlag Hahnsche Buchhandlung) 2008, 117ff.